Industrielehrpfad Gerthe/Grumme/Hiltrop

Ehemalige Hauptwerkstatt Bogestra. Foto: RIK / R. Budde

Der 1995 von der Stadt Bochum eingerichtete Industrielehrpfad folgt den Spuren der Industrialisierung, die seit den 1870er Jahren die drei kleinen Landgemeinden verstärkt erfasste und innerhalb von drei Jahrzehnten in montanindustriell geprägte Unterzentren verwandelte. Damit macht er für diesen Zeitraum typische Entwicklungslinien des Ruhrgebiets erlebbar. Im Mittelpunkt steht vor allem die Erfahrung der geografischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen in Bochumer Norden. Daher ist der knapp 20 Kilometer lange Weg als Fahrradroute konzipiert, die – je nach Verweildauer an den Einzelstandorten   etwa drei bis vier Stunden in Anspruch nimmt.

Die Strecke führt von den Stahlwerken Bochum mit seinen Siedlungen zum ehemaligen Betriebshof Gerthe der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn, dessen Ursprünge als „Kleinbahn Bochum-Gerthe-Harpen“ bis ins Jahr 1908 zurückreichen und der dem Unternehmen von 1971 bis 2005 als Hauptwerkstatt diente. Heute befindet sich dort das neue Energieeffizienz-Gründerzentrum Bochum (EEZ). Auch die frühere Direktorenvilla der Kleinbahn ist erhalten geblieben und dient als Bürogebäude. Weiter geht es durch Siedlungen der Zeche Lothringen in Gerthe. Ein Abstecher führt zum Gerther Friedhof mit dem Ehrenmal für die bei der Schlagwetterexplosion auf der Schachtanlage Lothringen im August 1912 getötete 117 Bergleute. Das Unglück erhielt besondere Publizität durch den Besuch Kaiser Wilhelms II., der zum 100jährigen Jubiläum der Firma Krupp in Essen weilte und einen Tag später nach Gerthe kam.

An verschiedenen erhaltenen Anlagen der Zeche Lothringen und durch das Zentrum Gerthes hindurch führt der Weg nach Hiltrop, das durch verschiedene Schachtanlagen der Zeche Constantin geprägt wurde. Vor allem auf dem Gelände der bereits 1961 stillgelegten Zeche Constantin 10 sind noch zahlreiche Gebäude durch Umnutzung erhalten geblieben. Das Barackenlager der Zeche Constantin (Bergener Str. 116a-h) erinnert an den Zwangsarbeitereinsatz der Ruhrindustrie im Zweiten Weltkrieg. Den Abschluss des Rundweges bilden der Tippelsberg mit seinem beeindruckenden Panoramablick und die seit 1989 unter Denkmalschutz stehende Eisenbahnbrücke der Zechenbahn Constantin an der Tenthoffstraße von 1905 mit ihren bemerkenswerten gusseisernen Stützen.

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Kontakt & Infos

Industrielehrpfad
Gerthe/Grumme/Hiltrop

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Straßenbahn 308/318 bis "Stahlwerke Bochum"
Hier befindet sich der Ausgangspunkt des Industriegeschichtlichen Lehrpades.