Bergiusstraße

Bis 1820 bildete die "Landwehr", d.h. die Gemeindegrenze mit Viehdrift, im Verlauf der gleichnamigen heutigen Straße die östliche Begrenzung der Neustadt "Auf dem Hustenkamp". Aber die Bevölkerung wuchs und 1840 wurde durch die Regierung in Düsseldorf ein Erweiterungsplan des Communalbeimeisters Wilhelm Dahmen aus Mülheim an der Ruhr genehmigt, die dritte Ruhrorter Stadterweiterung begann. Der Plan sah vor, den Zwickel im Stadtplan zwischen Landwehrstraße und Hafenstraße, die damals an den 1820-25 erbauten Inselhafen angrenzte und mit Lagerplätzen besetzt war, in das rechtwinklige Straßengefüge einzubeziehen. So entstanden Karlstraße und Luisenstraße und als nördliche Querung die Schulstraße, heute Bergiusstraße, benannt nach einem Ruhrorter Bürgermeister. Hier fuhr schon vor 1900 die Straßenbahn von Duisburg nach Meiderich. Das uneinheitliche Straßenbild wird u.a. durch Wohn- und Geschäftshäuser der 1950er Jahre bestimmt. Eingangs ab der Ecke Hafenstraße sind vier herrschaftliche Gründerzeithäuser erhalten, die noch heute den großbürgerlichen Lebensstil der damaligen Zeit dokumentieren.

In diesem Neubaugebiet wurden auch die inzwischen notwendigen Schulbauten angesiedelt. Schon 1858 erfolgte die Grundsteinlegung für eine drei Jahre zuvor gegründete Realschule, finanziert durch Franz und Friederike Haniel aus Anlass ihrer goldenen Hochzeit. Die Pläne kamen aus Berlin von dem Schinkelschüler Max Nohl, der auch die Christuskirche in Oberhausen entworfen hat. Kennzeichnend für die Zeit ist die kompakte Bauweise in Ziegeln mit neogotischen Treppengiebeln an allen vier Seiten. Die Aula an der Hofseite zeigt fünf gusseiserne Maßwerkfenster. 1875 kam als reiner klassizistischer Bau auf dem Schulhof eine großzügige Turnhalle hinzu. Schüler gehen hier nicht mehr ein und aus, in die Turnhalle ist das Radiomuseum Duisburg eingezogen. (Fon 02 03 | 500 87 55, Öffnungszeiten: Di, So 11.00 - 14.00 Uhr, Do 11.00 - 18.00 Uhr, www.radiomuseum-duisburg.de)

Die heutige Gesamtschule Käthe Kollwitz entstand 1907 an der Ecke Karlstraße für die städtische höhere Mädchenschule, die aus einem bereits 1848 begründeten privaten Lehrinstitut für Mädchen hervorgegangen war. Erste Namensgeberin war die deutsche Kaiserin Auguste-Viktoria. Als Baumeister wurde der Ruhrorter Stadtbaurat August Jording tätig. Wie Max Nohl für die Realschule wendete er Formen der Gotik an, aber in ganz anderer, an süddeutschen Beispielen orientierter Weise. Der dreigeschossige Bau ist ungleich größer als die Realschule und mit bossierten Sandsteinquadern verkleidet, die Hofseiten sind verputzt. Die städtebaulich markante Ecke krönt ein Uhrturm, wie man ihn von Stadttoren kennt. Der Haupteingang in diesen Turm ist heute vermauert, aber noch sichtbar. Dahinter folgt ein prächtiges Treppenhaus mit gußeisernen Geländern, der Jugendstilbrunnen, den es hier mal gab, existiert aber nicht mehr. Die Flure mit ihren Kreuzgewölben erinnern an Klosterschulen. 

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Kontakt & Infos

Dritte Stadterweiterung, Schulen
Bergiusstraße
47119 Duisburg-Ruhrort

ÖPNV

Von Duisburg Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 901 bis "Karlstraße", von Oberhausen Hbf mit RegionalBahn RB36 bis "Duisburg-Ruhrort", dann ca. 10 Minuten Fußweg