Bürohaus West

Bürohaus West. Foto: RIK/Reinhold Budde
Bürohaus West. Foto: RIK/Reinhold Budde

Die lang gestreckte Anlage mit zwei pavillonartigen Aufbauten und gestuften Dächern wurde 1916 südöstlich des heutigen S-Bahn-Haltepunkts Essen-West – damals Altendorf-Süd - als Kost- und Schlafhaus für ledige Krupp-Arbeiter gebaut. Das Gebäude umfasst vier Stockwerke und enthielt früher einen Speisesaal für 1.000 Personen, Wirtschafts-, Aufenthalts-, Wohn- und Schlafräume. Ein großer Teil des Daches war ursprünglich als Dachgarten angelegt.

Die auch als Menagen bezeichneten Kost- und Logierhäuser waren der eigentliche Ausgangspunkt des Kruppschen Arbeiterwohnungsbaus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie waren für unverheiratete Arbeiter vorgesehen, die entweder während der Arbeitswoche Unterkunft suchten oder als Zugewanderte ins Ruhrgebiet gekommen waren und noch nicht die Möglichkeit hatten, einen eigenen Hausstand zu gründen. Allerdings gab es ein strenges Reglement in den Menagen. Zum Beispiel sah die Hausordnung beim Verweis aus der Unterbringung auch einen möglichen Arbeitsplatzverlust auf der Gussstahlfabrik vor. Deshalb und weil die Häuser auch militärähnlich geführt wurden, schreckten sie zunehmend viele Arbeiter ab. Man wollte lieber, auch wenn es teurer war, in einer Familie als Schlafgänger unterkommen, als sich dem „Menagendrill“ zu unterwerfen.

Auch das erst 1916 gebaute Ledigenheim am Essener Westbahnhof fand nach dem Ersten Weltkrieg keinen großen Zuspruch mehr. Ab 1927 gab es dann aber einen neuen Nutzer für das Gebäude: Das Ruhrlandmuseum der Stadt Essen zog in das leer stehende Haus ein, allerdings nur vorübergehend, denn 1939 musste das Museum wieder ausziehen, weil die Firma Krupp die Räume wieder benötigte. Heute wird das Gebäude unter dem Namen „Weißes Haus“ von verschiedenen Dienstleistungsfirmen genutzt.

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Kontakt & Infos

Weisses Haus Essen
Martin-Luther-Str. 118-120
45144 Essen-Frohnhausen

ÖPNV

S-Bahnhof "Essen-West" 

Tipp

Die an der Martin-Luther-Straße befindliche Lutherkirche im neogotischen Stil, früher an die Kruppsche Arbeitersiedlung Kronenberg angrenzend, wurde mit Unterstützung von Alfred Krupp 1881/1882 erbaut. Die Firma stellte das Grundstück, Baumaterial und einen Betrag in Höhe von 15.000 Mark zur Verfügung. Die Kirche wurde nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg in vereinfachten Formen wiederaufgebaut. Seit 2009 wird sie nicht mehr für Gottesdienste genutzt.