Zeche Zollverein Schacht 3/7/10

Die Zollverein Schachtanlage 3/7/10. Foto: Michael Gohl

Auf einer ebenen Hügelkuppe platziert, ist das restaurierte Fördergerüst über Schacht 10 weithin sichtbar und hält die Erinnerung an Schonnebecks bergbauliche Vergangenheit wach. Sie begann, als sich die untertägigen Abbaubetriebe der Gründungsschachtanlage immer weiter von den beiden Schächten 1 und 2 entfernten. Für die Bergleute bedeutete das, dass sie unter Tage immer weitere Wege zurücklegen mussten, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, und das hieß auch, dass die Förderwege der Kohle länger geworden waren. Gleichzeitig verstärkten sich die Probleme bei der Versorgung mit frischer Luft, Wetter, wie der Bergmann sagt. Ein neuer Schacht im östlichen Grubenfeld, in Schonnebeck, sollte die Probleme lösen.

Wie schon 1847 hatte man zunächst nur einen Schacht geplant, dessen Abteufarbeiten 1880 begannen. Aber die schwierigen Wetterverhältnisse hatte man damit nicht beseitigen können, so dass einige Jahre später der Ausbau zur Doppelschachtanlage erfolgte. Der mit der Planung beauftragte Ingenieur Dreyer entwarf eine klar und übersichtlich gegliederte Schachtanlage. Auf eine besondere architektonische Formensprache verzichtete man und errichtete schlichte, funktionale Bauten. Auch diesmal richtete sich die Standortwahl nach dem Streckenverlauf der Köln-Mindener Eisenbahn. Direkt neben den Gleisanlagen ordnete Dreyer in einer Zeile Schachthalle mit Fördergerüst und Kaue an und gegenüber Werkstätten, Büro und Magazin, Doppelmaschinenförderhaus, Kesselhaus und einen Stall für 40 Pferde. Dazwischen entstand ein breiter Zechenplatz. Diese Struktur wurde beibehalten, als Ende des 19. Jahrhunderts der Wetterschacht 7 (1897-99) und kurz vor dem Ersten Weltkrieg Schacht 10 (1911-13) dazukamen und westlich, bzw. östlich von Schacht 3 abgeteuft wurden, so dass alle auf einer Linie lagen. Eine dritte Zeile entstand jenseits der Bahn, als die Anlage mit Schacht 10 auch eine Kohlenwäsche und Kokerei erhielt.

Kaum war die neue Schachtanlage 1882 in Betrieb, überholte sie bereits mit ihrer jährlichen Fördermenge die Gründungsschächte und trug nicht unerheblich dazu bei, dass Zollverein sich zu einem der größten und bedeutendsten Bergwerke der Region entwickelte. 1890 konnten erstmals über 1 Mio. Tonnen Kohle gefördert werden, 20 Jahre später näherte sich die Zahl der 2 Mio. Neben den Zechen Gewerkschaft Deutscher Kaiser, ab 1901 die größte, und Rheinpreußen nahm Zollverein im Rheinland eine der Spitzenpositionen ein. Nach der Inbetriebnahme des Zentralschachtes XII 1932 nutzten die Bergleute weiterhin Zollverein 3/7/10 zur Anfahrt. Zahlreiche Übertagebauten wurden abgerissen.

Sehenswert ist heute das Fördergerüst über Schacht 10, ein eingeschossiges deutsches Strebengerüst (Bauart Promnitz) in genieteter Fachwerkbauweise mit vier nebeneinander angeordneten Seilscheiben für Doppelförderung. Geliefert hatte es 1913 die Gutehoffnungshütte aus Oberhausen. Die zugehörige Schachthalle ist nicht erhalten. Erhalten geblieben ist dagegen das ehemalige Fördermaschinen- und Umformergebäude, ein Entwurf von dem Architekten Stolze aus den Jahren 1913/20. Pilaster, Gesimse, große Rechteck- und Segmentbogenfenster sowie Schmuckformen aus Kunststein gliedern die Fassaden der dreischiffigen Backsteinhalle, deren Giebel zur Zechenstraße gerichtet sind.

Seit 1996 beherbergen die Gebäude das Phänomania Erfahrungsfeld. Die Erlebnisausstellung ermöglicht an über 100 Versuchsstationen eine Entdeckungsreise durch die Welt der menschlichen Sinne und physikalischen Phänomene. Als so genanntes "Science Center" konzentriert sich das Phänomania Erfahrungsfeld dabei gezielt auf die interaktive Einbindung der Besucher. Der Leitgedanke "Anfassen und Ausprobieren ausdrücklich erwünscht!" ist dabei ganz im Sinne des Erfinders: 1967 konzipierte der Essener Pädagoge und Künstler Hugo Kükelhaus für die Weltausstellung in Montreal die Erlebnisausstellung „Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne“: über 30 spielerische Experimentieranordnungen, Spielgeräte im besten Sinne, die alle Sinne ansprechen sollten. Ein ganzheitliches Konzept, das über Klangschalen, Rotationsscheiben, Riechbäume, Barfußwege oder Balancegeräte funktioniert und den Besucher, insbesondere Kinder und Jugendliche, letztlich selbst zu einem „Teil“ der Ausstellung macht. Einzelne der damaligen Exponate können noch heute auf Zollverein 3/7/10 bestaunt und ausprobiert werden.

In der ehemaligen Fördermaschinenhalle findet sich darüber hinaus das "Café Zollverein"; auch hat sich die Schachtanlage in Gänze in den vergangenen Jahren als Veranstaltungsort etabliert.

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Kontakt & Infos

Zollverein Schachtanlage 3/7/10
Am Handwerkerpark
45309 Essen-Schonnebeck

Phänomania Erfahrungsfeld
Am Handwerkerpark 8-10
45309 Essen-Schonnebeck
0201 30 10 30
www.erfahrungsfeld.de

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag: 9-18 Uhr
Wochenende und Feiertage: 10-18 Uhr

www.schacht3710.de

ÖPNV

Von Essen Hbf mit Straßenbahn 107 bis "Abzweig Katernberg", dann mit Bus 348 bis "Huestraße"