Aktuelles auf der Route Industriekultur

Azubis, Raubbau, Boom: LWL-Ausstellungen 2019

„Boom!“. Gasometer-Sprengung auf dem Gelände der Henrichshütte Hattingen am 24. September 1994. Foto: Manfred Vollmer

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat in seinen Museen auf der Route der Industriekultur auch 2019 einiges geplant. Eine Jahresübersicht.


LWL-Freilichtmuseum Hagen
Stift, Lehrling, Azubi - Ausbildung 1945 bis heute (19. Mai bis 31. Oktober 2019)
Die öffentliche Diskussion um das Thema Ausbildung für Handwerksberufe wird sehr lebhaft geführt. Es geht um Prestige, Bezahlung, schmutzige Hände und Zukunftschancen. Zu dieser Diskussion trägt das LWL-Freilichtmuseum Hagen ab dem 19. Mai 2019 eine Ausstellung bei. Sie beleuchtet den Weg von der Berufsfindung bis zum Abschluss der Gesellenprüfung zwischen 1945 und heute und berührt dabei auch Gegenwartsfragen.

Ausgangspunkt sind die Ausbildungsgeschichten von Handwerkern verschiedener Generationen und Gewerbe. Objekte aus der Ausbildungszeit veranschaulichen diesen besonderen persönlichkeitsbildenden Lebensabschnitt. Sie stehen zugleich für eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die seit dem Zweiten Weltkrieg abwechselnd von Lehrlings- oder Lehrstellenmangel geprägt wurde. In diesem Zeitraum veränderten sich die Anforderungen an eine fachgerechte Ausbildung. Die Ausstellung bietet mit zahlreichen Mitmachstationen sowohl Orientierungspunkte für jüngere Menschen als auch Erinnerungsmomente für ältere Generationen.

Dual! Theorie und Praxis in der Goldschmiedeausbildung 
(16. Juni bis 31. Oktober 2019)

Eine Ausstellung in Kooperation mit dem BKO Essen
Die Ausstellung im Goldschmiedehaus ist ein „Satellit“ zu der Sonderausstellung „Stift, Lehrling, Azubi“. Sie beleuchtet am Beispiel der Goldschmiedin die aktuelle theoretische und praktische Ausbildung mit einem Schwerpunkt auf den schulischen Aktivitäten. Sie zeigt, wie betriebliche und schulische Ausbildung im Handwerk zusammenwirken und gibt damit Einblicke in das duale System im Handwerk, das weltweit Vorbildcharakter hat. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Ergebnisse der sogenannten Werkstattwochen, in denen die Goldschmiedeauszubildenden bestimmte Themen von der Planung bis zur konkreten Ausführung bearbeiten. Die präsentierten Arbeiten verdeutlichen, welche grundlegenden Techniken die Auszubildenden erlernen müssen und welche theoretischen Kenntnisse dazu Voraussetzung sind. 
Die Präsentation entsteht in Kooperation mit dem Berufskolleg Ost (BKO) Essen. 

Albert Renger-Patzsch - Fotografien für die Tischlerwerkstätten Dickerhoff (1.April bis 31. Oktober 2019)
Albert Renger-Patzsch (1897-1966) ist bekannt für seine sachlich-dokumentarischen Fotografien von Industriebauten und Gegenständen sowie Naturaufnahmen. Weniger bekannt sind seine Auftragsarbeiten für den Bochumer Tischlermeister Josef Dickerhoff, mit dem er in engerem Kontakt stand. Der Zeitgenosse der Bauhaus-Bewegung fertigte in den 1930er- und 1950er-Jahren zahlreiche Fotografien von Möbel und Inneneinrichtungen zu Werbezwecken an, die die renommierte Tischlerei Werkstätten Dickerhoff in Broschüren und Zeitschriften veröffentlichte. Die Aufnahmen sind Ausdruck der für Renger-Patzsch typischen Prinzipien der Neuen Sachlichkeit, hier eingesetzt für die Wiedergabe hochwertiger Tischlerarbeiten. 

