Arbeitersiedlung Hegemannshof/Meerbruchstraße

Arbeitersiedlung Hegemannshof. Foto: RIK/ Guntram Walter
Arbeitersiedlung Hegemannshof. Foto: RIK/ Guntram Walter

An der schnurgeraden Meerbruchstraße reihen sich gleichförmig rechts und links eingeschossige Wohnhäuser aus rotem Backstein auf – vor uns liegt der nördlichste Straßenzug der ehemaligen Arbeitersiedlung Hegemanns- hof. Nach dem Bau der Zollvereinstraße in den 1970er Jahren ist der räumliche Zusammenhang der Siedlung empfindlich gestört und auf den ersten Blick nicht mehr erkennbar.

Mit dem Hegemannshof begann der Siedlungsbau für die Zollverein-Belegschaft. Der Name erinnert an den ehemaligen Hof, den Franz Haniel 1856 zusammen mit einem 185,5 Morgen großen Gelände gekauft hatte, um Wohnungen für seine stetig wachsende Belegschaft zu errichten. Weit ab von der ersten Schachtanlage 1/2 entstanden im nördlichen Bereich der heutigen Viktoriastraße die ersten Bauten. 1860 waren sie bezugsfertig. Es bleibt im Dunklen, wo bis dahin die Bergarbeiter gelebt hatten, schließlich lag das Abteufen des ersten Schachtes bereits Jahre zurück und Kohle wurde schon seit 1851 gefördert.

Straßenzug um Straßenzug der ersten Zollverein Siedlung entstand, 90 ha waren schließlich bebaut. Aber der Wohnungsbau konnte nicht Schritt halten mit der zunehmenden Zahl von Menschen, die auf Zollverein Arbeit fanden und für sich und ihre Familien eine Unterkunft suchten. Wer in eine der neuen Wohnungen einziehen konnte, hatte Glück gehabt. 

Arbeitersiedlung Hegemannshof. Foto: RIK/ Guntram Walter
Arbeitersiedlung Hegemannshof. Foto: RIK/ Guntram Walter

Die zwischen 1890 und 1895 gebauten Häuser in der Meerbruchstraße sind kaum verändert, so dass sie heute noch den besten Eindruck von dem Charakter der Siedlung vermitteln. Vier Familien lebten unter einem Dach. Jede bewohnte ein Viertel des Hauses, verteilt auf Erd- und ein ausgebauten Dach-, ein so genanntes Mezzaningeschoss, und jede hatte einen separaten Eingang. Dieser Typ des Vierfach- hauses mit Kreuzgrundriss war um die Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt worden und in den Bauabteilungen der Unternehmen beliebt. Zum einen wegen seiner kostengünstigen Errichtung, zum anderen verband man verschiedene Vorteile mit dieser Bauweise: Durch die getrennten Eingänge sollten Konflikte zwischen den Mietparteien vermieden werden und in der Verteilung des Wohnraums auf zwei Geschosse sah man Vorzüge für das Familienleben. Während Frau und Kinder in der Wohnküche ihrem Treiben nachgingen, konnte der Schicht arbeitende Bergmann weitgehend ungestört in einem der beiden oberen Schlafzimmer seine wohl verdiente "Nacht"-Ruhe finden. Etwa 60 qm standen jeder Familie mit ihrer Kinderschar zur Verfügung. Jeder Winkel war ausgenutzt und häufig fand auch noch ein so genannter Kostgänger, ein unverheirateter Bergmann, einen Schlafplatz – seine Miete war ein kleiner Zuverdienst. Jede Familie konnte in einem etwa 620 qm großen Garten hinter dem Haus Obst und Gemüse anbauen. Außerdem hielten sich die Bergarbeiterfamilien in den rückwärtigen Ställen ein Schwein.

Heute leben viele türkischstämmige Menschen in den ehemaligen Zollverein-Häusern. Viele von ihnen waren hierher gezogen, um auf der Kokerei Zollverein zu arbeiten.  

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Kontakt & Infos

Arbeitersiedlung Hegemannshof
Meerbruchstraße
45327 Essen-Katernberg

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 107 bis "Nienhuser Busch", dann ca. 6 Minuten Fußweg.

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