Fossa Eugeniana

Fossa Eugeniana. Foto: RIK / R. Budde
Fossa Eugeniana. Foto: RIK / R. Budde

Während des spanisch-holländischen Krieges zwischen 1568 und 1648 nutzten die Spanier den Rhein als Nachschubtrasse in die Niederlande. Als die beiden Mündungsarme des Rheins durch die aufständischen Niederländer besetzt wurden, und die Spanier seinen Unterlauf nicht mehr militärisch nutzen konnten, planten sie eine Kanalverbindung vom Rhein zur Maas. Die Spanier verfolgten das Ziel, nicht nur den Nachschub in die südlichen Niederlande (das heutige Belgien) zu sichern, sondern auch den Handelsverkehr vom Rhein zur Maas – einer weitergehenden Planung nach sogar bis zur Schelde -  umzuleiten und auf diese Weise die Niederländer und ihre Verbündeten vom lukrativen Handelsverkehr abzuschneiden.

Die Trasse sollte beim kurkölnischen Rheinberg beginnen und über das Kloster Kamp in das Territorium des damaligen spanischen Herzogtums Geldern führen. Der Kanal sollte die damalige Festung Geldern durchqueren, Arcen umgehen und bei Venlo in die Maas fließen. 1626  wurde mit dem Bau des Kanals begonnen, der als Fossa Eugeniana nach der Generalstatthalterin der spanischen Niederlande, der Erzherzogin Clara Isabella Eugenia benannt wurde.

Trotz der großen technischen Schwierigkeiten gedieh der Kanal in kurzer Bauzeit erstaunlich weit, wie die heute noch erhaltenen Überreste deutlich zu erkennen geben. . Doch die Arbeiten wurden immer wieder durch Überfälle der Niederländer gestört. Daher wurde der Kanal zugleich als eine durch Schanzen gesicherte militärische Befestigungsanlage ausgebaut. Allerdings erwies sich der Schutz als nicht ausreichend. Die Niederländer setzten alles daran, den für sie lebenswichtigen Anteil am Rheinhandel nicht zu verlieren und den Spaniern nicht neue Nachschubwege zu eröffnen. Der Weiterbau geriet so ins Stocken und wurde schließlich völlig eingestellt, nachdem die Niederländer und ihre Verbündeten 1632/33 Venlo und Rheinberg, und damit die Endpunkte der Trasse erobert hatten.

In Kamp-Lintfort, besonders entlang der Rheinberger Straße (B 510) ist die Fossa Eugeniana  als Wasserlauf und an der Eugeniastraße als Bodendenkmal noch gut erkennbar. Von den Schanzen sind ebenfalls noch einige sichtbar, vor allem im Abschnitt zwischen Geldern und Rheinberg.

Bei Rheinberg ist noch eine der früher zahlreichen Kanalschleusen erhalten, mit denen die Niveauunterschiede bis zu 16 Meter im Gelände zwischen Rhein und Maas überwunden werden sollten.

1900 wurde der Schleusenbereich in ein Freibad umgewandelt. 1952 kam es zu einer Brandkatastrophe, bei der die historischen Schleusenwände schwer beschädigt wurden. Mitte der 1980er Jahre wurde das Bauwerk aufwändig restauriert. Entlang der Fossa Eugeniana wurde Ende der 1990er grenzüberüberschreitend ein etwa 60 Kilometer langer Weg für Wanderer, Radfahrer und Inline-Skater eingerichtet. 

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Kontakt & Infos

Historische Schachtschleuse in Rheinberg
Rheinstraße / Am Kanal
Rheinberg
Zwischen Rheinberg und Kamp-Lintfort führt die Fossa Eugeniana größtenteils unmittelbar südlich der B 510 (Rheinberger Straße)

ÖPNV

Vom Bahnhof Rheinberg zur Schachtschleuse ca. 15 Minuten Fußweg oder mit Bus-Linien 1 oder 38 bis "Dr.-Aloys-Wittrup-Straße", von Orsoy mit Bus-Linie 913.