WasserEisenLand (9.April bis 23. Juni 2019)
Die Ausstellung im Freigelände des Museums stellt die wichtigsten Stationen des industriekulturellen Netzwerkes WasserEisenLand (WEL) vor, in dem das LWL-Freilichtmuseum Hagen Mitglied ist. WEL verbindet technikgeschichtlich bedeutsame Orte in im Sauerland, im Siegerland-Wittgenstein und in der Märkischen Region. Der Wald-, Wasser- und Erzreichtum dieser Mittelgebirgslandschaft begünstigte die Entwicklung einer Gewerbelandschaft, an die heute noch zum Beispiel Bergwerke, Eisenhütten, Drahtziehereien, Besteck- und Nadelfabriken, Schmiedehämmer, Blechwalzwerke und Gießereien sowie Museumseisenbahnen erinnern. Über 50 originale Schauplätze sind in WEL zusammengeschlossen und können besichtigt werden.


LWL-Industriemuseum
Das Ausstellungsjahr im LWL-Industriemuseum mit seinen acht Standorten ist von zwei Themen geprägt: Mehrere Standorte widmen sich verschiedenen Aspekten des Themas „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“. Die Hauptausstellung dazu ist im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund zu sehen. 


Ein weiteres gemeinsames Thema beschäftigt die acht Standorte des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur im Jahr 2019: das 40-jährige Bestehen des Museums. 1979 beschloss die Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe in Münster die Gründung eines dezentralen Industriemuseums. In der Ausstellung „Fabrik. Denkmal. Forum. 40 Jahre Industriemuseum fotografiert von Berthold Socha“ geben analoge Fotografien Einblicke in die frühe Phase, den Aufbau und den Betrieb der Museen. Der passionierte Fotograf Socha war viele Jahre als LWL-Referent zuständig für die Industriemuseen und hatte seine Kamera bei Außenterminen immer dabei. Ausstellungsorte und -daten sind:

Textilwerk Bocholt 6.4. - 30.6.2019
Zeche Hannover 12.4. -7.7.2019
Henrichshütte Hattingen 14.4. - 30.6.2019
Schiffshebewerk Henrichenburg 18.7.-27.10.2019
Zeche Nachtigall 21.7.-27.10.2019
Glashütte Gernheim 14.9.-23.12.2019
Zeche Zollern 17.11.2019-8.3.2020
Ziegeleimuseum Lage 23.11.-2019-29.3.2020


LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund
„Alles nur geklaut?“ (23. März bis 13. Oktober 2019)

„Alles nur geklaut?“ fragt ab März (23.3.-13.10.2019) die neue Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund. Die Entwicklung moderner Gesellschaften ist maßgeblich davon beeinflusst, wie Wissen erlangt, geteilt und geschützt wird. Auf 1000 Quadratmetern zeigt die Ausstellung die abenteuerlichen Wege des Wissens durch die Jahrhunderte bis heute. Sie stellt Erfinder, Spioninnen und Whistleblower vor und lädt zum Mitmachen ein. Besucher knacken Codes in geheimen Kammern des Wissens, unterscheiden im Sachverständigenlabor zwischen Original und Fälschung und schicken Selfies in eine „Cloud“ über ihren Köpfen. Das Spektrum der Exponate reicht vom 3.000 Jahre alten Scheibenrad über Objekte wie eine BH-Minikamera und die Verschlüsselungsmaschine Enigma bis hin zur elektronischen Fußfessel. Ein besonderes Erlebnis versprechen sechs in die Ausstellung integrierte Escape-Rooms. In kleinen Gruppen müssen Aufgaben gelöst werden. Ist der Code geknackt, öffnet sich die Tür zur nächsten „geheimen Kammer des Wissens“.

LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop
U-Boote - Krieg und Forschung in der Tiefe (bis 15. September 2019)

Im Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen) geht es um die Rolle von U-Booten im Krieg und in der Forschung (9.12.2018 - 15.9.2019). Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg brachten sie Tod und Verderben. Heute nutzen Bio¬logen, Geologinnen oder Archäologen die Unterwasser-Fahrzeuge für ihre Forschungen. In Romanen, Comics und Filmen spielen U-Boote eine wichtige Rolle. Zu sehen sind unter anderem das Bugsegment eines im Zweiten Weltkrieg gesunkenen Klein-U-Boots vom Typ „Seehund“, Kleidung und andere Original-Requisiten aus dem Film „Das Boot“, Torpedos und Minen aus der Zeit des Kalten Krieges, unbemannte Unterwasserfahrzeuge für die Meeresforschung sowie präparierte Tiere und rohstoffhaltige Gesteinsproben aus der Tiefsee.
Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojekts „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“.

