Mahn- und Gedenkstätte Steinwache

Mahn- und Gedenkstätte Steinwache. Foto: RIK/ R. Budde
Steinwache. Foto: RIK/ R. Budde

Der nahegelegene Steinplatz mit seinen umliegenden Gaststätten entwickelte sich um die Jahrhundertwende zum Treffpunkt und Versammlungsort für die aufstrebende Arbeiterbewegung, später etablierte sich hier ein Zentrum des kommerziellen Unterhaltungs- und Vergnügungs- gewerbes. Zur Überwachung der Nordstadt als potentieller politischer und sozialer Unruheherd wurde 1906 der Gebäudekomplex an der Steinstraße errichtet und diente als Dienstgebäude des 5. Polizeireviers, im Volksmund auch Steinwache genannt. Um 1926/27 wurde die Polizeiwache um einen Gefängnistrakt mit verbindendem Zwischentrakt erweitert. Gegen Ende der Weimarer Republik zählte das Gefängnis, in dem ein sozial-integrativer Strafvollzug praktiziert wurde, zu den modernsten in Deutschland.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde die Steinwache ab 1933 zu einem Gestapo-Gefängnis umfunktioniert. Die Gestapo (Geheime Staatspolizei) konnte als politische Polizei gegen tatsächliche oder angebliche Gegner des NS-Regimes Schutzhaft in Gefängnissen verhängen und Gefangene foltern und hinrichten. Mitglieder der politischen Parteien, der Gewerkschaften und von Religionsgemeinschaften sowie Sinti, Roma und ausländische Zwangsarbeiter wurden hier von 1933 - 1945 verhört, festgehalten und brutal misshandelt. Als eine der berüchtigsten Folterstätten im Deutschen Reich wurde das Gefängnis in Widerstandskreisen auch als "Hölle von Westdeutschland" bezeichnet. Bis 1945 waren in den rund 50 Haftzellen über 30.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert, einige nur für wenige Wochen, andere für Monate und Jahre.

Nach dem Krieg diente der von den alliierten Luftangriffen weitgehend verschont gebliebene Gebäudekomplex als Polizeiwache und Obdachlosenasyl. 1992 wurde der Gefängnistrakt zur Mahn- und Gedenkstätte "Steinwache" umgewidmet. In den ehemaligen Gefängniszellen befindet sich seither die ständige Ausstellung "Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 - 1945" des Stadtarchivs Dortmund. Neben der Darstellung der geschichtlichen Ereignisse anhand von zahlreichen Dokumenten, ausdruckstarken Fotografien und persönlichen Erinnerungen von Zeitzeugen in Form von Video- und Tonpräsentationen wurden auch einige der Zellen entsprechend dem Zustand von 1933 rekonstruiert. Die dabei gefundenen Inschriften von Häftlingen wurden dokumentiert und zum Teil erhalten.

In dem durch einen modernen Anbau erweiterten Gebäudeteil Steinstraße 48, dem ehemaligen Verwaltungskomplex der Steinwache, hat heute die Auslandsgesellschaft NRW e.V. ihren Sitz. 

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Kontakt & Infos

Mahn- und Gedenkstätte Steinwache
Steinstraße 50
44147 Dortmund

Öffnungszeiten und Führungen

Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr
An Feiertagen 10 bis 17 Uhr

An Neujahr, Heiligabend, 1. Weihnachtstag und Silvester geschlossen.
Der Eintritt ist frei.

Führungen bitte spätestens drei Wochen im voraus unter folgender Telefonnummer anmelden: 0231-50-25002.

ÖPNV

Dortmund Hbf, direkt am Nordausgang