Villa Julius Scheidt

Villa Julius Scheidt. Foto: RIK / R. Budde
Villa Julius Scheidt. Foto: RIK / R. Budde

Die erste Villa Scheidt wurde von Julius Scheidt (1813-1874) und seiner Frau Julie geb. Fuhrmann (1814-1891) in Auftrag gegeben; die Pläne entwarf der Düssel- dorfer Akademieprofessor Rudolf Wiegmann. Neben seiner Tätigkeit als Maler hatte sich Wiegmann durch bau- technische Studien und Bauentwürfe im klassizistischen Stil hervorgetan; über die Frage der Fortentwicklung antiker Architekturformen und -dekorationen geriet er mit Leo von Klenze in publizistischen Streit.

Für Scheidt entwarf Wiegmann eine symmetrische, über hohen Terrassen aufragende Villa im palladianischen Renaissancestil, die 1846-48 realisiert wurde. Schaufront ist die über einem massiven Sockel und Gartenterrassen aufragende Ruhrseite: zwei flache, mit Dreiecks- giebeln versehene Risalite rahmen einen dreiachsigen Mittelteil. Im Erdgeschoss dominieren Rundbögen; der Mittelteil wird durch eine Kolonnade abgeschlossen. Auf einer Darstellung um 1860 erscheint das Haus gemeinsam mit zwei Fabrikgebäuden, eines davon die 1837 errichtete Fabrik. Die Terrassenanlagen wirken imposant; gemeinsam dokumentieren sie die erfolgreiche Industrialisierung der Kettwiger Tuchmacherei durch die alteingesessene Familie. Schon vor dem ersten Weltkrieg befand sich vor dem linken Fassadenteil ein Wintergarten, der bis heute in veränderter Form erhalten ist.

In den Jahren 1873-75 entstand am Ruhrhang eine weitere, aufwendige Villa nach Plänen des Kölner Raschdorff-Schülers Heinrich Deutz. Diese aufwendige Neurenaissance-Villa für die nächste Generation wurde um 1960 abgebrochen. Erhalten ist noch ein gleichzeitiges, kleineres Wohnhaus für ein weiteres Familienmitglied.

Heinrich Deutz wurde in der Folge auch mit Industriebauten des Unternehmens beauftragt. Erhalten sind bis heute das Turbinenhaus und ein ergänzendes Dampfkraftwerk, die um 1901 entstanden. Sie grenzen an das lange Zeit ruinöse, mehrstöckige Fabrikgebäude; beide wurden kürzlich als Wohnanlage wieder aufgebaut.

Die Villa Julius Scheidt wurde 1958 an die Katholische Kirchengemeinde St. Peter verkauft und wird seitdem als Kindergarten und durch eine Wohngruppe genutzt. Nach einem Brand im Jahre 2000 wurde das Gebäude umgebaut.

In den Jahren 2003-2007 wurde die Terrassenanlage aufwendig saniert; auf dem Gelände der älteren Fabrikbauten zwischen Villa und Fabrikruine entstanden sieben Stadtvillen.  

zurück 5/52 vor

Kontakt & Infos

Katholischer Kindergarten St. Peter
Ruhrstraße 91
45219 Essen-Kettwig

ÖPNV

Vom S-Bahnhof Kettwig 15 Minuten Fußweg oder mit Bus 142 bis "Bürgermeister-Fiedler-Platz"