Hauptbahnhof Oberhausen

Hauptbahnhof Oberhausen. Foto: RIK / R. Budde
Hauptbahnhof Oberhausen. Foto: RIK/ Guntram Walter

In der öden Sandgegend, die der Schriftsteller Levin Schücking 1856 beschrieb, hatte zehn Jahre zuvor die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft den nach Schloss Oberhausen benannten Bahnhof errichtet und damit den Anstoß zu einer stürmischen Entwicklung gegeben. Zwar lagen keine größeren Ortschaften in der Nähe der Bahnstation, wohl aber die Eisenwerke der Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen. Miteigentümer Franz Haniel hatte seinen Einfluss bei Regierung und Bahngesellschaft für die Anbindung der Lipper Heide an die Eisenbahn geltend gemacht. Auch dem Bahnunternehmen kam der Standort gelegen, da es einen Verkehrsknotenpunkt mit zusätzlichen Linien plante. Mit der Zinkhütte Altenberg, der chemischen Fabrik Hasenclever, dem Zinkwalzwerk Grillo und der Styrumer Eisenindustrie ließen sich weitere Industrieunternehmen an der Eisenbahn nieder. Gleichzeitig wurden abbauwürdige Steinkohlenvorkommen entdeckt. So wurde die Verwaltung der Zeche Concordia, auf der 1850 der erste Schacht auf dem späteren Oberhausener Stadtgebiet abgeteuft wurde, im Bahnhofsgebäude installiert.

Bis 1880 entwickelte sich Oberhausen zum wichtigsten Bahnknotenpunkt im Ruhrgebiet. In Osterfeld wurde 1891 ein großer Verschiebebahnhof angelegt. Eisenbahn und Industrie trugen aber nicht nur zum raschen Wachstum der 1862 gebildeten Gemeinde Oberhausen bei, sie erwiesen sich bei der Planung dieses Wachstums als ausgesprochen hinderlich. Das gesamte Gemeindegebiet war von Industrieflächen durchsetzt und von Bahnlinien durchschnitten. Schranken und Bahndämme behinderten den Verkehrsfluss und standen über lange Zeit jeder gezielten Stadtentwicklung entgegen.

Ein schlichter Fachwerkbau bildete das erste Stationsgebäude, das bereits 1854 einem aufwendigeren Empfangsgebäude weichen musste. 1885 - Oberhausen war inzwischen Stadt und zählte ca. 17.000 Einwohner - wurde es in einen "Vorzeigebau" im Stil der Frührenaissance umgebaut.

Als die Bahnverwaltung 1914 eine Renovierung beabsichtigte, drängte die Stadt auf einen Neubau, der einem großstädtischen Anspruch entspreche. Diesen Anspruch löste schließlich der Bau des heutigen Empfangsgebäudes ein. Es wurde 1930-34 im Stil der klassischen Moderne errichtet, angeregt vom Stuttgarter Hauptbahnhof von Paul Bonatz. Architekt war der Bahnhofsplaner der Reichsbahndirektion Essen, Reichsbahnoberrat Herrmann.

Im Rahmen der IBA Emscher Park wurde das Empfangsgebäude stilgerecht erneuert und auch der Vorplatz im Zuge der Wiedereinführung der Straßenbahn in Oberhausen attraktiv gestaltet. Der komplett erneuerte Personentunnel mit neuem Westausgang verbindet Bahnhof und Innenstadt mit dem Rheinischen Industriemuseum und dem Bürgerzentrum in der ehemaligen Zinkfabrik Altenberg, einem neuen Park-and-Ride-Parkplatz und dem Stadtteil westlich der Bahn. Ein für den Bahnbetrieb überflüssig gewordener Bahnsteig wurde zum Museumsbahnsteig des Rheinischen Industriemuseums umgestaltet, an dem typische Werksbahn-Fahrzeuge der Eisen- und Stahlindustrie ausgestellt sind. 

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