Werhahnmühle

Wehrhahnmühle. Foto: RIK/ R. Budde
Wehrhahnmühle. Foto: RIK/ R. Budde

Schlechte Ernten und Transport- schwierigkeiten führten im 19. Jahrhundert immer wieder zu Versorgungsengpässen mit Brot im bevölkerungsreichen Ruhrgebiet. Ab 1860 konnte in den Duisburger Innenhafen das ganze Jahr über aus allen wichtigen Getreide- exportländern der Welt Brotgetreide eingeführt werden. So entwickelte sich hier die größte Mühlenindustrie Westdeutschlands, der "Brotkorb des Reviers". 1913 betrug der Getreide- umschlag mit 1 Mio Tonnen ein Drittel der deutschen Einfuhren über den Rhein. In der Getreidebörse an der Börsenstraße wurden nach dem Vorbild der Ruhrorter Schifferbörse Preise und Frachten verhandelt. Staubexplosionen führten nicht selten zu Bränden in den Speichern, so auch am 29.12.1929, als die Fa. Koch & Co. nahe dem Schwanentor niederbrannte und die Flammen die Innenstadt bedrohten.

Die Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Mühlenwerke Cohen gingen 1936 von den jüdischen Besitzern an die Familie Werhahn über, die bereits seit 1925 mit 25 % am Unternehmen beteiligt war. Der Betrieb am Innenhafen wurde 1969 eingestellt, aber bis 1994 lagerten in den Silos noch staatliche Getreidereserven. Der Komplex der Werhahn-Mühle zu beiden Seiten der Speichergracht dokumentiert sechzig Jahre Hafenentwicklung. Die zwei ältesten Getreidespeicher am Hafen rahmen ihn ein: den östlichen ließen die Gebr. Cohen 1896 errichten, den westlichen Ostwald & Levy 1899. Die schlichten Ziegelbauten unter Satteldach mit regelmäßiger Wandgliederung sind innen mit einem Holzständerwerk und teilweise gußeisernen Stützen ausgebaut. Das Getreide lagerte in Säcken oder lose auf dem Dielenboden. An den westlichen Speicher wurde 1959 ein Mehlsilo angebaut, der jüngste Bau des Ganzen. Dieser mit Ziegeln verkleidete Betonsilo hat einen siebengeschossigen Anbau, der die Transport- anlagen mit ihren Sackrutschen enthielt, der Turm dazwischen bietet eine tolle Aussicht. Speicher und Silo fasste der Architekt Wolfgang Felder zu einem Ensemble zusammen. Dafür wurde der Silo entkernt und mit einer neuen Glasfassade nach Westen wiedererrichtet.

Jenseits der Speichergracht steht das eigentliche Mühlengebäude, das nach einem Brand 1924 in Eisenbetonskelettbauweise neu errichtet wurde. Die Betonfassade mit ihren Wandvorlagen und der Giebelreihe zeugt als moderner Industriebau von der damaligen Großmüllerei mit Batterien von Walzenmahlstühlen. Werkstatt, Kesselhaus und Schornstein kamen 1934 bzw. 1938 hinzu, ebenfalls 1938 der elfgeschossige Betonsilo mit glatter Ziegelverkleidung für 12.000 t Getreide zwischen der Mühle und dem alten Speicher. Der Umbau dieser Bauteile zu Büroetagen durch die Architekten Kurscheid und Partner aus Münster schonte den Originalbestand. Hier wurden die Silokammern für die Zwischendecken quer aufgeschnitten, Reste der Betonkammern bilden jetzt Zwischenstützen in den Etagen. In die Erdgeschossräume sowie den alten Sackspeicher zog Gastronomie ein. Außenterrassen gibt es an der Gracht und auf einem Ponton über dem Wasser.

In der Wehrhahnmühle ist heute das Explorado, ein Mitmachmuseum für 4-12jährige, das größte Kindermuseum Deutschlands, untergebracht. Herz des Hauses ist unsere große Mitmachausstellung auf drei Etagen, in denen Kinder spielerisch faszinierende Phänomene unseres Alltags erforschen können.

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Kontakt & Infos

Explorado Kindermuseum
Philosophenweg 23-25
47051 Duisburg
Telefon: +49 (0) 203 / 2982334-0

Öffnungszeiten

Außerhalb der Schulferien NRW:
Di-Fr. 9-18 Uhr,
Sa, So Feiertage: 10.00–19.00 Uhr

ÖPNV

Von Duisburg Hbf (Osteingang) mit Bus 934 bis "Hansegracht" 

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