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Ruhr Museum & DBM: „Das Zeitalter der Kohle“

Blick in die Ausstellung: Teilschnittmaschine EVR 160 der Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik u. Eisengießerei mbH, Bochum, 1975/80 Foto: Deutsches Bergbau-Museum Bochum, montan.dok

Seit dem 27. April und noch bis zum 11. November präsentieren das Ruhr Museum und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum die Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ in der Mischanlage der Kokerei auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen. Sie ist die erste europäische Ausstellung, die zum Abschied von der Kohle gezeigt wird.

2018 schließen mit Prosper-Haniel in Bottrop und Anthrazit Ibbenbüren die beiden letzten aktiven Bergwerke in Deutschland. Damit zeichnet sich nach 200 Jahren ein Ende des Zeitalters der Kohle in Deutschland ab, das in ganz Europa Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt entscheidend beeinflusste.

Besonders im Ruhrgebiet, der ehemals größten Bergbauregion Europas, hat Kohle die Arbeit, den Alltag und die Mentalität der Menschen stark geprägt. 2018 kommt der lange Abschied von der Kohle zum Abschluss, der Ende der 1950er-Jahre mit der Kohlekrise und dem Zechensterben begann und über zwei Generationen die Region geprägt hat.

Das Ruhr Museum, Regionalmuseum des Ruhrgebiets, und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, präsentieren mit „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ ihre erste Gemeinschaftsausstellung. Beide Ausstellungshäuser, die unter anderem über große Sammlungen zur Bergbaugeschichte verfügen, zeigen in den beeindruckenden Räumen der Mischanlage der Kokerei Zollverein die vielschichtige und faszinierende Geschichte der Kohle in Europa: ihre Förderung und Nutzung und die vielfältigen Auswirkungen bis in den Alltag hinein. Doch Kohle war nicht nur der Treibstoff der Moderne und des Fortschritts, sie war auch Teil der Schattenseiten der Industrialisierung, die ebenfalls beleuchtet werden. Präsentiert werden rund 1.200 Exponate, vor allem aus den Beständen der beiden Museen sowie von über 100 regionalen, nationalen und internationalen Leihgebern. Das Spektrum der Ausstellungsstücke ist vielschichtig. Es reicht von Gemälden und Büsten der europäischen Zechenbesitzer, Bergbaurelikten und schweren Maschinen, Fahnen der Bergarbeitervereine und -bewegungen bis hin zu historischen Plakaten, Fotografien und Filmen. Zu sehen ist eine Wandtapete mit einer der frühesten Eisenbahndarstellungen aus den Musées Gadagne in Lyon, eine Originalprobe des ersten synthetischen Farbstoffes aus Kohle und der Gründungsvertrag der Montanunion, der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“, aus dem Nationalarchiv Luxemburg sowie die Kunstinstallation „Dark Star“ des britischen Künstlers Jonathan Anderson.

Die Mischanlage der ehemaligen Kokerei Zollverein gilt als eines der spektakulärsten Gebäude auf dem Welterbe Zollverein. Die gewaltigen Bunkeranlagen des ehemaligen Kohlespeichers, die der Ausstellungsparcours auf drei Ebenen erschließt, versinnbildlichen schon durch ihre Materialität und Monumentalität die visionären technischen Potenziale, aber auch die Gewalttätigkeit der industriellen Moderne. Ihre ursprüngliche Funktion bestand darin, die für die Kokerei bestimmten Kohlen zu sortieren, in riesigen Bunkern zu speichern und sie im gewünschten Mischungsverhältnis den Koksöfen zuzuführen. Sie war somit das Bindeglied zwischen der Kohleförderung auf der Zeche und der Kohleverarbeitung auf der Kokerei und ist damit ein besonders symbolträchtiger Ort. Nach ihrer Stilllegung 1993 wurde sie für die Abschlusspräsentation der Internationalen Bauausstellung Emscherpark zur Ausstellungshalle umgebaut. In ihr wurden spektakuläre Ausstellungen wie „Sonne, Mond und Sterne. Natur und Kultur der Energie“ oder „1914 – Mitten in Europa“ gezeigt.

Der Parcours der Ausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“ folgt dem ehemaligen Weg der Kohle von der Zeche Zollverein hinüber zur Mischanlage der Kokerei. Die Besucher gelangen mit einer Standseilbahn in die Kopfstation des Gebäudes. Die Ausstellung zeigt in der Abteilung Kohlewelten die Entstehung der Kohle vor mehr als 300 Millionen Jahren in der Karbonzeit, einschließlich des größten je im Ruhrgebiet zutage geförderten Kohlestücks, sowie die weltweiten Lagerstätten der Kohle. Auf der darunterliegenden weitläufigen Verteilerebene geht es um den Bergbau, um die Welt unter Tage. Anhand der vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser werden nicht nur die technische Entwicklung, sondern auch die körperliche Anstrengung und die ständige Gefahr der Bergarbeit gezeigt. Durch das Treppenhaus geht es dann bergab in die Tiefe des Gebäudes und symbolisch in die eines Bergwerks. In den fensterlosen Räumen der Bunkerebene wird die Entfesselung des Stoffes Kohle thematisiert. Die gespeicherte Sonnenenergie des „schwarzen Goldes“ befeuerte nicht nur das Industriezeitalter, sondern machte in Form der Kohlechemie die Nachahmung der Natur in der Chemie und Pharmazie möglich. Kohle brachte auch eine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse. Sie war ein Garant für bessere Infrastruktur, Fortschritt, Arbeit und Wohlstand. Aber auch bei der Entstehung von Klassengegensätzen und der Führung von Kriegen kam der Kohle eine Schlüsselrolle zu. Die Trichterebene der Mischanlage ist mit dem Thema Höhepunkt und Abschied der Hochphase und den Folgen der Kohle gewidmet. Sie reichen von der Schlüsselfunktion der Kohle für den Wiederaufbau und den europäischen Einigungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg über die Ablösung der Kohle durch neue Energieträger mit dem nachfolgenden Strukturwandel bis hin zu den immensen ökologischen Folgen, die sich aus dem Abbau und der Verbrennung des Rohstoffs ergeben. Den Abschluss bilden die Menschen und Maschinen des Bergbaus. Im Rollenlager kommen Menschen zu Wort, deren Leben von der Kohle geprägt war und die in Interviews ihren persönlichen Abschied vom Zeitalter der Kohle nehmen. Ergänzt wird die Ausstellung von einem Skulpturenpark vor dem Ausstellungsgebäude mit gigantischen Maschinen, die die Dimensionen des modernen Bergbaus verdeutlichen.

Die Ausstellung wird von der RAG-Stiftung im Rahmen der Initiative „Glückauf Zukunft!“ gefördert. Mit „Glückauf Zukunft!" würdigen die RAG-Stiftung, die RAG Aktiengesellschaft und die Evonik Industries AG zusammen mit dem Sozialpartner IG BCE die Errungenschaften und Leistungen des deutschen Steinkohlenbergbaus. Außerdem treiben sie mit neuen Impulsen die Zukunftsgestaltung in den Bergbauregionen voran.

UNESCO-Welterbe Zollverein Areal C [Kokerei]
Mischanlage [C70]
Arendahls Wiese
45141 Essen
www.zeitalterderkohle.de

27. April bis 11. November 2018
Mo–So von 10–18 Uhr

Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Kultur- und Veranstaltungsprogramm.

Weitere Informationen auch unter www.ruhrmuseum.de; www.bergbaumuseum.de