Aktuelles auf der Route Industriekultur

40 Jahre LWL-Industriemuseum

Kinder an der Marmorschalttafel der Maschinenhalle von Zollern im Mai 1994. Foto: Berthold Socha

1979, als der Strukturwandel in vollem Gange war und viele Fabriken und Zechen zwischen Rhein und Weser stillgelegt wurden, beschloss der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Gründung eines dezentralen Industriemuseums. Heute ist das LWL-Industriemuseum mit seinen acht Orten in Westfalen-Lippe wichtiger Bestandteil im kulturellen Leben der Region. Mit der Wanderausstellung „Fabrik. Denkmal. Forum. 40 Jahre LWL-Industriemuseum fotografiert von Berthold Socha“ gibt das Landesmuseum in diesem Jahr Einblicke in die Entwicklung der ehemaligen Zechen und Fabriken zu lebendigen Orten der Industriekultur.

Am 17. November um 15 Uhr wird die Schau im Rahmen einer Festveranstaltung zum Jubiläum in der Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund eröffnet. Die Rettung der Halle im Jahr 1969 hatte seinerzeit den entscheidenden Impuls für das innovative Konzept eines dezentralen Industriemuseums gegeben.

Das neue Industriemuseum sollte in seiner Gesamtschau die Industriegeschichte Westfalens repräsentieren, die „Kultur des Industriezeitalters beispielhaft darstellen, Denkmäler erschließen und für die Öffentlichkeit zugänglich machen“, heißt es im Gründungsbeschluss der Landschaftsversammlung von 1979. Berthold Socha begleitete die Entwicklung von Anfang an - nicht nur als Referent der LWL-Kulturabteilung, sondern auch als passionierter Fotograf. Seine analogen Schwarzweiß-Aufnahmen ergründen die skulpturalen Qualitäten der acht Standorte, zeigen Menschen, die am Aufbau beteiligt waren, und die heutige Nutzung.

„Für unser Haus bilden Sochas Schwarz-Weiß-Fotografien ein einzigartiges Archiv. Sie zeigen eine sehr persönliche Sicht auf den langen Weg von der Fabrik zum Denkmal und weiter zum gesellschaftlichen Forum, wie wir das Museum heute verstehen“, fasst Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums, zusammen. Er erinnert daran, dass mit der Gründung des Industriemuseums vor 40 Jahren ein „ganz neuer Museumstypus“ entstand: „Die Industrie-Arbeit kam nicht ins Museum, sondern das Museum zur Arbeit, an die authentischen Orte, das hatte es vorher noch nicht gegeben. Mit dieser Museums-Gründung beginnt die Industriekultur in Deutschland.“

Neu war auch die museale Zuwendung zu den Themen Arbeit und Alltag. So begleiteten Interviewprojekte zu den Erfahrungen und Erinnerungen von Frauen und Männern im Umfeld der Standorte die Museumsarbeit von Anfang an. Der Museumsdirektor: „Mit Zeitzeugen geführte Gespräche waren in den 1980ern Teil einer Geschichtsschreibung von unten. Sie sind bei der Rezeption der Vergangenheit heute selbstverständlich. Unser Erinnerungsarchiv umfasst mittlerweile 1.600 Ton- und Videoaufnahmen.“

Heute ist das Landesmuseum für Industriekultur mit seinen insgesamt rund 500.000 Besuchern jährlich ein gesellschaftliches und kulturelles Forum. „Unsere Häuser sind im Laufe von 40 Jahren Orte der Begegnung, des Austauschs und der kulturellen Teilhabe geworden.“

Fabrik. Denkmal. Forum
40 Jahre Industriemuseum fotografiert von Berthold Socha
Zeche Zollern, Dortmund: 17.11.2019-8.3.2020

Weitere Informationen unter www.ausstellungen-industriemuseum.lwl.org

LWL-Industriemuseum
Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
www.zeche-zollern.de

Die Zeche Zollern ist ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur.