Gebäudekomplex Haniel

Gebäudekomplex Haniel. Foto: RIK / Guntram Walter
Gebäudekomplex Haniel. Foto: RIK / Guntram Walter

1716 begann man ein ehemaliges Flussbett der Ruhr südlich der Stadt zu einem geschützten Hafenbecken für Anker- und Lagerplätze und Werftbetriebe auszubauen. Das war der Anfang der Erfolgsgeschichte der heutigen Duisburg-Ruhrorter Häfen. Der wirtschaftliche Aufschwung machte bald auch die erste Stadterweiterung notwendig und die zuständige preußische Verwaltung in Kleve wies 1754 neue Bauparzellen erstmals mit geordneten Baufluchtlinien auf Gartengelände außerhalb der Altstadt aus. Die Grundstücke konnten hier größer ausfallen und die neue, breite heutige Hafenstraße mit ihrer Verlängerung auf dem Damm ermöglichte auch einen neuen Zugang zum Hafen.

1756 wurde auf einem dieser Grundstücke (heutige) Hafenstraße 10 das sogenannte  Packhaus Haniel errichtet. Bauherr war der damalige Bürgermeister Jan Willem Noot, dessen Tochter Aletta 1761 Jacob Haniel heiratete. Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte sie das Unternehmen "Jacob W. Haniel seel. Wittib" für Kolonialwarenhandel 27 Jahre lang erfolgreich und erweiterte es um Speditionsgeschäfte und den Kohlehandel mit eigenen Lagerplätzen, sogenannten Niederlagen. Ihre Söhne Franz und Gerhard Haniel übernahmen das Geschäft und legten den Grundstein für den Aufstieg des bis heute bestehenden Handelshauses Franz Haniel & Cie. GmbH. Das breit gelagerte dreigeschossige Walmdachhaus mit Zwerchgiebel in der Mitte und zwei Eingangstüren diente je zur Hälfte als Kontor- und Lagergebäude und als Wohnhaus und prägte einen in Ruhrort mehrfach überlieferten Typus.

Heute ist hier das Haniel Museum untergebracht, in dem mit zahlreichen Exponaten die Firmengeschichte ab 1756 dargestellt und zugleich Einblicke in die Entwicklung des Bergbaus, der Eisen- und Stahlindustrie sowie der Schifffahrt vermittelt werden (Besichtigungen sind nur für angemeldete Gruppen unter Fon 0203 | 80 62 31 möglich). Franz Haniel war es, der 1834 mit dem Durchstechen der deckenden Mergelschichten den Tiefbau mit Mergelzechen eröffnete. Gleichzeitig war er Mitbegründer der Gutehoffnungshütte in Oberhausen.

Zu beiden Seiten wird das Packhaus von weiteren Gebäuden eingefasst, die zum Komplex Haniel gehören. Das kleinere, nur fünfachsige und zweigeschossige Nachbarhaus zur linken Seite wurde vor 1782 für den Obersalzinspektor Dietrich Walter Noot errichtet, im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut und dient heute als Haniel Gästehaus. Dieses Haus war wie das Packhaus freistehend mit einem großen Garten dahinter angelegt, anders als die eng aneinander stehenden Häuser der Altstadt. So dokumentieren sie den neuen Anspruch ihrer Besitzer.

Auf der rechten Seite des Packhauses schlossen sich ein weiteres Gebäude, das nicht mehr existiert, und der ehemalige Ruhrorter Friedhof an. Der wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an die Eisenbahnstraße verlegt, aber der kleine umzäunte Rasenplatz an der Ecke Landwehrstraße, auf dem die Skulptur "Rehlein" des in  Ruhrort gebürtigen Bildhauers August Kraus steht, erinnert noch an die alte Situation. Sie bestimmte auch die Konzeption der neuen, 1921-23 nach Plänen des Duisburger Architekten Wilhelm Weimann errichteten Verwaltung. Die damalige Bedeutung des Unternehmens unter Generaldirektor Welker spiegelt sich in der repräsentativen, an Bauformen der Barockzeit orientierten Fassade zum Gildeplatz mit Wappen über dem Portal. Entlang der Landwehrstraße wurde das Bürohaus zwischen 1975 und 1977 in moderner Bauweise durch die Münchner Architekten Böninger und Biedermann erweitert. Die Gärten der Stammhäuser mit altem Baumbestand blieben über die Jahrhunderte weitgehend erhalten und bilden heute den "Franz-Haniel-Platz", dem alle Häuser zugeordnet sind. Der Zugang erfolgt von der nördlich verlaufenden Dr.-Hammacher-Straße aus.

Den Westflügel des Komplexes schließt seit 1993 die Franz Haniel Akademie, entworfen von Fritz Eller, dem Architekten des Landtagsgebäudes in Düsseldorf. Für die Entwicklung Ruhrorts bis in die heutige Zeit hat das Haus Haniel in der Kontinuität seiner unternehmerischen Tätigkeit eine hohe Bedeutung. Stiftungen wie ehemals Haniel's Krankenstiftung nahe dem Karlsplatz und das durch Eduard Carp mitfinanzierte Hallenschwimmbad, heute Binnenschifffahrtsmuseum dokumentieren das Engagement für die Stadt und ihre Menschen. Im Stadtbild nimmt der Franz-Haniel-Platz mit seiner Bebauung als größter zusammenhängender Komplex eine herausragende Stellung ein und schlägt die Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. 

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Kontakt & Infos

Gebäudekomplex Haniel
Hafenstraße / Gildeplatz / Franz-Haniel-Platz
47119 Duisburg-Ruhrort

ÖPNV

Von Duisburg Hbf mit Straßenbahn 901 bis "Tausendfensterhaus" oder "Karlstraße", dann ca. 5 Minuten Fußweg. Von Oberhausen Hbf mit Regionalbahn RB 36 bis "Duisburg-Ruhrort", dann ca. 10 Minuten Fußweg