Henrichshütte Hattingen

Historische Ansicht der Henrichshütte. Quelle: RIK Archiv
Historische Ansicht der Henrichshütte. Quelle: RIK Archiv

Die Siedlung Hattingen liegt im Ruhrtal inmitten hügeliger Landschaft. Wiesen, Weiden und Felder dominieren das Landschaftsbild. Gewerbe und Kleinindustrie sind schon seit ein paar Jahrhunderten im Ruhrtal ansässig. Die Tuchmacherei hat in Hattingen lange Zeit geblüht. Schon seit langem wird vereinzelt Steinkohle im Tagebau an den Hängen des Ruhrtals abgebaut. Bereits im 17.Jahrhundert wird sie in Hattingen gehandelt. Auch Kleineisenproduktion findet sich schon zu dieser Zeit aufgrund von Spateisenvorkommen im Hattinger Gebiet. Einige Schmieden leisten die Weiterverarbeitung des Eisens. Einen nachhaltigen und deutlich sichtbaren Landschaftswandel bringt aber erst die Gründung der Henrichshütte 1854.

Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode suchte Mitte des 19. Jahrhunderts einen neuen Standort für ein eisenproduzierendes Werk. Die Kohlen- und Spateisenflöze sowie die Ruhr als Transportweg und der Sprockhöveler Bach als Antriebsquelle für mechanische Maschinen waren attraktive Standortvorteile, die zu kräftigen Investitionen in den Bau der Hütte führen, deren Hochofen I 1855 angeblasen wurde. Die zunächst positiv beurteilten Standortfaktoren erweisen sich aber in großen Teilen als Hemmnisse. Die Ruhr ist wegen häufiger Hochwasser und extrem unregelmäßigen Wasserstands für die Schifffahrt wenig geeignet. Mit dem Gleisanschluss der Hütte an die Ruhrtalbahn 1869 wird die Ruhrschifffahrt aufgegeben. Außerdem sind die Eisenerzvorkommen in der Region völlig überschätzt worden und reichen schon 1870 nicht mehr zur Deckung des Bedarfs der Henrichshütte aus. Das Eisenerz wird danach zunächst aus dem Siegerland bezogen, später aus Schweden und von anderen Kontinenten.

Auch der Ausbau der Henrichshütte geht nicht reibungslos vonstatten. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Proteste besonders der umliegenden bäuerlichen Betriebe gegen den Bau des Hüttenkomplexes. Man befürchtet gravierende Umweltbelastungen. Die Umleitung und die Kanalisierung einiger Teile des Sprockhöveler Bachs sind noch geringe räumliche Eingriffe, die enormen Schadstoffemissionen sind hingegen deutlich sichtbar: Die Wäsche kann nach dem Heraushängen des öfteren neu gewaschen werden. Immerhin kann die Henrichshütte die hohe Arbeitslosigkeit in Hattingen nach dem Niedergang der Textilindustrie lindern. Diese hatte in Hattingen den kapitalintensiven Sprung vom handbetriebenen zum mechanischen Webstuhl nicht finanzieren können.

Historische Ansicht der Henrichshütte. Quelle: RIK Archiv
Historische Ansicht der Henrichshütte. Quelle: RIK Archiv

Arbeiterhäuser nach dem Gartenstadtkonzept

Die Gründung der Henrichshütte bewirkt einen enormen Zuzug von Arbeitskräften. Nachdem anfänglich Mietskasernen in der Nähe der Hütte gebaut worden sind, geht der Neubau der Häuser für die Arbeiter zum Gartenstadtkonzept über. Charakteristisch hierfür ist die ab 1929 errichtete Siedlung Hüttenau. Nach dem Zweiten Weltkrieg expandiert dann die Hattinger Südstadt. Im Zuge des Programms der Flüchtlingsstrombewältigung kommen zu dieser Zeit viele Menschen nach Hattingen.

Die Henrichshütte ist schon immer ein gemischter Betrieb gewesen. Neben dem in den Anfangsjahren noch selbst betriebenen Erz- und Kohlenabbau finden sich auf dem Werksgelände die Roheisen- und Stahlproduktion, eine Kokerei sowie Gießereien, Walzwerke und weitere Verarbeitungsbetriebe. Von der Eisenerzeugung bis zur Fertigproduktherstellung findet in der Henrichshütte alles „unter einem Dach” statt. Während des Ersten Weltkrieges umfasst die Produktion vor allem Kriegsgeräte bis hin zu Flugzeug- und U-Boot-Teilen. Ansonsten werden Teile für den Eisenbahn- und Walzwerksektor sowie Kesselbleche produziert.

Als Standort für die Vollkriegsproduktion ist Hattingen am Ende des Zweiten Weltkrieges besonders von alliierten Luftangriffen betroffen, was zur fast vollständigen Zerstörung der Henrichshütte führt. Nach dem Wiederaufbau kommt es zu zahlreichen Spezialisierungen in der Produktpalette: Reaktordruckgefäße, Bohrinselteile, High-Tech-Magnete für die Kernforschungsanlage in Jülich und das Synchrotron in Hamburg - um nur eine Auswahl zu nennen. Der Absatzmarkt befindet sich nicht nur im Inland. In alle Welt wird exportiert. Mit fast 11.000 Beschäftigten erreicht die Henrichshütte in den 1950er-Jahren ihre Blütezeit. Und der Flächenbedarf wächst. 1959 wird deshalb die Ruhr verlegt.

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Kontakt & Infos

LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 31-33
45527 Hattingen
Telefon: +49 (0) 2324 / 92 47 14-0

Öffnungszeiten

Di-So sowie feiertags 10-18 Uhr, letzter Einlass 17 Uhr

ÖPNV

Von Hattingen Mitte/BO HBF Bus SB 37 oder CE 31 bis „Henrichshütte“, dann ca. 5 Minuten Fußweg. Von Hattingen-Mitte auch mit Bus 335 bis zur Haltestelle „Industriemuseum“

VRR-Fahrtenplaner

Mit nur wenigen Klicks zur richtigen ÖPNV-Verbindung: Der VRR-Fahrtenplaner zur Route der Industriekultur listet alle Bus- und Bahn-Verbindungen zu und zwischen den Ankerpunkten, Panoramen und Siedlungen.

GASTRONOMIE

Restaurant „Henrichs“
Telefon: +49 (0)2324 / 68 59 63
www.henrichs-restaurant.de

FEUER.WEHRK

Das Feuerwehrmuseum
c/o Feuerwache
Friedrichstr. 6 - 8
45525 Hattingen

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