Förderturm Bönen - Ostpol

Förderturm Bönen - Ostpol. Foto: RIK / Guntram Walter
Förderturm Bönen - Ostpol. Foto: RIK / Guntram Walter

Weithin sichtbar ist der zwischen 1924 und 1929 errichtete Förderturm der ehemaligen Schachtanlage Königsborn 3/4. Der Architekt des Förderturms über Schacht 4, Alfred Fischer, zählt neben Fritz Schupp zu den wichtigsten Industriebau-Architekten im Ruhrgebiet. Er war von 1911 bis zu seiner Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten 1933 Leiter der Kunstgewerbeschule in Essen (später Folkwangschule).

Der Förderturm gilt heute als bedeutendes Dokument der architekturgeschichtlichen Entwicklung im Industriebau der 1920er Jahre. Er verkörpert den Übergang zum Funktionalismus und wurde zum Vorbild der meisten modernen Fördertürme. Der Kulturhistoriker Roland Günter beschreibt die Wirkung dieses ersten nicht als Hammerkopf, sondern als Kubus errichteten Turmes so: "In avantgardistischer Zeichen-Gebung erhält er steile Fenster-Bänder. Sie brechen seine Mitte und vor allem seine Ecken auf (...). Diese Gestaltung gibt dem Turm eine große Geste, eine gewaltige Dynamik und eine Ausstrahlung in den Luft-Raum."

Als einzig verbliebenes Relikt der Schachtanlage, die bis 1981 Kohle förderte, ist der Förderturm heute bis zu einer Höhe von 55 Meter im Innenraum über Treppen begehbar. Er wird in der Höhe durch verschiedene Zwischenebenen gegliedert. Jede dieser Ebenen vermittelt dem Besucher eine besondere, einzigartige Atmosphäre. Neben einer einzigartigen Industriearchitektur bietet der Turm auch einen eindrucksvollen Blick aus luftiger Höhe über die Hellweg-Region und das östliche Ruhrgebiet. Betrieben wird das Industriedenkmals seit 2003 von einer Bürgerstiftung, die von der Gemeinde Bönen, örtlichen Unternehmen und dem Städte-Netzwerk NRW unterstützt wird.  

Förderturm Bönen - Ostpol. Foto: RIK / Guntram Walter
Förderturm Bönen - Ostpol. Foto: RIK / Guntram Walter

Seit dem Jahr 2000 ist der Turm als „Ostpol“ auch Teil des Kunstprojektes "Yellow Marker" des Licht-Künstlers Mischa Kuball. Zusammen mit seinem westlichen Pendant, dem Förderturm von Rossenray am Niederrhein ("Westpol") definiert der Künstler die 80 Kilometer voneinander entfernt liegenden Fördertürme als "Leuchttürme" mit weithin sichtbaren Positionsleuchten. "Yellow Marker" setzt dabei nicht nur Akzente auf Ost- und Westpol, sondern bezieht sich auch auf die von Richard Serra geschaffene "Bramme für das Ruhrgebiet" auf der Schurenbachhalde in Gelsenkirchen. In gedachter Luftlinie einer Ost-West-Achse schneidet die Lichtgestaltung Kuballs die von Serra gewählte Nord-Süd-Achse.  

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Kontakt & Infos

Zeche Königsborn 3/4
Zechenstraße
59199 Bönen
Informationen zu Turmführungen und Veranstaltungen
Bürgerstiftung Förderturm

ÖPNV

Von Unna oder Hamm mit RegionalExpress RE 7 / RE13 bis Bönen, dann ca. 20 Minuten Fußweg