Welterbe Zollverein - Kokerei Zollverein

Kokerei Zollverein. Foto: RIK/ Guntram Walter
Kokerei Zollverein. Foto: RIK/ Guntram Walter

Die Kokerei Zollverein entstand in den Jahren 1957-61 in räumlich-funktionaler Anbindung an den Schacht XII der Zeche Zollverein. Fritz Schupp, der schon 1928 mit Zollverein Schacht XII ein Meisterstück der Industriearchitektur entworfen hatte, übernahm auch die architektonische Gestaltung der neuen Kokerei, die in ihrer Größe mit den 6,0 m hohen Koksöfen ungewöhnlich war. Mit seiner über 40jährigen Erfahrung konnte Schupp Form und Funktion der Kokerei zu einer beeindruckenden Einheit verbinden. Die Grundordnung der Kokerei orientiert sich an der Ausrichtung der Gleise der Köln-Mindener Eisenbahnstrecke. Koksofenbatterien und dahinter im Süden die Erschließungsstraßen für die Gebäude zur Gewinnung der Nebenprodukte, der sog. "weißen Seite", sind parallel angeordnet.
1964 erreichte die Kokerei erstmals ihre Höchstkapazität und produzierte 5000 Tonnen Koks pro Tag. 1971 erfolgte eine Erweiterung auf insgesamt 304 Koksöfen, die sich über eine Gesamtlänge von rund 650 Metern erstrecken. Vom Radweg auf der heutigen "Ringpromenade" kann man die Ausdrückseite der Koksöfen deutlich sehen.
Auf der Kokerei arbeiteten rund 1000 Menschen. Jeden Tag konnten 10.700 t Kohlen zu 8.000 t Koks umgewandelt werden. Dabei erzeugten die Koksöfen 3.000.000 m³ Gas. Etwa 20% der Investitionssumme für den Bau der Kokerei wurde für Umweltschutzmaßnahmen eingesetzt. 

Da die Koksnachfrage in Folge der großen Stahlkrisen stetig sank,  wurde die Kokerei als letzter großer Bergbaubetrieb auf Zollverein am 30.6.1993 stillgelegt. 1998 nam die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur die Kokerei Zollverein in ihre Obhut; seit Ende 2010 ist die Stiftung Zollverein neben der Zeche auch für die Kokerei verantwortlich.

1999 rückte die ehemalige Industrieanlage  mit der Ausstellung "Sonne, Mond und Sterne - Zur Kulturgeschichte der Energie" erstmals in das Bewusstsein einer großen Öffentlichkeit. Hierfür wurde in die Koksofenbatterie 9 ein "Sonnenrad" eingebaut.  Im Sommer wird das "Werksschwimmbad"  der Frankfurter Künstler Dirk Paschke und Daniel Milohnic besonders von Kindern und Jugendlichen aus den umliegenden Stadtteilen gern genutzt. Im Winter ist die Eislaufbahn auf einem 150 m langen Teilstück der Druckmaschinenbahn eine seit Jahren sehr beliebte Attraktion.
Die erste dauerhafte Nutzung der Kokerei durch Kust erfuhr das ehemalige Salzlager im Jahre 2001. Es wurde zur Ausstellungshalle für den "Palast der Projekte" umgebaut, eine Rauminstallation des russisch-amerikanischen Künstlerpaars Ilya und Emilia Kabakov. Eindrucksvoll ist auch die Lichtinszenierung der Londoner Künstler Speirs & Major, die Bereiche der Koksproduktion in rotes und blaues Licht taucht.  

Der Erhalt der industriellen Kulturlandschaft Zollverein als Gesamtensemble führte schließlich 2001 zusammen mit den benachbarten Zechenstandorten Schacht 1/2/8 und XII zur Eintragung der Kokerei in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. 

Die weitere Ansiedlung von Dienstleistungen, Kunst und Kultur, Gewerbe und Kreativwirtschaft auf der "weißen Seite" der Kokerei ist gemeinsames Ziel der Stiftung Zollverein und der RAG Montan Immobilien, die hier im März 2012 auch ihre neue Unternehmenszentrale eröffnet hat.

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Kontakt & Infos

Welterbe Zollverein
Infopunkt Kokerei

Parkplatz P C
Arendahls Wiese
45141 Essen
Telefon: +49 (0) 201 / 24681-0

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 107 bis „Ernestinenstraße“, dann mit Bus 183 bis „Kokerei Zollverein“ oder von Essen Hbf oder Gelsenkirchen Hbf mit Straßenbahn 107 bis "Zollverein" , dann ca. 5 Min. Fußweg