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Kokslöschturm auf Hansa wird saniert

Kokslöschturm Kokerei Hansa vor Beginn der Sanierungsarbeiten. Foto: Werner J. Hannappel

Der eingehauste Kokslöschturm 0 zu Beginn der Sanierungsarbeiten im Januar 2017. Foto: Klaus-Peter Schneider

Konstruktionszeichnung der Seitenansicht des Kokslöschturms 0 aus dem Jahr 1976. Quelle: Archiv Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Wie eine Zimmermannswerkstatt erscheint derzeit der eingehauste Kokslöschturm 0 der Kokerei Hansa. Holzbalken, Pfosten, Sägen und Schrauben lassen auf mehreren Gerüstebenen erahnen, dass hier Muskelkraft und Handwerkskunst zugleich gefragt sind. Die Arbeiten zur Sicherung und Erneuerung der Holzkonstruktion sind Teil der denkmalgerechten Sanierung des Turms.

Es ist ein ziemlicher Kraftakt, bis die Handwerker die mächtigen Holzbalken an Ort und Stelle hoch oben im Löschturm platziert haben, um sie dort miteinander zu verzahnen und zu verschrauben. „Ein spannendes Projekt, denn normalerweise arbeiten wir an Dachkonstruktionen oder Fachwerkhäusern. Solch ein großes und hohes Bauwerk ist schon etwas Besonderes.“, sagt Stefan Witte, Zimmerer bei der Heinrich Haveloh GmbH, die mit den Arbeiten betraut ist. Nicht erst seit der Stilllegung der Kokerei Hansa im Jahr 1992 ist der Löschturm, an dem 1980/81 rund 125 Kubikmeter Fichtenholz verbaut wurden, in die Jahre gekommen. „Verschleißerscheinungen aus Betriebszeiten und Witterungsschäden haben der Beton- und Holzkonstruktion kräftig zugesetzt“, berichtet Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Industriedenkmalstiftung. „Es war höchste Zeit, das denkmalgeschützte Bauwerk zu sanieren. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Mitteln der Städtebauförderung Gelegenheit haben, das weithin sichtbare Wahrzeichen der Kokerei Hansa erhalten können“.

Und nicht nur dies. Denn künftig sollen, so Ursula Mehrfeld, „die Besucher der Kokerei den Löschturm auch ebenerdig begehen können, um aus dem faszinierenden Innenraum heraus den Himmel zu erspähen.“ Ob dann, wie einst, Wasserdampfwolken aufsteigen werden, ist aber noch ungewiss. Auf jeden Fall aber wird der Löschvorgang des Kokses erlebbar sein. Doch zunächst gilt es, das Bauwerk selbst zu ertüchtigen.

In etwa 40 Metern Höhe arbeiten derzeit täglich zwei bis drei Handwerker daran, die Holzkonstruktion und Holzverschalung des Kokslöschturms instand zu setzen. Dabei gehen sie von oben nach unten vor und tauschen, wo es nötig ist, Balken oder Bretter aus. Auch die umlaufenden balkonartigen Wartungsgänge bedürfen einer Grunderneuerung nach historischem Vorbild. In etwa sechs Wochen werden die Arbeiten an der Holzkonstruktion abgeschlossen sein. Im Anschluss folgen weitere Arbeiten zur Sicherung der Stahlbetonkonstruktion, auf der das hölzerne Monument ruht. Ein Oberflächenschutz soll Schäden langfristig vorbeugen. Ende 2017 wird gesamte Sanierungsmaßnahme voraussichtlich abgeschlossen sein.

Hintergrundinformationen zum Kokslöschturm der Kokerei Hansa:

Der Löschturm diente dazu, den Koks, der in Koksöfen durch Erhitzen von Steinkohle unter Luftabschluss produziert wurde, mit Wasser abzulöschen und dadurch von etwa 850° bis 900° Celsius auf circa 60° Celsius abzukühlen. Sobald der Koks aus dem Ofen gedrückt war und mit Sauerstoff in Kontakt kam, fing er Feuer. Damit er nicht verbrannte und zu Asche zerfiel, wurde er vom Ofen aus direkt in einen Löschwagen geschoben und über Gleise in den Löschturm gefahren. Circa 120 Löschvorgänge gab es pro Tag. Das nach außen sichtbare Zeichen für den Löschvorgang war die aus dem Turm aufsteigende riesige Wasserdampfwolke. Der Kokslöschturm 0 wurde 1980/81 als (Fichten-) Holzkonstruktion mit gespundeter Schalung, die auf einer Beton-Tragkonstruktion aufsteht, gebaut. Die Holzverschalung diente dazu, den Wasserdampf nach dem Kokslöschen geregelt nach oben zu führen. Der Baustoff Holz war preiswert, vereinfachte die Wartung und war auch bei Temperaturschwankungen widerstandsfähig. Für Wartungsgänge waren am Löschturm außen drei umlaufende Balkone installiert, die über Stahlleitern erschlossen wurden. Oben am Löschturm befinden sich seitlich und von außen sichtbar zwei große Wasserbehälter. Sie hatten ein Fassungsvermögen von jeweils 36.000 Liter pro Tank. Für einen Löschvorgang wurden circa 25.000 Liter Wasser benötigt; davon verdampften circa 10.000 Liter. Um darin enthaltene Koksgrußgrusanteile zurückzuhalten, war der Turm im Inneren mit einer lamellenartigen Anlage zur Verminderung von Emissionen ausgestattet. In 10.000 Liter Wasserdampf durften damals maximal 50 Gramm Feststoffanteile in Form von Koksgrus enthalten sein. Das übrige Wasser wurde nach dem Löschvorgang dem bis heute erhaltenen Klärbecken zugeführt und von dort aus wieder nach oben in die Tanks gepumpt.

Kokerei Hansa
Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
Emscherallee 11
44369 Dortmund
www.industriedenkmal-stiftung.de

Die Kokerei Hansa ist ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur. 

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