Werksbahn Bochumer Verein und Erzbahn

Eine Krupp Werkbahn. Foto: RVR / Reinhold Budde
Eine Krupp Werkbahn. Foto: RVR / Reinhold Budde

Obwohl die Produktion von Eisenbahnmaterial seit den 1850er Jahren das dominierende Geschäftsfeld des Bochumer Vereins bildete, blieb das Unternehmen nach seiner Gründung fast 25 Jahre ausschließlich auf den Straßentransport zum Bahnhof Herne angewiesen. Selbst als die Bergisch-Märkische Eisenbahn Bochum 1860 endlich die ersehnte Bahnverbindung brachte, wartete das Unternehmen noch bis 1867 mit dem Bau der 1,8 km langen ersten Hüttenanschlussbahn. 1874 folgte der Anschluss an die Rheinische Eisenbahn im Bahnhof Bochum-Präsident. Dieser Anschluss ist auch über die Zeit der Nachfolgeunternehmen des Bochumer Vereins hinweg, seit 1986 in der heutigen Form, in Betrieb.

Die Bahnanschlüsse ergänzte bald ein eigenes Werksbahnnetz für den innerbetrieblichen Transport, das innerhalb weniger Jahre eine Länge von 23 km erreichte. Bis in die 1920er Jahre wuchsen die Strecken auf 86 km an, da systematisch die erworbenen „Hüttenzechen“ und die neuen Werksteile in Weitmar und Höntrop integriert wurden. Zwischen 1924 und 1933 wurden große Teile des Werksbahnnetzes, allerdings nicht die „Erzbahn“, auf elektrischen Betrieb umgestellt. 1941 hatte das Werksbahnnetz bei 90 km Fahrdrahtlänge den höchsten Elektrifizierungsgrad aller deutschen Hüttenwerke erreicht. Heute wird der Werksbahnverkehr auf der zweigleisigen Anschlussbahn zum Werk Höntrop von der Dortmunder Eisenbahn (Captrain) durchgeführt. Der rege Bahnbetrieb kann gut von der „Erzbahn-Schwinge“ am Westpark beobachtet werden.

Parallel zur normalspurigen Werksbahn betrieb der Bochumer Verein seit 1873 noch ein schmalspuriges Eisenbahnnetz, das bis zum Ende des Hochofenbetriebes Ende der 1960er Jahre existierte. Eine weitere Besonderheit der Werksbahn war eine Zahnradbahn, die an der Verbindung zwischen der Gussstahlfabrik und dem Werk Stahlindustrie die starke Steigung hinter der Siedlung Stahlhausen überwand und von 1890 bis 1930 existierte.

Eine besondere Rolle im Werksbahnbetrieb spielte die „Erzbahn“. Diese war im Zusammenhang mit dem Rhein-Herne-Kanal konzipiert worden und verband im Norden den Schalker Verein und im Süden den Bochumer Verein mit dem Gelsenkirchener Kanalhafen Grimberg. Bei Inbetriebnahme des Kanals 1914 war jedoch nur der nördliche Abschnitt fertiggestellt. Der Erste Weltkrieg und die Inflationsjahre verzögerten zunächst den Weiterbau der Südstrecke. Da hier zudem mehrere vorhandene Staats- und Privatbahnstrecken überquert werden musste, war ein bis zu 15 m hoher Damm mit entsprechenden Durchlässen und Brücken erforderlich. So konnte der Bochumer Verein erst 1930 seinen Eisenerzbedarf schnell und kostengünstig über den Rhein-Herne-Kanal beziehen. Der Trassenverlauf über das Gelände der unternehmenseigenen Zeche Vereinigte Carolinenglück ermöglichte zudem den Kohlentransport. Mit dem Ende der Roheisenerzeugung beim Bochumer Verein 1968 verlor die Erzbahn ihre Funktion und wurde im südlichen Abschnitt stillgelegt.Die Trasse der Erzbahn sowie der westlich anschießenden Kray-Wanner-Bahn wurde vom Regionalverband Ruhr als Rad- und Wanderweg ausgebaut. Damit entstand eine kreuzungsfreie, attraktive Grünverbindung vom Westpark Bochum mit der Jahrhunderthalle bis zum Rhein-Herne-Kanal und zur Zeche Zollverein. Bemerkenswert sind die bis auf wenige Ausnahmen noch erhaltenen Brücken unterschiedlicher Bauart an der Erzbahn, darunter einige technisch interessante Raritäten. Zu nennen sind in diesem Kontext die Brücken im Bereich der Günnigfelder Straße und die Pfeilerbahn parallel zur Ostpreußenstraße in Gelsenkirchen. Insgesamt bieten die 15 Brücken bzw. Brückenzüge der Erzbahn und zahlreiche weitere Brücken in ihrem Umfeld an unmittelbar anschließenden oder parallel verlaufenden Bahnstrecken eine ideale Übersicht über die Brückenbautechnik seit den 1880er Jahren.

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Kontakt & Infos

Werksbahn Bochumer Verein und Erzbahn
Gahlensche Straße / Am Marbach
44793 Bochum

ÖPNV

Von Bochum Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 302 bis "Westpark"