Fredenbaumpark

Fredenbaumpark. Foto: RIK/ R. Budde
Fredenbaumpark. Foto: RIK/ R. Budde

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts legten die aufstrebenden, industriell geprägten Stadtgemeinden im Ruhrgebiet – vielfach unterstützt von der honorigen Bürgerschaft –  Bürgergärten und Stadtparks an. In und mit diesen Parks repräsentierten Stadt und Bürgerschaft gesellschaftliches Ansehen und bürgerschaftliche Lebensformen. Seit den 1890er Jahren wurden sie vielerorts Schauplatz zum Ausdruck von patriotischer Gesinnung und Kaisertreue. Es wurde jedoch schon bald deutlich, dass mit diesen auf Repräsentation ausgerichteten Stadtgärten allein kein Ausgleich für die schwierigen und belastenden Arbeits- und Lebensbedingungen der rasant wachsenden Arbeiterschaft zu schaffen war. Mit der Umwandlung und Ausgestaltung von stadtnahen Wäldern zu Stadtwäldern bot sich die Möglichkeit, kostengünstiger und großflächiger Erholungsgebiete bereitzustellen. Dies wurde zum einen begünstigt durch den Zeitgeist von Natur- und Heimatschutz, in dem der Wald als „Kraftquell“ des deutschen Volkes fest verankert war, zum anderen durch die Waldverluste infolge der Industrialisierung (Rodung, Bergsenkungen, Rauchschäden). Walderhaltung und Waldentwicklung wurden seit den 1890er Jahren Themenfeld der städtischen Planung und Verwaltung.

Dies gilt so auch für Dortmund. Aus der Allmendeteilung war die Stadt Dortmund im Besitz von 75 Hektar Wald im Westerholz im Norden der Stadt. Bereits um 1860 war das Waldgebiet mit Spazierwegen erschlossen und diente der Bevölkerung als Naherholungsgebiet. Schon wenige Jahre später feierten die Dortmunder Schützenvereine auf der Festwiese ihre Schützenfeste. Ab Mitte der 1880er Jahre wurde eine Promenaden-Kommission bei der Ausgestaltung des Westerholzes mit Spazierwegen sowie Spiel- und Festwiesen einbezogen. Die Gaststätte „Zum Fredenbaum“ bot schon bald neben dem Ausschank Tanz und Kurzweil. 1881 wurde eine Pferde-Straßenbahn von der Innenstadt zum Westerholz, Endhaltestelle „Zum Fredenbaum“, eingerichtet. Dies begünstigte die weitere Entwicklung des Westerholzes zum Ausflugsziel im Dortmunder Norden. Die Gaststätte „Zum Fredenbaum“ ging 1888 in den Besitz der Dortmunder Klosterbrauerei über. Es folgte der Ausbau zu einem über die Stadtgrenzen bekannten Ausflugs- und Vergnügungslokal. Eingebettet in eine parkartige Gestaltung gab es einen Saalbau mit Restauration und großem Festsaal, Musikpavillon sowie die Schützenwiese mit Schießstand. Von nun an fanden die Dortmunder Gewerbeausstellungen und Messen hier statt. Auch „Kaisers Geburtstag“ (27. Januar, Geburtstag Kaiser Wilhelm II.) wurde weihe- und würdevoll – und auch bierselig – traditionell im großen Festsaal gehuldigt.
 
Zur Vorbereitung der „Gartenbau-Ausstellung für Westfalen und die Fürstentümer Lippe“ lobte die Stadt Dortmund 1899 einen gärtnerischen Entwurfswettbewerb aus. Der Stadtwald  Westerholz sollte nun zu einem waren Stadtpark Westerholz ausgebaut werden. In dem renommierten Fachjournal „Die Gartenkunst“ wurden noch 1899 vier mit Preisen ausgezeichnete Entwürfe ausführlich vorgestellt. Ernst Finken aus Köln, dem später auch die Erweiterung des Bochumer Stadtgartens übertragen wurde, bekam für seinen Entwurf den 1. Preis. Finken gliederte das Waldgebiet mit Schneisen und Lichtungen, von einem Sternplatz verteilten sich Rad- und Reitwege sowie ein Rundweg für „Luxusfuhrwerke“. Ein hippodromförmiger Platz sollte dem Radsport und als Mehrzweckplatz dienen. Am großen Teich wurden ein Kaffeehaus und ein Milchausschank vorgesehen. Spiel- und Tummelplätze sowie ein kleiner Teich, im Winter als Schlittschuhbahn nutzbar, rundeten das Angebot ab.  Finkens Entwurf entsprach den gängigen Gestaltungslehren und dem Ausstattungsprogramm der Zeit für derartige Stadtparks. Ob der Entwurf von Finken oder ein anderer der prämierten Entwürfe Leitplan zum Ausbau des Stadtparks Westerholz wurde, ist nicht bekannt. Alle vier prämierten Entwürfe berücksichtigten mit ihren Gestaltungsvorschlägen nicht ausreichend die Örtlichkeit und das Gelände des Westerholzes. In den Jahren von 1904 bis 1906 wurde der Stadtpark Westerholz dann realisiert. Die heute im Fredenbaumpark sichtbaren, raumbildenden Strukturen wie Wiesen, Schneisen, Alleen und Baumreihen gehen sicher auf diese Zeit zurück.

Im Jahre 1912 wandelte sich der Charakter des Stadtparks Westerholz. Aus dem  Ausflugslokal „Zum Fredenbaum“ wurde der „Lunapark“: ein Vergnügungspark mit Tanzzelt und Oberbayrischer Bierhalle, Mühle, verschiedenen Schießständen und Fahrgeschäften wie Berg- und Talbahn und Wasserrutschbahn. 1923 kamen als weitere Attraktionen eine künstliche Felsenlandschaft mit einer Burg und eine Gebirgsbahn hinzu. Der Park hatte seinen Höhepunkt an Popularität und Besucherzuspruch erreicht und war weit über die Grenzen Dortmunds bekannt. Nach wirtschaftlichem Auf und ab kam 1940 das Ende des Vergnügungsparks, die Anlagen wurden abgerissen, der Waldpark blieb.

Geprägt durch die Erschließungs- und Gestaltungsmaßnahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Fredenbaumpark heute ein zeittypischer Waldpark für vielerlei sportliche Aktivitäten und geruhsames Verweilen. Attraktion der letzten Jahre ist für Kinder das „Big Tipi“: ein Indianerzelt von 35 Meter Höhe verbunden mit einem Klettergarten. Der zeit ist das "Big Tipi" aber geschlossen. Mit seiner hohen Naherholungsfunktion für die umliegenden Stadtquartiere im Norden Dortmund steht der Fredenbaumpark in der Tradition seiner Entstehung vor circa 150 Jahren.

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Kontakt & Infos

Fredenbaumpark
Beethovenstraße/ Schützenstraße (Parkplatz)
44147 Dortmund

ÖPNV

Von Dortmund Hbf mit
U-Stadtbahn U41 bis "Fredenbaum" 

Tipp

Das Pumpwerk Evinger Bach der Emschergenossenschaft am Rande des Fredenbaumparks (Münsterstraße 270) wurde ab 1951 gebaut. Da es an einer wichtigen Ausfallstraße platziert ist, wurde es besonders repräsentativ gestaltet.