Kirche St. Marien, GLA-Brauck

Heilig Kreuz. Foto: Vera Bücker

Bei der Umgestaltung der Marienkirche seit 2002 stand die Rückbesinnung auf die Herkunft der Gemeinde in Brauck aus dem Bergbau im Vordergrund. Das zeigt sich besonders in der transparenten Altarwand aus Förderseilen und dem in eine Bramme eingearbeiteten Tabernakel in der ganz im spirituellen blau gehaltenen Sakramentenkapelle, die 2010 als Kulturtankstelle der Kulturhauptstadt diente.

Die katholische Gemeinde St. Marien entstand, als das Dorf Brauck durch den Bergbau rasant wuchs, besonders als 1905 in Brauck die Zeche Mathias Stinnes III/IV abgeteuft wurde. Diese und andere Bergwerke in der Nachbarschaft, ab den 1930er Jahre auch die Gelsenberg-Benzin AG in Gelsenkirchen-Horst zogen jeweils den Bau von Siedlungen nach sich. So entstand ab 1905 zuerst die Beamten- und Arbeitersiedlung mit Zeche in unmittelbarer Nachbarschaft von Mathias Stinnes III/IV und in 30er Jahre für das Chemiewerk Horst die Siedlung Rosenhügel.

1904 lebten in Brauck 4000 Katholiken, und es entstand die Idee, eine eigene Kirche zu bauen. St. Marien erreichte 1968 mit knapp 8300 die höchste Zahl der Gemeindemitglieder. Nach Schließung der Zeche in Brauck 1972 und der benachbarten Zeche Nordstern in Gelsenkirchen 1993 schrumpfte sie gemeinsam mit dem Stadtteil auf nur noch 4800 Mitglieder im Jahr 2005. Bei der anschließenden Bistumsreform verlor St. Marien seine Selbständigkeit als Pfarrei und ist nun Teil der einzigen Großpfarrei in Gladbeck, St. Lamberti.

1905 stellte die Familie Hahne, ein alteingesessene Bauern- und Kaufmannsfamilie in Gladbeck, das Baugrundstück unentgeltlich zur Verfügung. Ein Jahr später war die Notkirche fertig gestellt, und nochmals 10 Jahre später wurde die Gemeinde zur Pfarrei erhoben. 1928 gründete sie einen Kirchbauverein für den Bau einer „richtigen“ Kirche. 1930 konnte sie ein Grundstück kaufen, aber aufgrund der schweren Wirtschaftskrise war erst Ende 1932 Baubeginn. Im August des darauf folgenden Jahres wurde die neue Kirche eingeweiht.

Im Krieg wurde die Kirche zerstört. 1949 verkaufte Agnes Schniering ihre Grundstücke an die Stadt Gladbeck und stellte einen Großteil des Erlöses für den Wiederaufbau zur Verfügung. Die Bauausführung übernahm wie schon 1932 die Firma Herber, weitere Gelder wurden wiederum wie 1932 über Kollekten, Chorauftritte und „Bettelpredigten“ besorgt. Im Dezember 1951 konnte die Notkirche in der Kneipe Wilskamp aufgegeben werden.

2001 war eine Renovierung wegen Mängeln notwendig geworden und die Gemeinde entschied sich für eine radikale Umgestaltung durch den Oberhausener Architekten Werner Funke.

Altar und Ambo wurden aus dem hochgelegenen Chorraum in den Mittelpunkt der Kirche geholt, so dass dieser nun auch für Wortgottesdienste genutzt werden kann. Durch eine offene, transparente Wand, die das alte Fresko des auferstandenen Christus und der Sendung des Hl. Geistes von Ludwig Bauer sichtbar bleiben lässt, ist der Chorraum jetzt vom neu geschaffenen Feierbezirk abgetrennt. Die transparente Wand ist aus Förderseilen gestaltet, die an die Bergbauvergangenheit der Gemeinde erinnern sollen.

Aus dem alten Altar wurden der neue und der Ambo gestaltet. Dieser neue Altar steht am Schnittpunkt der Längsachse der Kirche und der Querachse des 1. Stützenpaares und wird durch eine neue Lichtkrone mit 8 Lampen betont. Die Bänke werden im Halbkreis um den nur durch 2 Plattformstufen erhöhten Altar gestellt und bekräftigen den Gedanken, dass Christus mitten unter den Menschen ist.

2003 erfolgte die Umgestaltung der alten Taufkapelle zur Sakramentskapelle. Sie ist durch die Künstlerbrüder Michael und Veit Stratmann aus Essen ganz in blau gehalten und die Wände sind mit diversen Motiven, die zur Mediation einladen sollen, geschmückt. Die Tabernakelstele ist schlicht und besteht aus einer unbearbeiteten Stahlbramme. Der vergoldete Türbereich jedoch weist auf die Kostbarkeit des Inhalts hin. In der Raummitte befindet sich ein kleines rundes Wasserbecken mit Schwimmkerzen und weißen Blüten als Zeichen für die Integration der seit 1996 zur Gemeinde gehörigen indischen Schwestern. Eine weiterer Blickfang in der Kapelle sind die 5 Fenster, die mit ihren Bögen darstellen, wie sich der Himmel zur Erde neigt.

Die ausrangierten Kirchenmöbel schenkte die Gemeinde den polnischen Franziskanern in Allenstein und erhielt als Dank eine Reliquie des 1982 heiliggesprochenen Maximilian Kolbe, der als KZ-Häftling in Auschwitz anstelle eines Mithäftlings in den Hungerbunker ging und dort starb.

Die Kosten von 1 Mio. € für den Umbau wurden zur Hälfte von der Gemeinde und dem Bistum Essen aufgebracht.

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Kontakt & Infos

Kirche St. Marien
Horster Str. 341
45968 Gladbeck
Telefon: +49 (0) 2043 / 969-393

Öffnungszeiten

nach Absprache

ÖPNV

Vom Bahnhof Gladbeck West mit Bus 258 bis "Boystraße"