"Schiefe Brücke" und Steverbrücke Olfen

"Schiefe Brücke". Foto: RIK/ R. Budde
"Schiefe Brücke". Foto: RIK/ R. Budde

Nördlich des stillgelegten Olfener Hafens trifft man auf ein weiteres hochrangiges Baudenkmal: die "Schiefe Brücke" von Olfen, berühmt wegen ihrer Einzelsteinmeißelung, wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts, noch vor der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals fertiggestellt. Sie gehört zu einem Ensemble von über 300 sogenannten Kunstbauten, zu denen etliche Schleusen, Brücken, Ein- und Durchlässe, Düker und das Lipper Pumpwerk gehören, die im Zusammenhang mit dem Bau des Schiffshebewerks Henrichenburg entstanden und immer ein Bisschen in dessen Schatten gestanden haben. Zu diesen Bauwerken gehört auch die Gruppe der Kanalbrücken über die Flüsse Lippe, Stever und Ems, über die Straße vor dem Oberhaupt des Schiffshebewerks und über einige Landstraßen bei Olfen. Alle wurden in Ruhrkohlensandstein ausgeführt.

Eine architektonische Besonderheit der "Schiefen Brücke" von Olfen oder wie es korrekt heißen muss: der Chausseeunterführung bei Olfen bei Kilometer 26,68 sind die Stirnseiten (Ansichtsflächen). Für sie wurde, da sich der Kohlensandstein für die Gestaltung schwieriger Architekturformen weniger eignete, Eichsfelder Rotsandstein verwandt.

Federführend beim Bau der Olfener Unterführung an der Oststraße war der Königlich-Preußische Oberbaudirektor K. Hinckeldeyn, der auch die Architektur der anderen Brücken und des Schiffshebewerks Henrichenburg gestaltet hat. Die Bauarbeiten dauerten von 1894 bis 1897, der Tag des "Gewölbeschlusses", des Richtfestes war der 1. September 1894. Die äußere Gestaltung der Brücke wird vom Historismus des späten 19. Jahrhunderts bestimmt, wobei sie sich an die alte Burg- und Wehrbauarchitektur anlehnt. 

1960 wurden vermutlich wegen der Vergrößerung des Kanal-Querschnitts vier durchgehende Zuganker aus Stahl mit Druckplatten und Schraubenmuttern in die Kanalsohle eingezogen. Im März 1980 wurde die Fahrbahn unter der Brücke abgesenkt und etwas verbreitet. In den Jahren 1991/1992 wurden im Rahmen von Restaurierungs-Maßnahmen die alten gusseisernen Geländer als Replikate wieder aufgesetzt.

Unweit der "Schiefen Brücke" befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit: die historische Kanalbrücke über die Stever, die den Dortmund-Ems-Kanal über den Fluss leitete. Sie wurde 1894 errichtet und ähnelt in ihrer Bauweise sehr stark der Kanalüberführung an der Lippe. Die Strecke führt dann weiter bis zum historischen Sperrtor in Olfen, mit dem das Ende der Alten Fahrt fast erreicht ist.

Die Alte Fahrt ist das ursprüngliche Bett des Dortmund-Ems-Kanals. Nach zwanzig Jahren Betriebszeit musste diese Wasserstraße aufgrund des ständig wachsenden Schiffsverkehrs erweitert werden. Dazu wurde das Kanalbett an den Stellen, an denen es tiefer als das Erdniveau lag, ausgebaggert. Schwieriger war es dort, wo das Kanalbett weit über dem sonstigen Gelände lag. Um den Kanal nicht über Jahre schließen zu müssen, wurden hier Neue oder Zweite Fahrten mit größerem Querschnitt gebaut. Außerdem konnte dabei das Kanalbett begradigt werden. Von Datteln aus wurde 1929 bis 1937 eine neue Kanalstrecke Richtung Lüdinghausen gebaut. In Datteln bietet sich die Gelegenheit mit neuer Klaukebrücke (1994) und neuem Sperrtor die aktuellen Bauwerke des Dortmund-Ems-Kanals mit den historischen zu vergleichen.

Die Neue Fahrt wurde zunächst Ende der 1920er Jahre als Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme durchgeführt und in der NS-Zeit durch KZ-Häftlinge aus dem Börgermoor fertig gestellt. Die Alte Fahrt spielte danach in der Berufsschifffahrt nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie diente lediglich kleineren Kiesschiffen als Wasserstraße, die auf dem Weg zum alten Hafen nach Olfen waren. Der nunmehr gewerblich uninteressant gewordene Kanal bekam stattdessen einen höheren Reiz für Wassersportler und Angler. Vor einigen Jahren wurde die Alte Fahrt bei Datteln ganz vom neuen Lauf des Dortmund-Ems-Kanals abgetrennt, der Olfener Hafen wurde verfüllt und nördlich von Olfen ist die Alte Fahrt heute ganz abgebrochen. 

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Kontakt & Infos

"Schiefe Brücke" und Steverbrücke Olfen
Oststraße / Dammweg
29399 Olfen

ÖPNV

Von Recklinghausen Hbf mit Bus SB24 bis "Datteln Busbahnhof", dann mit Bus 282 bis Olfen, "Oststraße"; von Lüdinghausen Bf mit Bus R44 bis Olfen, "Oststraße"