Welterbe Zollverein

Kesselhaus/ red dot design museum, Design Zentrum NRW (A7)

Das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Foto: RIK/Sascha Kreklau
Das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Foto: RIK/Sascha Kreklau

Etwas abgerückt, vom Hauptplatz aus über die Sichthachse zwischen den beiden Werkstattgebäuden hindurch wiederum einbezogen, liegt das ehemalige Kesselhaus mit den beiden vorgelagerten Bauten für die Hoch- und Niederdruckkompressoren. Von dieser „Kraftanlage” aus wurden alle Zollverein-Schachtanlagen mit Druckluft versorgt. Die Bergleute benötigten für ihre Abbauhämmer, Schüttelrutschen, Druckluftlokomotiven und viele andere Geräte eine große Menge Nieder- und Hochdruckluft.

Laut Rationalisierungskonzept sollten die veralteten und verstreut liegenden Einrichtungen durch eine zentrale Anlage ersetzt werden. Von daher wurde in einem ersten Bauabschnitte die Errichtung des Kesselhauses mit vier Kesseln umgesetzt. Wenige Jahre später kam ein fünfter in einer rückwärtigen Bauerweiterung hinzu. Im direkten funktionalen Zusammenhang mit dem Kesselhaus steht der vorgelagerte, flache Zwischentrakt. Im linken Teil waren Pumpen, im rechten die Wasserreinigung untergebracht. Die zur Verfeuerung benötigten Brennstoffe wurden mit Eisenbahnwaggons angeliefert und in einem seitlich angebauten Tiefbunker gelagert.

Die Komposition des Ensembles erhält ihre besondere Wirkung durch die Anordnung der Baukuben gewissermaßen als „Dreiflügelanlage” sowie durch die Höhenstaffelung des Kesselhauses mit seinem vorgelagerten Treppenturm. Ursprünglich war sie auf den heute nicht mehr erhaltenen über 100 m hohen Kamin bezogen, der hinter dem Kesselhaus stand. Die hochrechteckigen, vertikalen Fensterbänder des Kesselhauses im Gegensatz zu den horizontalen der Kompressorenhäuser unterstützen das Gestaltungsprinzip der Staffelung.

Noch während der Betriebszeit von Schacht XII wurde das Kesselhaus im Jahr 1977 stillgelegt und der Schornstein abgerissen. Dann überließ man das Gebäude seinem Schicksal, und langsam verfiel es. Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) sollte auch das Kesselhaus aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Es erschien als geeigneter Standort für das Design Zentrum Nordrhein Westfalen, das 1955 als „Haus der Industrieform” in der Essener Villa Hügel gegründet worden war. Die erforderlichen Umbauarbeiten übernahm das Londoner Architektenbüro von Lord Norman Foster. Mitte der 1990er-Jahre konnte das Design Zentrum einziehen. Es präsentiert heute im red dot design museum über 1.000 mit dem roten Punkt prämierte Objekte aus dem Möbel-, Industrie- oder Kommunikationsdesign. Außergewöhnliche Veranstaltungen und Wechselausstellungen finden ebenfalls hier statt.

Ein Teil der ursprünglichen Ausstattung wurde bei den Umbauarbeiten entfernt. Von den ehemals fünf Kesseln ist einer aus dem Jahr 1929 noch erhalten. Trotz allem konnte die Aura dieses Denkmals der Industriekultur bewahrt bleiben. Zentraler Bereich der dreischiffigen Halle ist der 23 m hohe Schürerstand im Mittelschiff. Von dort geht es über Stege und Treppen über die vier Ebenen. Immer wieder kann der Besucher vor der Kulisse der technischen Ausstattung oder in den als Ausstellungskojen hergerichteten Einfassungswänden ungewöhnliches Design entdecken.

Wer, angeregt von der modernen Produktgestaltung, ein „Andenken” mit nach Hause nehmen möchte, kann in dem Shop im Foyer fündig werden. Wen das ungewöhnliche Angebot vor die Qual der Wahl stellt, der kann zur Entscheidungsfindung in dem kleinen integrierten Café erst mal einen Kaffee trinken.

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Kontakt & Infos

red dot design award
Design Zentrum Nordrhein Westfalen
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen

ÖPNV

Von Essen Hbf oder Gelsenkirchen Hbf mit Straßenbahn 107 bis „Zollverein“