Rathaus Stoppenberg

Rathaus Stoppenberg. Foto: RIK/ R. Budde
Rathaus Stoppenberg. Foto: RIK/ R. Budde

Die Geschichte des Stoppenberger Rathauses spiegelt bestens das enorme Bevölkerungswachstum im Essener Norden wider, das der Bergbau nach sich gezogen hat. Schon der Vorgängerbau des heutigen repräsentativen Baus an der Ernestinenstraße aus dem Jahr 1853 musste bereits 1863 erweitert werden, weil die Verwaltung der selbständigen Bürgermeisterei mit ihrer stetig wachsenden Bevölkerungszahl "aus den Nähten platzte". Aber kaum war der Anbau fertig, war das Rathaus wiederum zu klein und der Neubau an der Ernestinenstraße entstand. Aber noch drei Anbauten, 1895, 1901 und 1924 waren notwendig, um alle Beamten und Arbeiter der Bürgermeisterei unterzubringen. Schon im Jahr 1906 zählte die Verwaltung 146 Bedienste, darunter 33 Polizeisergeanten, zehn Wegewärter und 40 Wegearbeiter, zwei Tierärzte und ein Lebensmittelchemiker. Der Einwohnerzahl nach war Stoppenberg zur größten Landgemeinde Preußens herangewachsen. Daran änderte sich nichts, auch wenn man über die Jahre immer wieder Gemeinden ausgliederte, so 1874 die Gemeinden Karnap und Altenessen und zehn Jahre später Rüttenscheid, Rotthausen und Kray-Leithe. Die große Gemeindereform der 1920er Jahre ging auch nicht spurlos an Stoppenberg vorbei, 1929 verlor es durch die Eingemeindung in die Stadt Essen einen Teil seiner Selbstständigkeit, Gemeinderäte und Amtsversammlungen lösten sich auf. Das Rathaus diente nun als Verwaltungsstelle Essen-Stoppenberg.

Der letzte Bürgermeister Karl Meyer hatte sich und seine Vorgänger porträtieren lassen und noch heute hängt die Ahnengalerie im Ratssaal, wo die Bezirksvertretung den Stadtbezirk VI mit seinen Stadtteilen Katernberg, Stoppenberg und Schonnebeck politisch vertritt.

Nicht immer herrschte gutes Einvernehmen zwischen dem Bergwerk Zollverein und den Bürgermeistern. So kam es zum Beispiel während des Bergarbeiterstreiks 1889 zu Unstimmigkeiten. Angefangen hatte der Streik auf Zeche Präsident in Bochum. Schnell weitete er sich im ganzen Ruhrgebiet aus. 94.000 Bergleute beteiligten sich, in Essen waren es allein 21.000. Der größte Streik, den die Welt je gesehen hat, urteilte der Bergarbeiter Otto Hue, während Kaiser Wilhelm II. einen Aufstand witterte und anordnete, mit Militär gegen die Streikenden vorzugehen. 15 Menschen starben bei den Auseinandersetzungen. Der Düsseldorfer Regierungspräsident, in dessen Zuständigkeitsbereich auch Zollverein fiel, lehnte den Einsatz von Militär ab. Der Stoppenberger Bürgermeister Joseph Hoeren, der für die Polizei zuständig war, wollte nur gegen die Streikenden vorgehen, wenn sie sich an Personen oder fremden Eigentum vergriffen. Die streikenden Zollvereinen blieben jedoch friedlich. Als die Zechenleitung ihnen die Wohnungen kündigte, lehnte Hoeren Polizeiunterstützung bei der Wohnungsräumung ab. Grund genug für die Zechenleitung sich beim Essener Landrat über den Bürgermeister zu beschweren. Ein Disziplinarverfahren war die Folge. 1891 trat der Bürgermeister trotz einer eindrucksvollen und positiven Stellungnahme des Stoppenberger Bürgermeisterrates zurück. 

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Kontakt & Infos

Rathaus Stoppenberg
Ernestinenstraße/ Schwanhildenstraße
45141 Essen-Stoppenberg

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahnlinie 107 bis  "Ernestinenstr.", dann ca. 4 Minuten Fußweg.