Scharoun-Kirche

Scharoun-Kirche. Foto: RIK / R. Budde

Die 1966 geweihte und seit 1997 denkmalgeschützte Johanneskirche in Altenbochum ist der einzige realisierte Kirchenentwurf des Architekten Hans Scharoun (1893-1972). Ebenso einzigartig ist ihre Gestaltung, trägt sie doch viele Elemente von Scharouns wohl wichtigster Arbeit, der nach ihrer Eröffnung 1963 zu Weltruhm gelangten Berliner Philharmonie. Dazu gehören das Zeltdach, die Wandgestaltung, die dreieckige Fensterform, der markante dunkle Alta-Quarzitboden und das Konzept der Raumplastik. Aus diesem Grund ist sie kaum unter ihrem eigentlichen Namen, sondern nur als „Scharoun-Kirche“ bekannt. Im Ruhrgebiet existieren nur zwei weitere, ebenfalls denkmalgeschützte Bauten Scharouns, das Geschwister-Scholl-Gymnasium (heute Gesamtschule) in Lünen (1956-1962) und die Haupt- und Grundschule in Marl (1960-1971).

1962 gründete die Bochumer Gemeinde der Christengemeinschaft einen Verein mit dem Ziel, eine Kirche zu bauen, und erwarb zwei Jahre später Teile des ehemaligen Hofes Schulte-Vels. Dass mit Scharoun einer der bedeutendsten Vertreter der Moderne in Deutschland als Architekt gewonnen werden konnte, lag an einem Zufall, denn die Familie eines Gemeindemitglieds war ihm seit langem freundschaftlich verbunden.

Die Architektur integriert die einzelnen Funktionen eines Gotteshauses zu einer Raumplastik, die zugleich als sichtbar abgesetzte Raumteile und doch als Einheit erkennbar sind: als Altar-, Predigt-, Innen-, Musik- und Eingangsraum. Dazu kommen rechts vom Altar die fünfeckige Sakristei und die zum Eingangsbereich führende schlichte Eingangshalle. Die Funktionalität wird jedoch nicht nur durch die Raumformen, sondern auch durch den geschickten Materialeinsatz verdeutlicht. Klinker, Ziegel, Stahl, Glas und ungehobelte Holzbretter schaffen als typische Baustoffe des Ruhrgebiets einen regionalen Bezug und zugleich durch das Zusammenspiel von Licht und Farbe ein besonderes Ambiente. Beispiele dafür sind die Eingangshalle sowie im Innenraum die Lichtsprache in der Dachkonstruktion und die diagonale, schräge Fenstersüdwand. Dazu kommt der von Scharoun entworfene Altar, ein als leeres Steingrab verstandener hellgrauer Granitblock mit einer ausgeklügelten Vierkantrohrkonstruktion. Die zum Altar gehörenden mannshohen Kerzenleuchter aus verchromtem Stahlrohr wurden 1970 vom Bauhausschüler Wilhelm Wagenfeld auf Bitten Scharouns gestaltet.

1986/87 folgte der Anbau der (Aufbahrungs-)Lazaruskapelle nach Entwürfen des Architekten Claude Decressionniere und des Bildhauers Roland Stalling. Sie nimmt die formalen Elemente der Kirche im Kleinen auf, ordnet sich damit der großen Schwester unter, beeinträchtigt aber deren Erscheinungsbild durch den Anschluss an der Gartenseite nicht.

In technischer Hinsicht erwiesen sich die eigenwillige Gestaltung und die damit verbundene eigenwillige Verwendung des Baumaterials als problematisch. Schwierigkeiten machten u.a. Undichtigkeiten an Dach und Fenstern sowie die unzureichende Wärmedämmung. Die Johanneskirche wurde daher in den vergangenen Jahren renoviert.

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Kontakt & Infos

Johanneskirche – Scharoun-Kirche
Glockengarten 70
44803 Bochum-Altenbochum
Telefon: +49 (0) 234 / 3522-08

Öffnungszeiten

Zu allen Veranstaltungen sowie zu den Bürozeiten:
Mo 15.00 – 18.00 Uhr, Mi und Fr 8.00 – 11.00 Uhr.
An jedem 1. Sonntag im Monat von 12.00 - 13.00 Uhr ist eine Besichtigung der Kirche mit Führung möglich

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Straßenbahn 302, 310 oder Bus 345 bis „Freigrafendamm“, dann 5 Min. Fußweg