Siedlung Oberdorstfeld

Siedlung Oberdorstfeld. Foto: RIK/ Guntram Walter
Siedlung Oberdorstfeld. Foto: RIK/ Guntram Walter

Die Siedlung Oberdorstfeld wurde zwischen 1913 und 1919 von der Zeche Dorstfeld angelegt. Der Architekt Oskar Schwer aus Essen schuf eine Siedlung im Stil einer Gartenstadt. Die 16 Baugruppen umfassen zwischen zwei und sieben Häuser, die sich in Wohnungsgröße und Gestaltungsaufwand unterscheiden. So verfügen die Eckbauten, die vorwiegend für Steiger und Zechenbeamte gedacht waren, häufig über Standerker ("Ausluchten"). In Schwers Konzept sind die Vorstellungen des Aachener Städtebautheoretikers Karl Henrici zu erkennen, der die Übertragung ortsfremder Motive und historischer Bauformen ebenso wie jeden Schematismus ablehnte und statt dessen eine vielfältige und "überraschende" Bauweise forderte. In Oberdorstfeld tragen Straßenerweiterungen und Platzbildung, Sichtbezüge, gestaffelte Hausgruppen und wechselnde Firstrichtungen zu einem "malerischen" Siedlungsbild bei. Zum Teil werden auch Bodenform (Gefälle), Bauflucht und Straßenfluchtlinie in eine spannungsreiche Beziehung zueinander gesetzt, wie in der Zechenstraße, wo die Straßenführung und die Stellung der Hausgruppen sich nicht entsprechen.

Die Erweiterung der Siedlung nach Norden und Westen, die von der Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im rheinisch-westfälischen Steinkohlebezirk GmbH errichtet wurde, verdeutlicht, wie sich Architektur und städtebauliche Vorstellungen im Verlauf der zwanziger Jahre wandelten.

Die Bauten des Berliner Architekten Otto Rudolf Salvisberg aus den beiden ersten Phasen 1920/21 und 1922-26 in Wittener Straße, Lange Fuhr und Beckstedtweg weisen noch die Merkmale der Gartenstadt auf. Es handelt sich überwiegend um eineinhalbgeschossige Reihenhäuser, die zum Teil versetzt angeordnet sind. Die lange Bauzeit des zweiten Abschnitts erklärt sich aus den widrigen Zeitumständen (Inflation, Ruhrbesetzung), welche die Bautätigkeit zeitweise zum Erliegen brachten. Ein neuer Stil kennzeichnet die Bebauung aus dem Jahre 1927 in den Straßen Am Höhweg und Fine Frau. Hier schufen die Dortmunder Architektenbüros Hugo Heinemann und Feldmann & Müller zweigeschossige Mehrfamilienhäuser als große Häuserblöcke bzw. Reihen. Hausformen und Fassaden sind nun einfacher gestaltet. Als schmückende Elemente wirken vor allem die Sockel und Türeinfassungen aus Ziegelstein, die Anklänge an die expressionistische Architektur der Zeit zeigen. Während dieser Teil der Siedlung stilgetreu restauriert worden ist, sind die Einfamilienhäuser aus den beiden ersten Bauphasen häufig so stark verändert, dass sich der ursprüngliche Entwurf kaum noch erkennen läßt. 

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Kontakt & Infos

Siedlung Oberdorstfeld
Wittener Straße / Zechenstraße / Zollvereinstraße / Knappenstraße
44149 Dortmund-Dorstfeld Süd
Erweiterung aus den zwanziger Jahren:
Lange Fuhr / Beckstedtweg / Am Höhweg / Fine Frau
44149 Dortmund-Dorstfeld Süd

ÖPNV

S-Bahn S1 bis Dortmund-Dorstfeld Süd, dann 10 Minuten Fußweg oder S-Bahn S1, S2 oder S4 bis Dortmund-Dorstfeld, dann mit Bus 465 oder 466 bis "Am Höhweg"
                             

Tipps

Von der Zeche Dorstfeld 2/3 (Wittener Straße 120/ Oberbank 1) zeugen heute noch verschiedene bauliche Relikte. Ein Teil der Gebäude wird seit 1998 vom Creativzentrum der Volkshochschule Dortmund genutzt.

Das um 1900 entstandene Haus Schulte-Witten (Dorstfelder Hellweg 44, Wittener Straße 3 = ehemalige dazugehörige Rentei) dokumentiert den Luxus, den sich alteingesessene Dorstfelder Bauern durch den lukrativen Verkauf ihrer Ländereien an die Zechengesellschaften leisten konnten.

Die Doppel-Hochbehälter (Kohleneindicker) der Zeche Dorstfeld 1/4 (Heyden-Rhynsch-Straße 32/34) aus der Zeit um 1920 waren einst Bestandteil der Kohle-Flotation

Die vor 1921 mittels Seilschwebebahn in Spitzkegelform aufgeschütteten "Sieben Berge" der Zeche Dorstfeld 1/4 (Höfkerstraße/ Hallerey) gehören noch zur ersten Haldengeneration.

Das Westfälische Schulmuseum in Marten verfügt über eine der größten schulhistorischen Sammlungen in Deutschland. Hier kann man in 500 Jahren Schulgeschichte schnüffeln. (An der Wasserburg 1, Dortmund-Marten, Fon 0231 | 61 30 95)