Erzbahn

Die Erzbahn gehörte zu den bedeutenden privat betriebenen Werksbahnen im Ruhrgebiet. Sie verlief vom ehemaligen Gelände des Bochumer Vereins für Bergbau und Gussstahlfabrikation nach Nordwesten zum Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal. Heute verläuft hier eine der beliebtesten Radrouten der Metropole Ruhr.

Die Erzbahntrasse. Foto: RIK/Thomas Berns
Die Erzbahntrasse. Foto: RIK/Thomas Berns

Beeindruckendes Brücken-Ensemble

Insgesamt neun Kilometer lang diente die Erzbahntrasse dem Transport von Erzen vom Hafen zu den beiden angeschlossenen Hüttenwerken sowie - in Gegenrichtung – der Beförderung von Steinkohle und Koks von den umliegenden Zechen zum Hafen. Die Dimensionierung des Bahndamms und der Brücken sind Beleg für die späte Entstehungszeit im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, als der Industrialisierungsprozess des mittleren Ruhrgebiets weitgehend abgeschlossen war. Da zahlreiche bereits vorhandene Bahnlinien und Straßen überquert werden mussten, wurde die Trasse hochgelegt und verläuft über weite Strecken auf einem mächtigen, überwiegend aus Bergematerial aufgeschütteten Damm, der mit einer Höhe von bis zu 18 Metern und einer Fußbreite von bis zu 54 Metern den Landschaftsraum prägt.

Insgesamt wurden 15 Brücken bzw. Brückenzüge errichtet. Jene des mittleren Teilstücks wurden besonders hoch gelegt, um wegen der zu erwartenden Bergsenkungen die Straßen aufhöhen zu können, ohne zugleich die Bahnüberführung heben zu müssen. Zum Ausgleich von Bergsenkungen haben einige Brücken zudem in der Höhe verstellbare Stützen. Mit Ausnahme der Pfeilerbahn handelt es sich bei den Brücken um häufig vorkommende, ohne gestalterischen Aufwand ausgeführte Systeme. Auffällig ist allerdings, dass die Konstruktion der einzelnen Brücken der jeweiligen Situation angepasst wurde, die Bauwerke also unterschiedlich ausgebildet sind. Dies geschah wohl, um Material zu sparen. Heute würde man vermutlich eher standardisierte Lösungen bevorzugen. Als Ensemble geben die Bauwerke letztlich jedoch einen guten Überblick über den Stahlbrückenbau zwischen 1912 und 1930. Da sich die Schweißtechnik erst in den 1930-Jahren durchzusetzen begann, sind alle Brücken als Nietkonstruktionen ausgeführt.

Mit der Stilllegung des Hochofenwerks in Bochum Ende der 1960er-Jahre fielen der mittlere und südliche Abschnitt der Erzbahn brach. Anfang der 1980er-Jahre wurden auch die Hochöfen des Schalker Vereins stillgelegt. Bis 1993 wurde die ältere nördliche Teilstrecke einschließlich der Pfeilerbahn noch für Fahrten von Kohlezügen von der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck zur Kokerei Zollverein in Essen-Katernberg genutzt. 

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Kontakt & Infos

Die Erzbahntrasse führt - ausgehend vom Ankerpunkt Jahrhunderthalle - neun Kilometer Richtung Norden bis zur Grimberger Sichel.

Die Broschüre „Erzbahn Emscherbruch: Industrielle Kulturlandschaft“ ist kostenlos (gegen Erstattung der Versandgebühren) im Online-Shop des Regionalverband Ruhr erhältlich.