Zeche Nachtigall

Die Zeche Nachtigall in Witten. Foto: RIK/Sascha Kreklau
Die Zeche Nachtigall in Witten. Foto: RIK/Sascha Kreklau

Eine Brücke über die Ruhr, die Nachtigallbrücke, stellt eine Verbindung von der Zeche Nachtigall zur Bahnstation Witten-West her. Der Anschluss liegt an der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn, die 1848 eröffnet wird. Der Kohlentransport wird weiter erleichtert, als ab 1874 eine Bahntrasse durch das Ruhrtal läuft. Ein eigener Güterbahnhof sorgt bald für einen reibungslosen Transport von und nach Nachtigall.

1890 arbeiten etwa 880 Bergleute auf der Zeche Nachtigall. Um den Kohlenpreis stabil zu halten und Überproduktion zu vermeiden, wird die Fördermenge für die einzelnen Zechen im Ruhrgebiet quotiert. Die größeren Zechen nördlich der Ruhr kaufen die nahezu unrentablen Zechen im Muttental auf, um insgesamt größere Mengen fördern zu dürfen. Darüber hinaus ist die Kohle im Wittener Gebiet im Gegensatz zur Fettkohle der nördlicheren Gebiete nicht zur Verkokung geeignet. In einigen Flözen ist der Vorrat zudem erschöpft. All dies bedeutet dann schon 1892 das Aus für die Kohlenförderung auf Nachtigall. Die Kumpel kommen zum großen Teil in den Zechen der nördlichen Bergbauregion oder in anderen Industriebetrieben unter.

Der Einstellung des Zechenbetriebes und der Wasserhaltung auf Nachtigall folgt das Absaufen der Tiefbauzeche. Einige Gruben und Stollen bleiben hingegen wasserfrei, was später noch von Bedeutung sein wird. Über dem Schacht der Zeche lässt der Unternehmer Dünkelberg Ringöfen für eine Dampfziegelei bauen. Als Nachfolgenutzung für den Zechenbetrieb beginnt 1897 die Ziegelproduktion auf Nachtigall. Die von Dünkelberg selbst konstruierte Ziegelpresse wird ein Exportschlager - bis nach China findet sie Absatz.

Die Zeche Nachtigall in Witten. Foto: RIK/Sascha Kreklau
Die Zeche Nachtigall in Witten. Foto: RIK/Sascha Kreklau

Nachlesebergbau in Zeiten der Not

Im Zuge des Ersten Weltkrieges werden Kohlereste aus einigen Gruben und Stollen im Muttental abgebaut. Die Wiederaufnahme des Kohlenabbaus dauert aber nicht lange. Schon in den 1920er-Jahren wird die Arbeit aufgrund der Weltwirtschaftskrise wieder eingestellt. Als letzte Tiefbauzeche im Gebiet Witten wird 1928 die Zeche Herrmann stillgelegt. Im so genannten Nachlesebergbau von 1934 bis 1955 werden zunächst, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, wiederum Reste der Kohlenvorkommen in den Nachtigallstollen abgebaut. Wirtschaftliche Rentabilität spielte keine Rolle. In den Zeiten großer wirtschaftlicher Not bedeutete jedes Stück Kohle ein wenig Wärme. Durch die Stabilisierung der deutschen Wirtschaft im Wirtschaftswunder erloscht der Abbau im eigentlichen Muttental, nur die benachbarte Kleinzeche „Egbert” fördert noch bis 1973.

Die Ziegelei auf dem Gelände der Zeche Nachtigall schließt im Jahre 1963. Kleinere Betriebe, wie z.B. ein Autoverwertungsbetrieb und eine Kranzbinderei, halten Einzug auf das ehemalige Zechengelände - aber nur für kurze Zeit. Die Gebäude verfallen immer mehr, die Zechenwohnhäuser werden 1966 abgerissen. 1983 übernimmt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Zeche Nachtigall in das Westfälische Industriemuseum (WIM). Von der 1714 erstmals urkundlich erwähnten Zeche sind zu diesem Zeitpunkt noch das Maschinenhaus mit einer Dampffördermaschine, ein Betriebsgebäude und der Kesselhausschornstein erhalten.

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Kontakt & Infos

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten
Telefon: +49 (0) 2302 / 93 66 4-0

Öffnungszeiten und Führungen

Di-So sowie feiertags 10-18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr

Führungen für Einzelbesucher durch den Nachtigallstollen:
Apr-Okt: Di-Fr 10.30 Uhr, 12.30 Uhr, 14.30 Uhr & 16.30 Uhr, Sa, So stündlich 10.30-16.30 Uhr
Nov-Mrz: täglich außer montags 10.30 Uhr, 12.30 Uhr, 14.30 Uhr und 16.30 Uhr

Regelmäßig werden samstags auch die Hauerschicht und die Große Berkwerkstour für jeweils bis zu zwölf Teilnehmer ab zehn Jahren als offene Führungen für Einzelbesucher angeboten.

Sonntags um 14.30 Uhr finden offene Themenführungen zu Bergbau, Geologie, Kleinzechen und Kohlenschifffahrt sowie die Vorführung der historischen Fördermaschine statt. 

ÖPNV

Von Witten Hbf ca. 30 Min. Fußweg (links über Bergerstr., Herbeder Str., Ruhrdeich, Nachtigallbrücke); Von Bochum-Langendreer S-Bf  mit Bus 379 bis „Witten-Bommern Bf”, dann ca. 30 Minuten Fußweg

VRR-Fahrtenplaner

Mit nur wenigen Klicks zur richtigen ÖPNV-Verbindung: Der VRR-Fahrtenplaner zur Route der Industriekultur listet alle Bus- und Bahn-Verbindungen zu und zwischen den Ankerpunkten, Panoramen und Siedlungen.

Muttental

Das Muttental ist jederzeit zugänglich
Informationen zum Muttental Stadtmarketing Witten
Telefon: +49 (0) 2302 /12 233

Bethaus
Muttentalstraße 35
Telefon +49 (0) 2302 / 31 951
Apr-Okt: Di-Fr 10-16 Uhr, So 11-18 Uhr
Nov-Mrz: Sa/So 11-18 Uhr


Gruben- und Feldbahnmuseum Museum
Nachtigallstraße 27-33
58452 Witten
Ostern bis Oktober: jeden 1. So im Monat 11-18 Uhr
www.muttenthalbahn.org

Zechenhaus Herberholz
Muttentalstraße 32
Telefon +49 (0) 2302 / 34 19
Mi, Sa, So, Fei 10-18 Uhr

Partner der Ruhr.Topcard 2019

Gastronomie

Museumsgastronomie „Auf Nachtigall“
Telefon: +49 (0) 2302 / 93 66 40
www.auf-nachtigall.de

Restaurant „Zur alten Tür“
Berghauser Straße 14
58452 Witten-Bommern
Telefon: +49 (0) 2302 / 73 523

Restaurant „Schloss Steinhausen“
Auf Steinhausen 30
58452 Witten-Bommern
Telefon: +49 (0) 2302 / 39 99 90
www.schloss-steinhausen.de