Schonnebecker Geschäfte

Schonnebecker Geschäfte
Schonnebecker Geschäfte

Beliebter Treffpunkt der Kumpel nach der Schicht waren die zahlreichen Kneipen, besonders wenn sie gleich in Nähe der Werkstore angesiedelt waren. Auch gegenüber dem Werktor von Schachtanlage 3/7/10 lockten Kneipen die durstigen Kumpel. Jeder hatte seine Stammkneipe – ob die Gastwirtschaft Drees, die Schenkwirtschaft Siepmann, später als Haus Kronwald bekannt, oder die Gastwirtschaft Schulz. Aber nicht jeder ließ sich zu unzähligen Bieren und Schnäpsen verführen, treusorgende Familienväter machten sich rechtzeitig wieder auf den Weg Richtung Heimat. Wer über seine Verhältnisse trank, hatte am Zahltag zunächst seinen "Deckel" zu bezahlen. Manche eine Ehefrau wusste aus Erfahrung, dass ihr Gatte kaum der Versuchung widerstehen konnte. Sie nahm lieber gleich die Lohntüte in Empfang und zählte ihm Pfennige ab, damit er mit seinen Kumpel einen trinken gehen konnte. "Verbleibt nach getaner Arbeit im Kreise der Eurigen" - mit zahlreichen Schriften wollte man die Bergleute aufklären und davon abhalten, ihr mühsam verdientes Geld in Alkohol umzusetzen, während die Familie nicht wusste, wie mit dem wenigen auszukommen war.

Wie auch bei den anderen Schachtanlagen siedelten sich in Nähe des Werkstors Geschäfte an und wetteiferten mit ihren preisgünstigen Angeboten um die Gunst der Kundschaft. Viele hungrige Münder hatten die Bergmannsfrauen zu versorgen – schwer arbeitende Ehemänner, heranwachsende Söhne, eine große Kinderschar. Da wurde das Geld gegen Ende des Monats schnell knapp. Die "billigste Bezugsquelle für Lebensmittel" versprach der Kaufmann F.W. Judt, der vor dem Ersten Weltkrieg in der Hue- und Gareisstraße jeweils ein Geschäft betrieb. Und das es auch so blieb - gewissermaßen bis heute -, dafür sorgte seit den 1920er Jahren der Lebensmittelhändler Karl Albrecht. Er übernahm das Geschäft von Judt in der Huestraße 89, der erste "Aldi" war gegründet. Wer heute im Aldi in der Huestraße 89 einkauft, befindet sich in der ältesten Filiale. Albrecht gründete in Schonnebeck ein weiteres Geschäft. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er sehr früh auf das amerikanische System der Selbst- bedienung um. Seine beiden Söhne blieben dem Slogan ihrs Vater treu und mit dem Werbeversprechen, billige, billigste Lebensmittel anzubieten, expandierten sie weit über die Grenzen Katernbergs, Essens und des Ruhrgebiets hinaus. Mit über 4000 Filialen gehören die rechtlich unabhängigen Unternehmen Aldi Nord und Aldi Süd heute zu den größten Discountern Deutschlands.

Auch die Gareisstraße hatte sich nach der Jahrhundertwende zur Geschäftsstraße entwickelt. Die Bergmannsfrauen fanden hier alles für den täglichen Gebrauch: Lebensmittelhändler, Metzgerei, Milchgeschäft, Sattlerei, Schuhgeschäft, Tapetenladen, Bäckerei, Schreibwarengeschäft. In einem Hinterhof hatte sich eine kleine Rollmopsfabrik eingerichtet. "Feinkost Kerstan" nannte sie sich und bot zehn Frauen einen Arbeitsplatz. Rollmopsgläser standen in jedem Büdchen. Für die einen waren die Rollmöpse eine günstige Mahlzeit, für die anderen ein gutes Mittel gegen den "Kater", wenn sie in einer der Kneipen zu tief ins Glas geschaut hatten. 

zurück 23/32 vor

Kontakt & Infos

Schonnebecker Geschäfte
Huestraße/ Gareisstraße
45307 Essen-Schonnebeck

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahnlinie 107 bis "Abzweig Katernberg.", mit Bus 348 bis "Ückendorfer Str.", dann 7 Minuten Faßweg.