Torhäuser, Schalker Verein

Einst größte Eisengießerei auf dem Kontinent – heute schwerindustrielles Erbe als „Zukunftsstandort“ mit einem außergewöhnlichen Solarkraftwerk.

Luftbild des Schalker Vereins um 1930. Foto: RVR-Luftbildarchiv
Luftbild des Schalker Vereins um 1930. Foto: RVR-Luftbildarchiv

Thyssen setzte auf Expansion und Fusion

Der Schalker Gruben- und Hüttenverein wurde 1872 unter maßgeblicher Beteiligung des Essener Industriepioniers Friedrich Grillo gegründet. Sein Name geht auf den Sitz der Aktiengesellschaft in Schalke bei Gelsenkirchen zurück. Bis 1903 wurden im Werk sechs Hochöfen  in Betrieb genommen. Vor dem Ersten Weltkrieg galt der Schalker Verein als größte Eisengießerei auf dem europäischen Kontinent.

1889 wurde August Thyssen Vorsitzender des Grubenvorstandes. Er setzte auf Expansion und Fusion: 1897 übernahm der Verein das Hochofenwerk Vulkan in Duisburg, 1899 die Zeche Pluto in Wanne-Eickel. 1907 kam es auf Betreiben von August Thyssen und dem Mülheimer Industriellen  Emil Kirdorf  zum Zusammenschluss mit der Gelsenkirchener Bergwerks AG (GBAG). Mit der GBAG ging das Hüttenwerk nach 1926 in den Vereinigten Stahlwerken auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb im Rahmen der alliierten Entflechtungspolitik zunächst ausgegliedert, 1957 kam er dann zu den Rheinischen Stahlwerken. Ab 1974 hieß der letzte Eigentümer Thyssen, der schließlich 1982 den letzten Hochofen stilllegen ließ.

Die Torhäuser des Schalker Vereins. Foto: RIK/Reinhold Budde
Die Torhäuser des Schalker Vereins. Foto: RIK/Reinhold Budde

Außergewöhnliches Solarprojekt

Der westliche Teil des über 35 Hektar großen Geländes wurde 1996 von der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG) aufgekauft und soll wieder bebaut werden. Erhalten blieben die zwölf Meter hohen und 240 Meter langen Erz- und Kohlebunker, auf denen ein außergewöhnliches Solarprojekt realisiert wurde: Im April 2008 ging hier ein Solarkraftwerk in Betrieb, das jährlich etwa 320.000 KWh Strom erzeugt. Im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010 war der „Solarbunker“ in das Projekt „Starke Orte“ eingebunden. Dabei präsentierten 16 Künstlerbünde ihre Kunstwerke an bisher unentdeckten Orten des Ruhrgebiets.

Erhalten sind außerdem das Schalthaus am westlichen Eingang des neu gestalteten „Zukunftsstandortes Schalker Verein“ sowie die aus Backstein errichteten Torhäuser des Hüttenwerks aus dem Jahr 1923 an der Wanner Straße. Die beiden kleinen, winkelförmigen Bauten mit expressionistischen Details fassen die Einfahrt zum Gelände ein und haben je drei große Torbögen. Im rechten Torbogen ist noch eine hölzerne Flügeltür erhalten. 

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Kontakt & Infos

Ehem. Schalker Verein
Solarbunker und Schalthaus:
Hohenzollernstraße/
Ecke Wildenbruchstraße
Torhäuser: Wanner Straße 172
45888 Gelsenkirchen-Bulmke-Hüllen

ÖPNV

Solarbunker/Schalthaus: Von Gelsenkirchen Hbf/ZOB mit Bus 383 bis „Feuerwache"
Torhäuser: Von Gelsenkirchen Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 302 bis „Musiktheater“, dann mit Bus 340 bis „Oskarstraße“; von Wanne-Eickel Hbf mit Bus 340 bis „Oskarstraße“

TIPP

Von 1878 bis 1911 war Franz Burgers technischer Leiter beim Schalker Verein. An der Bulmker Straße 117 ließ er 1902 eine repräsentative Villa im Jugendstil errichten.1995 wurde das Gebäude in die von den Architekten Christfreund und Mihsler errichtete Wohnanlage „Villa“ einbezogen. Es beherbergt heute ein Café.