Konsumanstalt

Konsumanstalt
Konsumanstalt

Über die letzten 150 Jahre ist der Essener Norden rund um die Zollverein-Schachtanlagen zu einem städtischen Agglomerat zusammen- gewachsen. Wer heute auf den Spuren der Vergangen- heit durch den Stadtteil unterwegs ist, sollte sich zurückversetzen in die Zeit des 19. Jahrhunderts: Die Schachtanlagen entstanden gewisser- maßen auf der "grünen Wiese" und mit ihnen die Arbeitersiedlungen. Diese lagen für sich, weit entfernt von einer auch nur annähernd städtischen Infrastruktur. Dies lässt verständlich werden, warum die Siedlungen auch als "Kolonien" bezeichnet wurden. Die Menschen in den Siedlungen mussten versorgt werden. Mit der Schaffung von Wohnraum allein war es nicht getan.

Wie viele Unternehmer im Ruhrgebiet ließ auch Franz Haniel so genannte Konsumanstalten gründen. Sie boten den Menschen überhaupt erst die Möglichkeit, sich mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen. Darüber hinaus war es Ziel der sozialen Unternehmenspolitik, der Belegschaft günstige, dem geringen Einkommen entsprechende Waren anzubieten. Die Zollvereiner hatten den Vorteil, dass sie am Umsatz der Konsum- anstalten beteiligt waren. Die aus dem Verkauf erzielten Gewinne wurden am Schluss des Geschäftsjahres in Form einer Dividende an die Käufer verteilt. Mit diesem System, dass die Käufer von ihrem Einkauf profitierten, wurden sie gleichzeitig an die Zollverein-Konsumanstalten gebunden. Viele Bergarbeiterfamilien haben die Vorteile genutzt, 1928 waren mindestens 5.000 Werksangehörige an den Konsumanstalten beteiligt.

1895 existierten bereits drei solcher Läden, bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich die Zahl verdoppelt. Wie auch hier bei der Schachtanlage 4/5/11 lagen die Konsumanstalten in Nähe der Werkstore. Wenn Zahltag war, holten viele Bergarbeiterfrauen ihre Männer am Werkstor ab und nahmen die Lohntüte in Empfang. Bis in die 1960er Jahre erhielten die Bergarbeiter ihren Lohn in bar ausgezahlt. Dann konnte der Wocheneinkauf beginnen. Und nicht selten musste zunächst "Angeschriebenes" beglichen werden, denn oft reichte das Geld hinten und vorne nicht. 

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Kontakt & Infos

Konsumanstalt
Joseph-Oertgen-Weg 90
45327 Essen-Katernberg

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 107 bis "Hanielstr.", dann ca. 4 Minuten Fußweg.