Bochumer Verein Werk Stahlindustrie

Foto: RIK / R. Budde

Das Werk Stahlindustrie war das erste Zweigwerk des Bochumer Vereins an der Bessemer Straße. 1870 hatten hier ehemalige leitende Angestellte das Konkurrenzunternehmen „Neues Stahlwerk Commandit-Gesellschaft Daelen, Schreiber & Co.“ gegründet. Umgehend entstanden südlich der Werkssiedlung des Bochumer Vereins an der Bessemer Straße ein Bessemer- und ein Siemens-Martin-Stahlwerk, ein Hammer- und ein Walzwerk.

Nach einer kurzen Phase unter dem Dach des Schalker Gruben- und Hüttenvereins und der Umgründung zur „Aktiengesellschaft für Stahlindustrie“ kaufte der Bochumer Verein 1889 das Unternehmen. Die weiterhin rechtlich selbstständige Gesellschaft produzierte fortan als „Werk Stahlindustrie“ des Bochumer Vereins vor allem Oberbaumaterial für Bahnen, Halbzeuge und Schmiedestücke für den Maschinen- und Schiffbau.

Die Vereinigte Stahlwerke AG bündelte 1927 die Edelstahlaktivitäten des Konzerns in der neu gebildeten Deutsche Edelstahlwerke AG, integrierte auch das Werk Stahlindustrie und verlegte den Firmensitz nach Bochum. Schon 1929 gelangte die Anlage im Rahmen unternehmensinterner Umstrukturierungen jedoch zurück zum Bochumer Verein, der sie um zahlreiche Neubauten auf der Fläche zwischen Bessemer Straße und Kohlenstraße erweiterte. Zum Werk gehörten u. a. die zentrale Gesenk- und Federnschmiede, mehrere Walzwerke und die Lehrwerkstatt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg behielt das Werk Stahlindustrie weitgehend seinen angestammten Zuschnitt. 1949 fand in der Halle des Weichenbaus der 73. Deutschen Katholikentag statt. Einen Teil der Flächen des Werks Stahlindustrie belegte ab 1952 die neu gegründete Deutsche Edelstahlwerke AG. Diese errichtete 1955/56 nach den Plänen des Architekten Wilhelm Seidensticker den Hallenkomplex sowie das Verwaltungsgebäude an der Bessemer Straße, die heute durch die Bochumer Eisenhütte Heintzmann genutzt werden. Etwa gleichzeitig ließ der Bochumer Verein wenige Meter weiter auf derselben Straßenseite sein neues Gesundheitshaus errichten, das neben Betriebskrankenkasse und Gesundheitsdienst auch die Bibliothek und das Archiv beherbergte. 1963/64 entstand, ebenfalls nach Plänen Seidenstickers, im Nordwesten des Geländes an der Alleestraße das neue Verwaltungshochhaus des BV.

Ab 1968 wurden im Zuge der Stilllegungswelle im Stammwerk nach und nach fast alle Anlagen des Werks Stahlindustrie geschlossen und abgerissen. Der einzige heute noch produzierende ehemalige Betrieb des Bochumer Vereins ist das Weichenwerk der ThyssenKrupp Gleistechnik GmbH in der früheren Festhalle des Katholikentags. Dazu kommen im traditionellen montanindustriellen Produktionssegment das Heintzmann-Werk für Berg- und Tunnelbautechnik, die Reinhold Mendritzki Kaltwalzwerk GmbH & Co. KG sowie die Doncasters Precision Castings GmbH, die Spezialgussstücke für Energieanlagen wie Turbinenschaufeln herstellt. Weiterhin sind auf dem Standort u. a. tätig der EKOCity Abfallwirtschaftsverband, der hier eine moderne Abfallaufbereitung betreibt, das Logistikzentrum der WAZ Mediengruppe und die Telekommunikation Mittleres Ruhrgebiet GmbH.

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Kontakt & Infos

ThyssenKrupp GfT Gleistechnik
Obere Stahlindustrie 4
44793 Bochum

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Straßenbahn 302 oder 310 bis "Wattenscheider Straße", dann mit Bus bis 360 bis "Heusnerstraße"