Neumarkt

Neumarkt. Foto: RIK/ R. Budde
Neumarkt. Foto: RIK/ R. Budde

Zwischen den großen Gartengrundstücken an der Hafenstraße und der nördlich verlaufenden Furt eines alten Ruhrarmes. Um für die aufstrebende Gemeinde Neubürger anzuwerben, plante die Kammer in Kleve 1782 auf diesem Areal eine nach barockem Muster regelmäßig angelegte Neustadt. So entstand die zweite Stadterweiterung "Auf dem Hustenkamp".

Das Zentrum bildet der langgestreckte, rechteckige Neumarkt mit einer Ausdehnung von 360 preußischen Quadratruten. Der Neumarkt sollte das Zentrum des öffentlichen Lebens in Ruhrort werden. Dafür waren an den Kopfseiten im Westen eine Kirche und gegenüber im Osten ein kleines Rathaus geplant. Beides wurde nicht ausgeführt, denn die Entwicklung Ruhrorts ging, bedingt durch die napoleonischen Kriege und mehrfache Flutkatastrophen, nur sehr schleppend voran und der Neumarkt blieb noch lange ein unbefestigter Morast. Exakt an der Stelle des im Hoffele-Plan eingezeichneten Rathauses stand seit 1890 eine Bedürfnisanstalt, in der 1907, als der elektrische Strom in Ruhrort Einzug hielt, ein Trafohäuschen installiert wurde; beides ersetzt seit 1924 der heutige Neubau. In der Platzmitte war 1871 nach dem Sieg über die Franzosen ein Kriegerdenkmal mit Viktoria und Siegerkranz errichtet worden, die 1903 durch eine streitbare Germania mit Schwert ersetzt wurde; während des zweiten Weltkriegs 1941 ging dieses Denkmal wie zahlreiche andere in die Metallschmelze.

An der Stelle der Kirche im Hoffele-Plan entstand 1942 ein Hochbunker. Der Bunkerbau entsprach dem Führer-Sofortprogramm für den zivilen Luftschutz von 1940 und wurde verantwortlich von den Städten ausgeführt. Duisburg als industrieller Ballungsraum handelte vorbildlich und errichtete mehrere Hochbunker, die sich wie zivile Gebäude in das Stadtbild einfügten. Nach dem Krieg wurden in die dicken Betonmauern Fenster eingebrochen und die bestehenden Zimmer zu 13 Zweizimmerwohnungen mit Gas- und Wasseranschluss umgebaut. Heute unterhält das Christopheruswerk hier geräumige – und optimal schallgeschützte! – Werkstätten für Beschäftigungstherapie. Eine Trinkhalle, die auch in der Hafenstadt Ruhrort unverzichtbar zum öffentlichen Leben gehört, war ursprünglich dem Bunker angegliedert; an ihrer Stelle gibt es seit 1950 gegenüber an der Bedürfnisanstalt einen Trinkhallenvorbau.

Um das Jahr 1912 muss der Neumarkt ein ganz anderes Bild als heute geboten haben, denn damals hatten sich an drei Ecken des Platzes mehrgeschossige Kaufhäuser mit großen Schaufenstern und prächtigen Fassaden etabliert; das modernste an der Ecke zur Harmoniestraße war in den 1920er Jahren umgebaut worden und gehörte noch lange zur Karstadt-Gruppe. Sie alle spiegelten den Wohlstand im damaligen, dicht bevölkerten Ruhrort dank Hafengewerbe und Hüttenwerken im nahen Laar. Alle drei Gebäude stehen z.T. stark verändert noch, aber die Kaufhäuser selbst sind verschwunden. 

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Kontakt & Infos

Zweite Stadterweiterung "Auf dem Hustenkamp", Bunker, ehem. Kaufhäuser
Neumarkt
47119 Duisburg-Ruhrort

ÖPNV

Von Duisburg Hbf (U-Stadtbahn-Ebene) mit Straßenbahn 901 bis "Friedrichsplatz", dann ca. 5 Minuten Fußweg. Von Oberhausen Hbf mit RegionalBahn RB 36 bis "Duisburg-Ruhrort", dann ca. 10 Minuten Fußweg