Christuskirche GE-Bismarck

Christuskirche. Foto: Fabian Ritgen

Die weltliche Gemeinde Braubauerschaft, 1833 gegründet und 1902 umbenannt in Bismarck, hatte sich 1874 endlich von Wattenscheid gegen den Widerstand des dortigen Presbyteriums gelöst, nachdem um 1860 die ersten Bergleute in Braubauerschaft zugezogen waren und seit 1872 die neue Eisenbahn im Dorf für weitere Veränderung sorgte. Rasant wuchs das Dorf weiter auf 11.000 Mitglieder Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bleckkirche mit ihren 500 Plätzen trotz Erweiterung wurde zu klein. 1899 erwarb die Gemeinde ein geeignetes Grundstück von ihrem Kirchmeister Wilhelm Klein-Albenhausen. Architekt war der Bielefelder Alex Trappen, der einen Bau im Stil der Spätromanik entwarf. 1901 konnte die Kirche am Reformationstag eingeweiht werden.

Für die Kosten des Neubaus von ca.123.800 Mark wurde ein hoher Kredit aufgenommen, der Rest wurde durch Spenden gedeckt. So spendeten die Zechen Bismarck und Consol je 10.000 Mark, Consol übernahm außerdem die Verankerung der Grundmauern. Die Zeche Unser Fritz tat 1500 Mark, die Spiegelfabrik 500 Mark hinzu. Das Altarbild stiftete die Ehefrau von Friedrich Grillo, die Chorfenster der Zechendirektor von Bismarck und ein Kaufmann. Weitere Spenden ermöglichten die Anschaffung der silbernen Abendmahlsgeräte in Wert von 800 Mark und die Aktionen des Kirchbauvereins erwirtschafteten 20.000 Mark für Orgel und Glocken.

Wie die meisten Ruhrgebietskirchen musste die Gemeinde ihre Glocken im 1. Weltkrieg abgeben; von den vier blieb ihr nur die kleinste, für die 3 abgelieferten erhielt sie vom Staat 6428 Mark überwiesen. 1921 wurden 3 neue Glocken vom Bochumer Verein installiert.

Von der einstigen neugotischen Pracht ist nicht viel erhalten, nur das Doppelportal mit dem Christusmosaik im Bogenfeld und die Konsolen der Orgelempore. Verloren ging aufgrund von Bombenschäden u.a. die Gewölbedecke, die durch eine Flachdecke ersetzt wurde. Die neugotische Turmspitze musste wegen Baufälligkeit in den 1970er Jahren abgetragen werden.

Beim Wiederaufbau bis 1950 wurden Altartisch, Taufbecken und Kanzel aus einem Guss und aus hellem Holz gefertigt, die Wände weiß gehalten, um die Fenster des Gelsenkirchener Malers Walter Klocke zur Geltung kommen zu lassen. Fast alles geschah in Eigenleistung der Gemeindemitglieder und mit den Spenden ihrer Vereine. Hinter dem Altar befinden sich in der Mitte ein in Purpur gewandeter Christus, rechts davon Moses mit den Gesetzestafeln und links Johannes der Täufer. Neben dem Altarraum befinden sich als Besonderheit der Kirche vier große Leinwandgemälde des Kirchenmalers Rudolf Schäfer aus Rotenburg an der Wümme, die als Gefallenenehrung des 1. Weltkriegs konzipiert waren. Sie zeigen die Kreuztragung, die Kreuzigung, die Grablegung Christi und die Begegnung der Emmausjünger mit dem Auferstandenen. Ungewöhnlich ist, dass auf zwei der Bilder der römische Hauptmann die Gesichtszüge des Reichskanzlers Otto von Bismarck ist, ein Ausdruck der deutschnationalen Gesinnung der Gemeinde in der Weimarer Zeit und eine Anspielung auf den Ortsteilnamen. Andere Personen tragen die Gesichtszüge der bisherigen Pfarrer der Gemeinde, aber auch die Bevölkerung ist vertreten: z.B. trägt der Kreuzträger Simon von Cyrene die Kleidung eines Stahlarbeiters. Da die Gemälde schon 1944 im Tresor der Commerzbank ausgelagert waren, überstanden sie den 2. Weltkrieg. Nach langen und kontroversen Diskussionen wegen ihres fragwürdigen theologischen Inhalts, der die Passion Christi in Bezug zum Kampf des Deutschen Reiches setzte, entschied sich das Presbyterium 2006 zu ihrer Restauration.

Auf der linken Seite befindet sich das Seitenschiff mit Empore, in dessen unteren Teil seit 2001 sonntags nach dem Gottesdienst ein Kirchencafe seine Pforten öffnet.

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Christuskirche GE-Bismarck
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