Villa Friemann

Villa Friemann. Foto: RIK / R. Budde
Villa Friemann. Foto: RIK / R. Budde

Für den Leiter der Dortmunder Filiale des Zwickauer Herstellers für Bergbauzubehör Friemann & Wolf, Hugo Friemann, wurde kurz nach 1900 diese repräsentative Gründerzeitvilla errichtet. Der von dem Dortmunder Architekten Ernst Marx entworfene Bau mit einem ungewöhnlich hohen Sockelgeschoss sowie zwei Hauptgeschossen wird von dem groß dimensionierten Säulenportikus an der Straßenseite dominiert. Der abschließende Dreiecksgiebel enthält eine vollplastisch gearbeitete Frauenfigur als Allegorie der Industrie, umgeben von Werkzeugen und Maschinenteilen des Hüttenwesens und Bergbaus, wobei die Grubenlampe nicht fehlen darf.

Während das Mansardwalmdach nach Kriegszerstörung in vereinfachter Form wiederaufgebaut wurde, blieb der Hauptbaukörper nahezu unverändert. Der Haupteingang befindet sich wie das Treppenhaus an der rechten Seite des Hauses, unweit der heute verschwundenen Dienstgebäude, während sich links ein polygonaler Vorbau am Hauptgeschoss anschließt.

Die Aufteilung des Hauses im Innern ist typisch für die Villenarchitektur der Jahrhundertwende: Um die "belle etage" im ersten Obergeschoss mit Salon, Speise- und Wohnzimmer sowie die privaten Wohn-. und Schlafzimmer des Hausherrn und seiner Familie darüber gruppierten sich im Sockelgeschoss, das einen eigenen Eingang auf der Rückseite besaß, Büro- und Lagerräume sowie Küche die Waschküche, im Dachgeschoss die Wohnräume des Personals. Heute wird das gesamte Gebäude für Büros genutzt.

Die 1884 von Carl Wolf aus Zwickau und Heinrich Friemann aus Eisleben gegründete Firma Friemann & Wolf entwickelte sich vor dem Hintergrund der Modernisierung des Bergbaus im Erzgebirge sowie des im Raum Chemnitz aktiven Steinkohlenbergbau. Basierend auf der 1881 von dem Zeugschmied und Feinmechaniker Wolf entwickelten Benzin-Sicherheitsgrubenlampe entstand die weltweit größte Grubenlampenfabrik; aber auch Bohrmaschinen wurden hergestellt; mit dem Aufkommen elektrischer Grubenlampen nahm man auch die Herstellung von Akkumulatoren auf. Nach der Jahrhundertwende forcierte man den Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes; 1933 bestanden Zweigniederlassungen in Duisburg, Dortmund, München, Saarbrücken, Waldenburg/Schlesien, Beuthen/Oberschlesien, Kattowitz, Wehditz bei Karlsbad und Mährisch Ostrau. 1946/47 wurde das Unternehmen enteignet und als VEB Grubenlampenwerke Zwickau; bis heute existiert die Firma "Friemann & Wolf Batterietechnik".

Die Villa Friemann zeugt von der Aktivität auswärtiger, global agierender Unternehmen und ihrer Repräsentanten auf dem "Markt" Ruhrgebiets-Bergbau. 

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Kontakt & Infos

Villa Friemann
Prinz-Friedrich-Karl-Str. 3
44135 Dortmund

ÖPNV

Von Dortmund Mitte ("Kampstraße") mit U-Stadtbahn U43, U44 bis "Ostentor", dann 5 Minuten Fußweg