Siedlung Heimaterde

Siedlung Heimaterde, um 1920. Quelle: Historisches Archiv Krupp
Siedlung Heimaterde, um 1920. Quelle: Historisches Archiv Krupp

In Mülheim a. d. Ruhr engagierte sich die Firma Krupp auch in der Genossenschaftsbewegung. Am 1. Dezember 1916 gründete sie auf Initiative ihres damaligen Prokuristen Max Halbach die Siedlungsgenossenschaft Heimaterde. Dafür erwarb die Firma ein 340 Morgen großes Gelände unmittelbar an der Stadtgrenze zu Essen und stellte für den Erwerb von Grundstücken unverzinsliche Darlehen zur Verfügung. Der Aufruf zum Eintritt in die Genossenschaft, der 1918 erging, richtete sich jedoch auch an „Nicht-Kruppianer“. Ihren weiteren Einfluss auf die Siedlungsgenossenschaft sicherte sich die Firma, indem sie nicht nur das Baugelände und Darlehen bereitstellte, sondern in den ersten Jahren nach der Genossenschaftsgründung auch das Baumaterial für die Häuser lieferte.

Max Halbach prägte das Siedlungsprogramm, in das Ideen der Bodenreform und der Heimstättenbewegung Anfang der 1920er Jahre einflossen: Familien sollten durch Eigentum abgesichert werden, zur Hauptwohnung kam noch eine Nebenwohnung für das Alter oder als zusätzliche Mieteinnahme hinzu.

Auch die englische Gartenstadtidee floss in die Gestaltung der Heimaterde mit ein: Die Siedlung sollte durch die Einheitlichkeit der Haustypen einen in sich geschlossenen Charakter erhalten, durch eine abwechslungsreiche Straßenführung geprägt werden und sich den landschaftlichen Gegebenheiten harmonisch anpassen. Dabei bildeten die so genannten Siepen (kleine steile Schluchten) die Ausgangsidee für die Planung. Die Häuser sollten um diese Siepen herum angelegt werden. Mit der Bauausführung wurde der Mülheimer Architekt Theodor Suhnel beauftragt.

Kennzeichnend für den ersten Bauabschnitt der Siedlung ab 1919 sind zum Beispiel am Sonnenweg die kleinen, flach gestreckten Häuser mit Gauben auf den Walmdächern, die durch Stallbauten miteinander verbunden sind. Ende der 1920er Jahre veränderte sich die Architektur der Heimaterde. Der von Max Halbach als Ideal angesehene Kotten wich nach seinem Tod mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern ohne Ställe und mit kleineren Gärten. Erkennbar ist diese Neugestaltung der Siedlung insbesondere an der Straße Finkenkamp, an der sich am Abhang des dortigen Siepentals zweistöckige Reihenhäuser ohne Vorgärten befinden.

Bis 1941 war der Bau der Siedlung Heimaterde weitestgehend abgeschlossen. Die Häuserreihe auf der gegenüberliegenden Talseite an der Amselstraße wurde nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut. Hier ist in den 1980er Jahren ein Neubaugebiet entstanden. 1978 entschloss sich die Krupp Wohnungsbau GmbH die Häuser des ersten Bauabschnitts der Heimaterde an Einzelinteressenten zu verkaufen.

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Kontakt & Infos

Siedlung Heimaterde
Sunderplatz
45472 Mülheim an der Ruhr - Heimaterde

ÖPNV

Von Essen Hbf mit U-Stadtbahn U18 bis "Rhein-Ruhr-Zentrum", dann mit Bus 138 bis "Sunderplatz".