Altes Hafenamt

Altes Hafenamt. Foto: RIK/ Guntram Walter
Altes Hafenamt. Foto: RIK/ Guntram Walter

Das alte Hafenamt im Stil der Neorenaissance sollte nach dem Willen seines Architekten, des Stadtbauinspektors Friedrich Kullrich, "dem einfahrenden Schiffer schon von weither als Merkmal des Dortmunder Hafens" dienen.

Ein Kanalkomitee, das 1856 gegründet wurde und sich für eine Schifffahrts- verbindung vom Rhein zu Weser und Elbe mit Hafen in Dortmund einsetzte, stand am Anfang der langjährigen Bemühungen von Stadt, Unternehmen und Handelskammer, die verkehrsbedingten Wettbewerbs- nachteile Dortmunds gegenüber den näher am Rhein gelegenen Industriestädten auszugleichen. Als es 1886 schließlich zum Gesetz über den Bau des Dortmund-Ems-Kanals kam, spielten nicht zuletzt militärstrategische Überlegungen eine Rolle: Die direkte Anbindung des Industriereviers an die Nordsee sollte es im Kriegsfall ermöglichen, die Rheinstrecke durch die Niederlande zu umgehen. Nach einer Bauzeit von nur 7 Jahren, in denen zeitweise über 4.500 Arbeiter auf der Großbaustelle schufteten, weihte Kaiser Wilhelm II. am 11.8.1899 Kanal und Hafen ein. Ein Abzweig führte vom Schiffshebewerk Henrichenburg nach Herne und schloss die dortigen Bergwerke an den Wasserweg an. Mit dem Rhein-Herne-Kanal, der 1907-1914 angelegt wurde, erhielt das östliche Ruhrgebiet dann auch die ersehnte Schifffahrtsverbindung zum Rhein.

Hatten die Kanalbefürworter anfangs vor allem den Kohlenabsatz im Auge, so kamen Kanal und Hafen letztlich am meisten der Eisen- und Stahlindustrie zugute, die ihr Eisenerz nun auf dem Wasserweg beziehen konnte. Während das Hüttenwerk der Dortmunder Union am Hafen lag, erhielten der "Phoenix" in Hörde und die Westfalenhütte durch die städtische Kleinbahn 1907 ebenfalls eine Anbindung an die Wasserstraße. Obwohl der Kanal die Transportkostennachteile gegenüber den Werken am Rhein nicht vollständig ausgleichen konnte, trug er doch zur Wettbewerbsfähigkeit Dortmunds bei, zumal die hochwertigen Kohlenvorkommen und eine qualifizierte Arbeiterschaft den Hüttenwerken zugute kamen.

Heute werden im größten Kanalhafen Europas neben Stahlprodukten vor allem Baustoffe, Mineralöle, Kohlen, Schrott und andere Massengüter umgeschlagen. An der Kanalstraße wurde 1989 das Container Terminal Dortmund (CTD) in Betrieb genommen, das über zwei große Verladebrücken verfügt, die neben Containern auch Schwergut von bis zu 60 t auf Binnenschiffe verladen können.

Der Dortmund-Ems-Kanal ist rd. 225 km lang, beginnt in Dortmund und überwindet auf seiner Gesamtstrecke mit Hilfe von 15 (ursprünglich 17) Kanalstufen einen Höhenunterschied von rd. 70 m. Für den Erztransport hat er keine Bedeutung mehr.

Der ausgedehnte Hafenbereich vermittelt nicht nur einen Eindruck vom modernen Hafenwesen, sondern hat auch Sehenswertes aus seiner Vergangenheit bewahrt. Ein Beispiel dafür sind die beiden Portalkräne von 1906 und 1908, die ältesten noch erhaltenen Exemplare dieses Bautyps in Westfalen, die vom Schmiedinghafen zum Petroleumhafen (an der Brücke Franziusstraße) umgesetzt wurden. Die Umsetzung war nötig geworden, da die Kräne Anfang der 90er Jahre der wirtschaftlichen Weiternutzung der östlichen Kaianlagen des Schmiedinghafens entgegen standen.

Im Alten Hafenamt von 1898 ist die Ausstellung der Dortmunder Hafen-A.G. zu Hafen und Schifffahrt zu sehen, die anhand von Schiffsmodellen und eines großen Funktionsmodells des Hafens über das Schifffahrtswesen und die moderne Hafenwirtschaft informiert.  

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Kontakt & Infos

Altes Hafenamt
Ständige Ausstellung für Hafen und Schifffahrt
Sunderweg 130
44147 Dortmund
Öffnungszeiten
Sa 14 - 17, So 10 - 13 Uhr

ÖPNV

Von Dortmund Hbf mit U-Stadtbahn U47 bis "Hafen" 

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