Berührte Landschaften (31. März bis 3. November 2019)
Die Fotoausstellung „Berührte Landschaften“ mit Fotografien von Udo Kreikenbohm zeigt das Schiffshebewerk Henrichenburg auf dem Ausstellungsschiff „Ostara“. Der langjährige Zeitungs-Fotograf der WAZ hat bei seinen Reisen durch das Ruhrgebiet viele Bilder gemacht, die nicht die bekannten Sehenswürdigkeiten zwischen Duisburg und Dortmund, Hattingen und Marl zeigen. Er fotografiert in den Zwischenräumen, in denen sich die Menschen bewegen, ihre Spuren hinterlassen. Die „berührten Landschaften“ lenken den Blick auf Situationen, wie sie überall im Ruhrgebiet zu finden sind. Diese Bilder taugen nicht für Schlagzeilen.


LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen

Boom! (17. Mai bis 3. November)

Die Henrichshütte zwischen Abbruch und Aufbruch ist Thema der Ausstellung „Boom!“ in der Henrichshütte Hattingen (17.5. - 3.11.2019). Sie schlägt einen Bogen vom Kaiserreich über die Weltkriege bis zum Strukturwandel. Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojekts „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“.

Hidden Costs (bis 22. April 2019)
Die großen Luftbildaufnahmen des international renommierten Fotografen J Henry Fair zeigen die versteckten Kosten der Industrie, die Zerstörung der Natur durch die Suche nach Rohstoffen oder die Produktion von Industrie- und Massengütern. Fair hat alle Kontinente bereist. Schwerpunkt der präsentierten Fotografien sind Motive aus den USA und aus Nordrhein-Westfalen. 


LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum

Was von der Zeche bleibt (29. März bis 30. Juni 2019)

2018 endete mit der Schließung der letzten Zeche der Steinkohlenbergbau in Deutschland. „Was von der Zeche bleibt“ präsentiert die Zeche Hannover in Bochum zum Saisonauftakt. Die großformatige Schwarzweiß- und Farbbilder des Fotografen Bernd Langmack aus den vergangenen drei Jahrzehnten zeigen Zechen im Ruhrgebiet nach ihrer Schließung - im ruinösen Zustand, im Abriss, in der kulturellen oder wirtschaftlichen Umnutzung. Langmacks Fotografien sind ein Kaleidoskop der ehemaligen Bergbauregion Ruhrgebiet nach dem Ende der Kohle.

Hidden Costs (12. Juli bis 27. Oktober 2019)
Im Juli übernimmt die Zeche Hannover die Ausstellung „Hidden Costs. Ewigkeitslasten“
mit Fotografien von J Henry Fair, die noch bis zum 22. April 2019 in der Henrichshütte Hattingen zu sehen ist. Die großen Luftbildaufnahmen des international renommierten Fotografen zeigen die versteckten Kosten der Industrie, die Zerstörung der Natur durch die Suche nach Rohstoffen oder die Produktion von Industrie- und Massengütern. Fair hat alle Kontinente bereist. Schwerpunkt der in Bochum präsentierten Fotografien sind Motive aus den USA und aus Nordrhein-Westfalen. 


LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten

Raubbau - Rohstoffgewinnung weltweit (5. Mai bis 15. Dezember 2019)

Die Zeche Nachtigall in Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis) beleuchtet den Raubbau bei der Rohstoffgewinnung (5.5. - 15.12.2019). Kobalt, Coltan, Lithium, Mangan, Kupfer - ohne sie gibt es weder Smartphones noch Elektroautos, Stahl oder Stromkabel. Viele der mineralischen Rohstoffe stammen aus unkontrolliertem Kleinbergbau. Weltweit arbeiten über 80 Millionen Menschen dort unter oft katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen. Bilder und Berichte veranschaulichen die aktuelle Situation. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung Alternativen zum Raubbau auf. 
Die Ausstellung ist Teil des Verbundprojekts „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“.