Karlsplatz

Karlsplatz. Foto: RIK/ R. Budde
Karlsplatz. Foto: RIK/ R. Budde

Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wächst die Stadt Ruhrort immer weiter nach Norden. Wie im 1840 aufgestellten Erweiterungsplan von Wilhelm Dahmen vorgesehen, werden die bestehenden Straßen in Nord-Süd-Richtung verlängert und treffen auf die Eisenbahnstraße. Repräsentatives Zentrum dieses Stadtbezirkes und Gegenpol zum älteren Neumarkt wurde der Karlsplatz. Ihn flankieren die Karlstraße und die Hanielstraße, die Luisenstraße teilt ihn in zwei Hälften. Ab 1886 werden der Platz und die angrenzenden Straßen aufgeschüttet und 1890 ist er fertig. Schon damals war der Platz mit Bäumen umstellt, er diente der Erholung der Bürger und der Verschönerung der Stadt. Neben wenigen öffentlichen Gebäuden säumen Wohnhäuser aus verschiedenen Epochen den Platz. Das älteste liegt dem Postamt gegenüber an der Ecke Karlstraße in der typischen zweigeschossigen und fünfachsigen Bauweise der Zeit vor 1870. Die ehem. Poststation mit Pferdeställen und Gaststätte "Zur Postkutsche" ist heute Wohnhaus. Südlich des Karlsplatzes in der Karlstraße 28 steht das einzige "Bananenhaus" Deutschlands; hier hat der Kölner Künstler Thomas Baumgärtel die Fassade eines hundert Jahre alten Hauses 2001 mit seinem Bananendekor versehen.

Zwischen Luisen- und Karlstraße füllt das Postamt die halbe Südflanke des Platzes. Kreisbauinspektor Pickert, der es 1881 entwarf, setzte für das äußere Erscheinungsbild auf wuchtige Neorenaissance mit Portalvorbau und Balkon darüber und auf ein hier unübliches Baumaterial, roten Sandstein, wie er häufiger im südlichen Rheinland verwendet wurde. Das hohe Mansarddach bekrönten früher noch zwei Türmchen. Im Obergeschoss waren von Anfang an Wohnungen untergebracht, der Postsaal im Erdgeschoss ist inzwischen bis zu Unkenntlichkeit modernisiert.

Den zweiten Fixpunkt des Karlsplatzes stellt das Amtsgericht jenseits der Amtsgerichtsstraße dar, dessen Eingangsfassade mit dem prächtigen Treppenhaus dahinter über Eck angelegt wurde. Zuständig war hier Landbauinspektor Hertel, der auch Gerichtsgebäude in Aachen, Köln und Koblenz betreut hat und dem Bau das Gepräge deutscher Spätgotik verlieh; typisch sind die Fenster- und Türgewände in Sandstein, abgetreppte Giebel und im Inneren Rippengewölbe. Mit dem üppig dekorierten Gerichtsgebäude wird der Gewahrsam dahinter aus Sicht vom Karlsplatz aus kaschiert, ein interessanter städtebaulicher Kunstgriff. Bauherr war 1899-1901 die Stadt Ruhrort, die Justizbehörde mietete sich ein. Hinter dem Amtsgericht, ganz am Ende der Straße gleichen Namens steht unter hohen Bäumen die "freundlichste Trinkhalle des Ruhrgebiets" und das seit etwa 1912.

Die östliche Schmalseite des Karlsplatzes bestimmt ein zweigeschossiges Gebäude mit seitlichem Eingang. Es wurde 1894 in Formen des Klassizismus für den Verlag der Ruhrorter Zeitung errichtet, der Kopf Gutenbergs über dem Eingangsportikus deutet darauf hin. Im Hof steht noch das ehemalige Druckereigebäude. Die Zeitung erschien ab 1873 bei Johann Brendow und Sohn, Druckerei und Verlag, zunächst in der Schulstraße (heute Bergiusstraße), und ging 1922 mit anderen Lokalzeitungen in der "Rhein- und Ruhrzeitung" auf.

Die Hanielstraße südlich vom Karlsplatz, wo heute moderne Wohnbauten stehen, war früher von karitativen Einrichtungen bestimmt. Auf der einen Seite befand sich ab 1862 "Haniel's Krankenstift", Namensgeber auch für die Straße. Das große Krankenhaus, das mit seinen Gärten fast ein ganzes Straßengeviert einnahm, wurde 1975 geschlossen und abgerissen. Gegenüber lag das Altenheim Wortmannstiftung, das 1974 in das umgebaute frühere Gebäude des Ruhrorter evangelischen Schifferkinderheims an der Schifferheimstraße umzog. 

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Kontakt & Infos

Post und Amtsgericht, Ruhrorter Zeitung
Karlsplatz
47119 Duisburg-Ruhrort

ÖPNV

Von Duisburg Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 901 bis "Karlstraße", dann ca. 5 Minuten Fußweg. Von Oberhausen Hbf mit Regionalbahn RB 36 bis "Duisburg-Ruhrort", dann ca. 10 Minuten Fußweg