Fürst-Bismarck-Straße

Fürst-Bismarck-Straße. Foto: RIK/ R. Budde
Fürst-Bismarck-Straße. Foto: RIK/ R. Budde

Die heutige Fürst-Bismarck-Straße ist die jüngste der Straßen im Ruhrorter Stadtgebiet, denn mit ihrer Aufschüttung wurde, noch unter dem Namen Bassinstraße wegen des nahen Hafenbeckens, erst 1890 begonnen, als der Karlsplatz schon fertig war. Das gesamte Stadterweiterungsgebiet nördlich des alten Ruhrarmes, der "Woy", lag niedriger als heute und war häufigen Hochwassern ausgesetzt. Das Material für die Baulandgewinnung und die Straßen bot der Hafenausbau, der 1820-25 einsetzte und 1872-90 mit dem Bau des – heute wieder zugeschütteten – Kaiserhafens einen ersten Höhepunkt erreicht hatte. Unter manchen Kellern findet sich heute außerdem Asche und Müll, dessen "Entsorgung" auf diese Weise allerdings bald verboten wurde.

Das umfangreichste Gebäude ist das von der Caritas geführte Schifferkinderheim "Nikolausburg". Architektonisch wie in seiner Funktion hat es für Ruhrort eine besondere Bedeutung. Bereits seit 1900 betrieb die evangelische Kirche in der nahen Schifferheimstraße ein Heim für die Kinder der Schiffer, die häufig keinen festen Wohnsitz an Land hatten, mit angeschlossener Schule. Demgegenüber sollte die Einrichtung, die die katholische Kirche 1923 bei den renommierten Duisburger Architekten Gustav von Cube & Arthur Buchloh in Auftrag gab, ungleich größer und moderner werden. In den Bauplänen ist nicht nur eine Aula und eine zweigeschossige Kapelle mit Empore vorgesehen, die beide ausgeführt wurden, sondern auch eine Schwimmhalle für Knaben, Spielzimmer, Werkstätten, Bäckerei und medizinische Abteilung. Den geräumigen Schlafsälen waren jeweils Bäder angegliedert. 1927 wurde das Haus eingeweiht, aber nie bis in die Details fertig gebaut. Schon ein Jahr später musste man den linken Flügel an die benachbarte Industrie- und Handelskammer vermieten, weil der Kirche im Vorfeld der Weltwirtschaftskrise die Mittel ausgingen; natürlich fielen auch das Schwimmbecken u.a. Sondereinbauten dem Rotstift zum Opfer. Das vielgliedrige Gebäude, das an der Fürst-Bismarck-Straße einen von drei Flügeln eingefassten Hof bildet, repräsentiert in seinen Bauformen und Ornamenten den sog. Backsteinexpressionismus, vergleichbar den Gebäuden der Gutehoffnungshütte Oberhausen von Peter Behrens, der Verwaltung des Ruhrsiedlungsverbandes in Essen von Alfred Fischer oder dem Ruhrorter Tausendfensterhaus von Heinrich Blecken, die alle im gleichen Jahrzehnt errichtet wurden. Die Kapelle mit ihrem polygonalen Chor und einem Treppengiebel darüber bestimmt die Ansicht von der Homberger Straße, der hohe Turm daneben mit Laterne und Ausguck bildete ursprünglich den städtebaulichen Akzent am Ende der Straße in Richtung Homberg. Heute ist die Wirkung des Ensembles durch einen anschließenden modernen Wohnblock gestört. Das Kinderheim besteht nach wie vor, allerdings in einer den heutigen Maßstäben angepassten Einrichtung mit eigenständigen kleinen Wohneinheiten, die den Kindern eine Art Ersatzfamilie bieten. Unterrichtsräume gibt es im Haus nicht mehr, Kinder und Jugendliche besuchen externe Schulen.

Das westliche Ende der Straße bildet das ehemalige Kreishaus. Es wurde 1889 wie das Verlagsgebäude am Karlsplatz von der Ruhrorter Bauunternehmung Meyer geplant und blickte mit seiner Fassade und einem repräsentativen Balkon im Obergeschoss damals zur Ruhrmündung und hinüber nach Homberg, heute auf die Straßenböschung. Unten befanden sich die Geschäftsräume, oben die Wohnung des Vorstandes. Zehn Jahre später kam entlang der Fürst-Bismarck-Straße ein Anbau für Büroräume hinzu und 1912 ging das ganze Gebäude an die Industrie- und Handelskammer über. Heute ist das Haus modern erweitert für die Bedürfnisse eines Altenwohnheims. 

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Kontakt & Infos

Schifferkinderheim "Nikolausburg", ehem. Kreishaus
Fürst-Bismarck-Straße 42
47119 Duisburg-Ruhrort

ÖPNV

Von Duisburg Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 901 bis "Friedrichsplatz".
Von Oberhausen Hbf mit RegionalBahn RB36 bis "Duisburg-Ruhrort", dann 5 Minuten Fußweg