Schifferkirche Datteln

Schifferkirche. Foto: RIK / R. Budde

Die Friedenskirche in Henrichenburg ist die älteste evangelische Kirche in Datteln und steht deswegen seit 1985 unter Denkmalschutz. Erst mit dem Bau des Dortmund-Ems-Kanals 1892-1898 kamen die ersten protestantischen Beamte und Arbeiter in die bis dahin rein katholischen Gemeinden Datteln und Waltrop. 1898 lebten immerhin schon 250 Protestanten in Datteln, so dass das kgl. Konsistorium einen Hilfspfarrer aus Bielefeld sandte. Er kam mit 14,80 Mark Spendengelder für Kapellenbau aus seiner Ursprungsgemeinde.

Die erste Notkirche war eine vom Bau des Kanals übrig gebliebene Kantine, die als Betsaal hergerichtet wurde, in dem am 31.10.1898 der erste evangelische Gottesdienst mit 150 Besuchern gefeiert wurde. Weil man mit weiterem Zuzug von Protestanten durch den geplanten Schiffshebewerkbau und ein neues Bergwerk Emscher/Lippe in der Nähe rechnete, genehmigte die kgl.-preuß. Regierung ein Jahr später einen Kirchbau. Weihnachten 1899 schenkte ein Gemeindemitglied schon vorab ein Altarkreuz, ein weiteres 50 Mark für die noch zu bauende Kirche. 1900 kaufte der evangelische Pastor 3 Morgen Land von einem Bauern für 9000 Mark, die katholische Kirche St. Dominikus in der Nähe bezahlte ein Jahr später für 6 Morgen 7200 Mark – ein Zeichen für die Fremdheit der Protestanten bzw. die Verbundenheit der Bauern mit der katholischen Kirche. Der Bau hatte 12.000 Mark gekostet.

1901 konnte die neue Friedenskirche eingeweiht werden. Sie war für 200 Sitzplätze konzipiert und maß 8x16m. Im Innern befanden sich Empore, Kanzel, Taufbecken und Altar. Die beiden Glocken im kleinen Turmreiter waren ein Geschenk der Mutterkirche aus Recklinghausen, die vorher jeweils bis zum Bau einer größeren Kirche in Bruch und danach in Herten geläutet hatten. Es handelte sich um frühe Gussstahlglocken des Bochumer Vereins.

Bis 1905 war die Gemeinde aus Waltrop, Datteln, Henrichenburg, Horneburg und Ahsen auf über 1200 Personen angewachsen. In den nächsten Jahren wurde das Pfarrhaus für 18.000 Mark und eine evangelische Schule gebaut.

In der Folgezeit vollzog sich der Bevölkerungszuzug in Datteln und Waltrop statt wie angenommen in Henrichenburg, und so wurde größere Kirchen in Datteln und Waltrop gebaut und die Gemeinde geteilt, die Friedenskirche in Henrichenburg wurde Datteln zugeschlagen.

1943 wurde die Kirche durch Bomben schwer beschädigt und 1949 soweit wieder hergestellt, dass Gottesdienste möglich waren. Den Aufbau bewerkstelligte das evangelische Männerwerk Datteln-Süd. Das Männerwerk stiftete auch 2 neue Buntglasfenster.

Die nächste Renovierung war 1967 fällig. Sie entfernte aus Kostengründen die bescheidenen Schönheiten wie die offene Dachkonstruktion zugunsten einer Flachdecke und die Rundbogen über den Altar mit der Inschrift „Der Herr ist unser Friede“. Auch die Empore wurde entfernt, weil ein verkürzter und verbreiteter Glockenturm auf eine neu eingefügte Betonplatte gesetzt wurde.

1997 erhielt das Kirchlein anlässlich des 850-jährigen Jubiläums von Datteln eine neue Eingangstür als Spende der Familie Kramps, Besitzer von Wattenscheider Druckereibetrieben. Schon zwei Wochen später kamen Gerüchte über eine Schließung der Kirche auf. Proteste wandten eine Schließung ab, aber es wurde nur noch einmal monatlich ein Gottesdienst gefeiert. 2006 wurde das Gemeindezentrum dann doch geschlossen, die kleine Friedenskirche konnte aber für kirchliches Leben gerettet werden: Sie wurde 2007 zur Schifferkirche der Binnenschifffahrtsseelsorge des ev. Kirchenkreises Recklinghausen umgewidmet. Dafür erfolgten Umbauten durch die Umwelt-Werkstatt der Diakonie mit zu qualifizierenden Langzeitarbeitslosen: eine Empore, nun für Büros und Ruheräume, wurde wieder eingebaut. Altar, Orgel und Taufbecken wurden aus dem geschlossenen Gemeindezentrum in Horneburg übernommen.

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Kontakt & Infos

Schifferkirche Datteln
Provinzialstraße 14-16
45711 Datteln
Telefon: +49 (0) 2363 / 388-3928

Öffnungszeiten

von März bis Oktober von Montag bis Freitag 10.00 bis 13.30 Uhr und Sonntag Kirchencafé von 15.00 bis 18.00 Uhr und nach Absprache

ÖPNV

Von Recklinghausen Hbf mit Bus 231 bis "Kanalstraße"