Köln-Mindener Eisenbahn und Werksbahn Zollverein

Köln-Mindener Eisenbahn und Werksbahn Zollverein. Foto: RIK/ R. Budde
Köln-Mindener Eisenbahn und Werksbahn Zollverein. Foto: RIK/ R. Budde

Wer heute mit dem Rhein-Emscher-Express, der Regional-Express-Linie RE 3, von Düsseldorf nach Hamm unterwegs ist, reist auf den Spuren der ehemaligen Köln-Mindener Eisenbahn (KME), der ersten Eisenbahnstrecke im Ruhrgebiet. 

Als Kaufmann, aber auch Mitbesitzer einer Hütte war Franz Haniel sich darüber im Klaren gewesen, dass ohne geeignete Transportmittel weder ein erfolgreicher Handel noch ein Industrieunternehmen zu betreiben war. Die Zukunft lag auf der Schiene. Eine ausgebautes Eisenbahnnetz sollte für einen schnellen Transport von Rohstoffen und fertigen Produkten sorgen. Nicht umsonst hatte Haniel abgewartet, für welchen Streckenverlauf sich die Köln-Mindener Eisenbahn Gesellschaft entscheiden würde, bevor er seine ersten Zollverein-Schächte abteufte.

Die KME beschloss, die Strecke über Oberhausen, Altenessen, Gelsenkirchen, Herne und Dortmund nach Hamm zu führen und nicht in der Nähe der damaligen Kohlegruben am nördlichen Ufer der Ruhr, weil dort die Landschaft zu hügelig war. Kostengünstiger und auch einfacher ließ sich die Trasse in der Emscherniederung bauen. Am 15. Mai 1847 konnte die KME die Strecke in Betrieb nehmen und kein halbes Jahr später konnte man dann durchgehend vom Rhein zur Weser reisen.

Aber der Personenverkehr sollte bald nur eine untergeordnete Rolle spielen. Viel bedeutender wurde die Eisenbahn für den Güterverkehr. Ohne sie ist der Aufbau der Ruhrgebiets-Industrie kaum denkbar. In nur einem knappen Jahrzehnt, zwischen 1849 und 1858 hatte sich der Güterverkehr von 300.000 Tonnen auf 2,5 Mio Tonnen verachtfacht und mehr als die Hälfte davon waren Kohle und Koks. Nach jahrzehntlangem Kohlenabbau bereiteten die Bergsenkungen der Eisenbahn allerdings Probleme. Denn am Rande von Senkungen bildeten sich neue Steigungen und die schweren Güterzüge kamen in Schwierigkeiten. Um Niveauunterschiede auszugleichen, verlegte man in den 1960er Jahren Streckenabschnitte der ehemaligen KME auf erhöhte Bahndämme.

Der Güterverkehr beschränkte sich nicht allein auf die Strecken der Eisenbahngesellschaften, von denen die KME nur eine war. Zwischen den Industriebetrieben, Zechen, Kokereien, Werken der Stahl- und Chemieindustrie entstanden betriebseigene Werksbahnen. Auch die Zollverein-Schachtanlagen waren in solch ein Netz eingebunden. 1878/80 wurde eine Verbindung von der Schachtanlage 3/7/10 und 1891 von 4/5/11 zur Schachtanlage 1/2/8 gebaut. Die Schachtanlage 6/9 war zunächst mit einer Seilbahn mit der Gründungsanlage verbunden und erhielt 1913/14 einen Gleisanschluss. In den 1920er Jahren baute man die Werksbahn mit einer Verbindung zum Hafen Nordstern am Rhein-Herne-Kanal aus.

In Folge des Strukturwandels ist der größte Teil der Werksbahnen stillgelegt worden. Viele der Trassen wurden vom Regionalverband Ruhr als Radwege ausgebaut und sind eingebunden in ein 700 km langes regionales Radwegnetz durch das Revier. Auf der "Route der Industriekultur per Rad" lässt sich das Ruhrgebiet aus vielfach unbekannter Perspektive erkunden.  

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Kontakt & Infos

Köln-Mindener-Eisenbahn
Köln-Mindener-Straße
45327 Essen-Katernberg

ÖPNV

Von Essen Hbf  mit UBahn U11 bis "n Altenessen Bf", dann mit Bus 183 bis "Köln-Mindener-Str."