Wasserkraftwerk Bochum-Stiepel

Turbinenpump- und Wasserkraftwerk Stiepel. Foto: RIK/Reinhold Budde
Turbinenpump- und Wasserkraftwerk Stiepel. Foto: RIK/Reinhold Budde

Obwohl Bochum keineswegs in einer wasserarmen Gegend liegt, kam es in trockenen Sommern schon Mitte des 19. Jahrhunderts zu „Wasserkalamitäten“, verursacht durch die rasch steigende Bevölkerungszahl und den zunehmenden Tiefbau der Zechen, der das Grundwasser abzog. Erst 1869 wurde vom Stadtrat der Beschluss zum Bau einer Wasserleitung gefasst. Die Leitung musste von der Ruhr über die Wasserscheide in die Stadt führen, denn nur so konnte Bochum ausreichend mit Wasser versorgt werden. Die Stadt kaufte dazu ein Gelände an der Ruhr, wo das Grundwasser aus dem Kiesbett durch Tonröhren in einen Sammelbrunnen gezogen und in einem Pumpwerk von zwei Dampfmaschinen 100 Meter hoch in einen Hochbehälter gepumpt wurde, der am Rande des Weitmarer Holzes lag. Von dort gelangte es ins Verteilernetz. 1871 konnte die öffentliche Wasserversorgung in Bochum aufgenommen werden. Die Wasserwerke wurden ab 1874 von der Gasanstalt mit verwaltet, was zum neuen Namen „Städtische Gas- und Wasserwerke“ führte.

Um die Jahrhundertwende überstieg die Wasserförderung erstmals die Menge von zehn Millionen Kubikmetern, das Versorgungsgebiet umfasste zu dieser Zeit rund 200.000 Einwohner. Mit dem kurz zuvor in Betrieb gegangenen Verbands-Wasserwerk Bochum schloss die Stadt 1904 einen Vertrag, in dem die Versorgungsgebiete der beiden Unternehmen festgelegt wurden. Die städtischen Wassergewinnungsanlagen wurden nun kontinuierlich ausgebaut. Dazu diente auch der Bau eines neuen Pumpwerks neben der Ruhrschleuse Blankenstein. Dieses Turbinenpump- und Wasserkraftwerk Stiepel wurde 1910 in Betrieb genommen und war nach umfassender Modernisierung im Jahre 1996 bis zum 24. November 2015 in Betrieb. Das Trinkwasser wurde über mehrere Brunnenreihen mit 74 Brunnen gewonnen, dabei wurde sowohl Grundwasser als auch Uferfiltrat gefördert - pro Jahr zuletzt 14 Millionen Kubikmeter Wasser.

Aufgrund verschärfter gesetzlicher Vorgaben wurde anstelle der sonst erforderlichen Nachrüstung eine neue Leitung vom Wasserwerk der Wasserwerke Westfalen in Witten durch das Lottental gebaut, das jetzt zwei Drittel des bisher von Stiepel gedeckten Bedarfs deckt. Ein weiteres Drittel kommt vom Wasserwerk Essen-Horst.

Ende 2015 wurde die Wassergewinnung in Stiepel eingestellt. Künftig wird der Betriebsstandort in Stiepel als reines Wasserkraftwerk betrieben. Dazu werden in dem Gebäude die vier bisher für das Trinkwasser zuständigen Turbinen zurückgebaut, zwei weitere für die Stromgewinnung benötigte Turbinen wurden ab Herbst 2016 leistungsfähiger ausgebaut. Zuvor produzierten sie bis zu 800 Megawattstunden Strom, nun sind es 3500. Damit können 1000 Haushalte pro Jahr versorgt werden.

Der Stie­pe­ler Öko­strom wird in das all­ge­mei­ne deut­sche Strom­netz ein­ge­speist und nach dem „Er­neu­er­ba­ren-En­er­gie-Ge­setz“ ver­gü­tet. Wer voll auf kon­ven­tio­nel­le En­er­gie­trä­ger ver­zich­ten will, kann bei den Stadt­wer­ken für einen Euro mehr im Monat den Öko­strom zu sei­nem lau­fen­den Strom­ver­trag hin­zu­bu­chen. Und: Da das Werk mitten in einem Naturschutzgebiet steht, wurde parallel zum Umbau auch eine neue Fischaufstiegsanlage errichtet. 

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Kontakt & Infos

Wasserbeschaffung Mittlere Ruhr GmbH
Wasserwerk Stiepel
Brockhauser Str. 149a
44797 Bochum-Stiepel

ÖPNV

Von Bochum Hbf mit Bus CE31 bis „Stiepel Dorf“, dann 20 Min. Fußweg