Gedenktafel Humboldtstraße

Gedenktafel Humboldtstraße. Foto: RIK/Reinhold Budde
Gedenktafel Humboldtstraße. Foto: RIK / Budde

An der Einmündung Regenbogenweg befindet sich an der Humboldtstraße auf dem Bürgersteig ein Pult, das auf eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald hinweist. Von August 1944 bis März 1945 betrieb hier das „SS-Arbeitskommando Fried. Krupp, Essen“ innerhalb eines Lagers für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter ein Sonderlager für KZ-Häftlinge. In ihm waren 520 jüdische Frauen aus Ungarn untergebracht, die für das Unternehmen Krupp Zwangsarbeit verrichten mussten.

Angesichts der zunehmenden Arbeitskräfteknappheit gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, forderte die deutsche Großindustrie seit April 1944 von der SS zusätzlich KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte an. So auch die Firma Krupp, die schließlich 520 jüdische Ungarinnen für den Arbeitseinsatz zur Verfügung gestellt bekam. Sie waren in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt worden.

Die 520 Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren mussten in Zwölf-Stunden- Schichten schwere körperliche Arbeit leisten. Sie wurden im Walzwerk II, in der Laffetten- und in der Elektrodenwerkstatt der Gussstahlfabrik eingesetzt. Zwei schwere Bombenangriffe im Oktober 1944 zerstörten das Lager Humboldtstraße-Süd bis auf die Grundmauern und verschärften die Lebenssituation der Frauen in dramatischer Weise: In dem Trümmerprovisorium gab es keine Waschgelegenheiten mehr, der Ausfall der Straßenbahn zwang die Frauen zu 45-minütigen Fußmärschen zu ihrem Arbeitsplatz. Nach weiteren Bombenangriffen wurde das Lager schließlich im März 1945 aufgelöst. Sechs Ungarinnen tauchten in den letzten Wochen des Krieges in Essen unter, um sich mit Hilfe befreundeter deutscher Familien, darunter auch einige Krupp-Mitarbeiter, über das Kriegsende zu retten. Die anderen wurden von der SS am 25. März in das KZ Bergen-Belsen bei Celle verbracht, wo sie am 15. April von britischen Truppen befreit wurden. Die meisten ungarischen Jüdinnen überlebten das Kriegsende.

1959 meldeten sich etwa 400 Ungarinnen beim jüdischen Interessenverband „Jewish Claim Conference“, um eine Entschädigung zu erhalten. Die Firma Krupp hatte sich nach langwierigen Verhandlungen bereit erklärt, zehn Millionen DM an jüdische Zwangsarbeiter auszuzahlen, was auf etwa 5.000 DM Wiedergutmachung für jeden Betroffenen hinauslief.

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Kontakt & Infos

Gedenktafel Humboldtstraße
Humboldtstraße
45149 Essen-Haarzopf

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Von Essen Hbf mit U-Stadtbahn U18 bis "Rhein-Ruhr-Zentrum" dann mit Bus 138 bis "Regenbogenweg"