Chemiepark Marl

Beeindruckend auch von oben: der Chemiepark Marl. Foto: CPM
Beeindruckend auch von oben: der Chemiepark Marl. Foto: CPM

Nach dem Ersten Weltkrieg schöpft die Ruhrgebietswirtschaft Atem und setzt an zu einer neuerlichen Expansion. Hier, nördlich von Marl, spielt sich der Fortschritt zu allererst noch unter Tage ab. Doch auch über Tage zeugt neben dem Schacht und der Halde vor allem eins vom Anbruch einer neuen Zeit. Neben den Schienen, die beide Zechen an die 1870 eröffnete Strecke Eisenbahnstrecke Recklinghausen-Münster anschließen, wurde 1930 ein anderer wichtiger Verkehrsweg eröffnet, der Wesel-Datteln-Kanal. Gute Bedingungen für den Transport.

Der Macht- und Planungswahn der Nationalsozialisten hatte auch vor der Drewer Mark, zugehörig zum Stadtteil Hüls, nicht Halt gemacht. Für ihre Rüstungsmaschinerie strebten die Nazis völlige Autarkie auf dem Kautschuksektor an. So nötigten sie die seit 1925 bestehenden IG Farben insgesamt drei große Werke für die Produktion synthetischen Kautschuks zu bauen. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort im Ruhrgebiet wurde man nördlich von Marl fündig. 1938 wurden die Chemischen Werke Hüls gegründet, die mit ihren Produktionsanlagen in Form gleichförmiger Schachbrettmuster und dem gigantischen Ausmaß des Werkes dem Raum ihren Stempel aufgedrückt haben. 

Der Chemiepark Marl. Foto: CPM
Der Chemiepark Marl. Foto: CPM

Bedeutender Chemiestandort

Die Zerschlagung der IG Farben in den späten 1940er-Jahren bedeutet auch für die Chemischen Werke in Hüls Befreiung und Aufbruch in eine neue Zeit. Überall auf der Welt boomt die Motorisierung, die ständig wachsende Produktion für die Automobilbranche beendet die Zwangspause im Anschluß an den Krieg. Vorhandene Strukturen werden für die Nachkriegsproduktion übernommen. Je nach Bedarf werden einem Baukasten gleich neue Schachbrettfelder an die alten an angebaut, immer mehr Funktionen werden in den Werken vereint. Heute sorgen mehrere Kraftwerke nördlich des Kanals für die Versorgung mit Energie. Auch die Kläranlage im Norden hat sich seit den 1950ern stark vergrößert. Der nun direkt am Werk gelegene Hafen sowie ein Autobahnanschluss perfektionieren Erreichbarkeit und Transport. Die Zeche Auguste Victoria im weiteren Umfeld des Chemiepark förderte noch bis zum 18. Dezember 2015.

In den Werken im Norden Marls produziert man heute eine breite Palette chemischer Produkte. 10.000 Menschen arbeiten hier in Hüls - kein Wunder, dass auch im Stadtteil Brassert an die alten Siedlungen angebaut wird. Vor allem im Süden gibt es aber noch immer viel Grün. Nicht nur große Erholungsflächen und ein Freibad finden sich im Schatten des Chemiegiganten, selbst Ackerbau gibt es noch hier. Denkwürdige Vergangenheit und lebendige Zukunft, verpackt in den riesenhaften Röhren der chemischen Industrie - im Chemiepark Marl kann man sie erleben, die Öffnung der rätselhaft-spannenden Welt der chemischen Produktion. Vom Hochhaus im Werksgelände bietet sich ein überwältigender Ausblick über Werk, Stadt und Region. Das Informations-Centrum am historischen „Feierabendhaus” zeigt eine Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Chemiestandortes. Die Gastronomie lädt zum Verweilen ein.

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Kontakt & Infos

Chemiepark Marl
Paul-Baumann-Straße 1
45772 Marl
Telefon: +49 (0) 2365 / 49 59-99

Werksführungen

Di, Do, Sa, So 11 Uhr

Die Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Chemieparks Marl im Informations-Centrum ist jeweils eine Stunde vor den Werkführungen geöffnet. Eine Anmeldung ist erst ab einer Gruppengröße von zehn Personen erforderlich. Telefon: +49 (0)2365 / 49 59 99. Abweichende Öffnungszeiten an Feiertagen.
Der Bus startet vor dem Informations-Centrum, Lipper Weg 235, 45772 Marl.
Bitte beachten Sie, dass im Chemiepark Marl ein Fotografierverbot besteht.

ÖPNV

Von Marl-Mitte bzw. Bf Marl-Sinsen mit Bus 223 bis "Feierabendhaus" 

VRR-Fahrtenplaner

Mit nur wenigen Klicks zur richtigen ÖPNV-Verbindung: Der VRR-Fahrtenplaner zur Route der Industriekultur listet alle Bus- und Bahn-Verbindungen zu und zwischen den Ankerpunkten, Panoramen und Siedlungen.

GASTRONOMIE

Feierabendhaus
Lipper Weg 201
Telefon +49 (0) 2365 / 6 96 68-0
www.feierabendhaus-marl.de

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