Ostfriedhof

Ostfriedhof. Foto: RIK/ R. Budde
Ostfriedhof. Foto: RIK/ R. Budde

Der Ostfriedhof, der für seine zahlreichen historischen Grabstätten bekannt ist, gilt als einer der schönsten Friedhöfe Deutschlands. Die Gründung des Friedhofs fällt in die Zeit der Industrialisierung Dortmunds, mit der ein starker Bevölkerungszuwachs einhergeht. Als 1811 der erste städtische Friedhof, der Westentotenhof (heute Westpark) vor den Toren der Stadt gegründet wurde, lebten in Dortmund nur 4.000 Menschen. Aber bereits 1870 sind es über 50.000. Daher wird 1876 der Ostenfriedhof als zweiter Kommunaler Friedhof gegründet. Da er in einem Wohngebiet liegt, das bevorzugt von Dortmunder Industriellenfamilien bewohnt wurde, verwundert es nicht, dass hier zahlreiche Grabstätten von Persönlichkeiten zu finden sind, die die Stadt- und Wirtschaftsgeschichte Dortmunds wesentlich mitgeprägt haben.

Die Trauerhalle und die Verwaltung mit Wohnhaus am Haupteingang stammen aus der Gründungsphase des Friedhofs und stehen ebenso wie fast 100 Gräber unter Denkmalschutz. Zahlreiche zum Teil recht monumentale und aufwändige Grabanlagen finden sich entlang der Hauptachse, die vom Haupteingang Richtung Süden verläuft. Gleich zu Anfang liegt auf der rechten Seite eines der ältesten Gräber des Friedhofs. Hier wurde 1876 Deutschlands wohl berühmteste Köchin, Henriette Davidis, begraben, die den Satz prägte: "Man nehme...". Ihre Bücher stehen heute im Mittelpunkt des Deutschen Kochbuchmuseums im Westfalenpark.

Etwas weiter auf der rechten Seite (Feld 3) fällt das Grab der Familie Bäumer durch seine imposanten Schmiedearbeiten auf. Es ist eines der letzten großen, mit Gusseisen gestalteten Grabmale in Westfalen. Bei vielen anderen Gräbern jedoch wurde das Metall im Krieg abmontiert und für die Waffenproduktion eingeschmolzen. Gleich nebenan ist in dem Familiengrab Hoesch die "Gründergeneration" des Hüttenunternehmens beigesetzt. (Siehe auch Hauptverwaltung Hoesch). Auf der linken Seite, bereits im Feld 10, befinden sich das Grab Taeglichsbeck, das einen trauernden Knappen in Festtracht vor dunklem, an Kohle erinnernden Stein zeigt. Hier ruht Otto Taeglichsbeck (1838 - 1903); Berghauptmann und Direktor des Oberbergamts Dortmund. Er engagierte sich unter anderem für die Verbesserung der Unfallverhütungsvorschriften und für den Wohnungsbau für Bergleute. Fast am Ende des Hauptweges liegt die Grabstätte Jucho (Feld 13) mit zwei lebensgroßen Bronzefiguren. Das Grabmal erwarb Caspar Heinrich Jucho, Gründer eines bedeutenden Dortmunder Brückenbauunternehmens, auf der Pariser Weltausstellung von 1898 und ließ es nach seinen Vorstellungen umgestalten.

Zwei Gedenkstätten erinnern auf dem Ostfriedhof an zwei Grubenunglücke, die sich auf den Zechen Kaiserstuhl I und Kaiserstuhl II ereignet haben.

Bei einer Schlagwetterexplosion auf Schacht I der Zeche Kaiserstuhl am 19. August 1893 starben 61 Bergleute. 48 Unglücksopfer wurden auf dem Ostfriedhof bestattet (Feld 10). Das Denkmal aus rotem Sandstein ist antiker Tempelarchitektur nachempfunden. Dahinter stehen Gusstafeln, die auf kleinen Rundsäulen angebracht sind und Namen und Geburtsdatum der verunglückten Bergleute tragen.

Nicht weit entfernt erinnert eine weitere Gedenkstätte an die 19 Bergleute, die am 22. Dezember 1897, nur vier Jahre später, auf Schacht II ebenfalls durch eine Schlagwetterexplosion ums Leben kamen. Das Denkmal besteht aus einer aufrecht stehenden Steinplatte (Stele), hinter der die Gräber für die Toten angelegt wurden (Feld 11).

Ganz in der Nähe im Feld 10 steht ein Gedenkstein für C.W. Tölcke (1817-1893), eine führende Persönlichkeit des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV). Der ADAV wurde 1863 von Ferdinand Lassalle gegründet. Er setzte sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Industriearbeiter ein und forderte die Ablösung des Dreiklassenwahlrechts durch das freie, gleiche und direkte Wahlrecht. Die ersten Ortsgruppen in Duisburg, Mülheim und Ruhrort bildeten sich 1864.  

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Kontakt & Infos

Ostfriedhof
Robert-Koch-Straße 35 (Haupteingang)
44143 Dortmund (Innenstadt-Ost)
Vom Eingang Robert-Koch-Straße auf dem Hauptweg geradeaus. Nach ca. 200 m liegt links die Gedenkstätte für das Unglück auf Kaiserstuhl I (Abzweig hinter der Hoesch-Grabstätte). Die Gedenkstätte für das Unglück auf Kaiserstuhl II befindet sich am Hauptweg, ca. 100 m hinter der Hoesch-Grabstätte auf der rechten Seite.

ÖPNV

U-Stadtbahn U43 bis "Funkenburg", dann 5 Minuten Fußweg 

Tipp

Eine Übersicht über alle Denkmäler für Grubenunglücke findet sich auf den Seiten der ehemaligen Zeche Minister-Achenbach