Hörder Burg

Hörder Burg. Foto: RIK / Guntram Walter
Hörder Burg. Foto: RIK / Guntram Walter

Im Jahre 1840 erwarb der Iserlohner Fabrikant Hermann Diedrich Piepenstock die Hörder Burg. Er hatte 1821 den väterlichen Betrieb übernommen, der neben "Panzerwaren" aus Draht, wie Nadeln, Haken, Ösen und Fischangeln auch verschiedene Drahtsorten und Bleche herstellte. Als erster Fabrikant in Deutschland produzierte Piepenstock verzinktes Weißblech. Auf dem Gelände der Hörder Burg richtete er ein Puddel- und Walzwerk ein. Die nach ihm benannte Hermannshütte wurde 1852 unter dem Namen Hörder Bergwerks- und Hüttenverein zur ersten Aktiengesellschaft im Hüttenwesen des Ruhrgebietes. An der Straße nach Brünninghausen nahm der Hörder Verein zwei Jahre später den ersten Hochofen im heutigen Stadtgebiet in Betrieb. In dieser Zeit beschäftigte die Hütte 2.650 Arbeiter, mit den unternehmenseigenen Zechen sogar 3.788. Als der Hörder Verein 1879 mit den Rheinischen Stahlwerken als erstes deutsches Hüttenwerk das Thomasverfahren übernahm, war der Weg zur großindustriellen Stahlproduktion beschritten. Neben anderen technischen Neuerungen wurde in Hörde der Roheisenmischer entwickelt, der es erlaubte, "in einer Hitze" Eisen zu Stahl zu verarbeiten, das heißt, ohne das Roheisen erneut einzuschmelzen.

Auch in der betrieblichen Sozialpolitik spielte das Unternehmen eine Pionierrolle. Schon Hermann Piepenstocks Vater Caspar Diedrich hatte in Iserlohn eine Begräbnis- und Sterbekasse eingerichtet. In Hörde bestand ab 1842 zusätzlich eine "Kranken- und Hülfskasse" sowie eine Pensionskasse.

Obwohl die Hörder Burg Ende der 1880er Jahre zu klein für die Verwaltung des Unternehmens geworden war, scheiterten Abriss- und Neubaupläne an der schwierigen finanziellen Lage, in der sich der Hörder Verein damals befand. So wurde das Gebäude 1894, 1907 und 1911 umgebaut und erweitert und dabei mit Erkern, Zinnen, Friesen und anderen Elementen aus unterschiedlichen Stilepochen verziert. Von der Fusion des Hörder Vereins mit dem Bergbau- und Hüttenunternehmen Phoenix in (Duisburg-)Laar 1906 bis zum Umzug der Hauptverwaltung des Phoenix nach Düsseldorf 1922 befand sich der Verwaltungssitz des fünftgrößten deutschen Unternehmens mit über 30.000 Beschäftigten in der Hörder Burg. Die "Vorburg", wurde 1917-22 nach Plänen des Architekten Pohl errichtet. Stilelemente früherer Epochen wurden, wie zu dieser Zeit üblich, in die Gestaltung aufgenommen. Der Phoenix schloss sich 1926 der Vereinigte Stahlwerke Aktiengesellschaft an. 1966 übernahm Hoesch das Hörder Hüttenwerk. Die Hörder Burg wurde nach teilweiser Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut und steht heute unter Denkmalschutz. Nach der Demontage des Stahlwerks ab 2001 wurden wurden umfangreiche archäologische Untersuchungen und denkmalpflegerische Sanierungen des Gebäudes vorgenommen. Das Freilichtmuseum "Hörder Burghof" zwischen Burg und Seeufer zeigt Teile des Bodendenkmals, die von der Dortmunder Denkmalbehörde ergraben worden sind.

In unmittelbarer Nähe der Hörder Burg entstand auf dem ehemaligen Stahlwerk-Areal der Phoenix-See, der am 1. Oktober 2010 geflutet wurde. In der Hörder Burg hat der Verein zur Förderung der Heimatpflege e.V. Hörde ein kleines Museum eingerichtet, in dem die Hörder Geschichte dokumentiert wird.

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Kontakt & Infos

Hörder Burg
Hörder Burgstraße
44263 Dortmund-Hörde

Verein zur Förderung der Heimatpflege e.V. Hörde
Öffnungszeiten des Museums, Hörder Burgstr. 18, im Westflügel neben der Burg: Jeden ersten Donnerstag im Monat 16 - 18 Uhr. Zusätzliche Museumsbesichtigungen, Stadtführungen, Burgbesichtigungen nach Vereinbarung:
Willi Garth,  Fon 0231 | 73 05 11 (privat, ab 15 Uhr)

www.heimatverein-hoerde.de/index.html

ÖPNV

Von Dortmund Hbf mit RegionalExpress 57, RegionalBahn RB53, RB59 oder U-Stadtbahn U41 bis Dortmund-Hörde, Bahnhof, dann 10 Minuten Fußweg  

Tipps

Das Hüttenhospital der Hermannshütte (Am Marksbach, Benninghofen) wurde 1857 gegründet. Es war damals das erste Krankenhaus in Hörde und eines der ersten Hüttenhospitäler Deutschlands. Das heutige Gebäude entstand vor dem Ersten Weltkrieg.

Das erste deutsche Magnetmuseum befindet sich auf dem Werksgelände der Tridelta AG, Wittbräucker Straße (gegenüber Haus-Nr. 35) in Aplerbeck. Es hat die über achtzigjährige Geschichte der Magnetproduktion in Dortmund zum Thema. Information und Anmeldung: Tridelta AG, Fon 02 31 | 45 01-271 (nur während der Öffnungszeiten: Di 11 – 18 Uhr, Do 11 – 15 Uhr)

In den Räumen eines ehemaligen Fotogroßlabors befindet sich heute das Automobil-Museum Dortmund, in dem man Oldtimer der Marken Jaguar, Ferrari, Horch, MG, Alfa Romeo, VW, Mercedes uvm. bewundern kann. (Brandisstraße 50 / Ecke Niederhofener Kohlenweg, 44265 Dortmund, Fon 02 31 | 4 75 69 79, Öffnungszeiten: Di - So  12 - 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. www.oldiemuseum.de