Unternehmervillen im Ostparkviertel

Unternehmervillen im Ostparkviertel. Foto: RIK/ R. Budde
Unternehmervillen im Ostparkviertel. Foto: RIK/ R. Budde

Auf dem ersten Stadtbauplan für Dortmund und Umgebung aus dem Jahre 1857-58 findet man östlich des Innenstadtkerns nur 3 Gebäude, die entlang des Hellwegs (heute Kaiserstraße) stehen. Steigender Bedarf nach Wohn-, Büro- und Industrieflächen führt zur Entwicklung des ersten Stadterweiterungsplans, der damals die Grundlage für die Bebauung dieses Gebiets bildete. Das Viertel zwischen der Dortmunder Innenstadt und dem Ostfriedhof entstand ab etwa 1900. Zwischen der Kronprinzenstraße und der Arndtstraße mit der östlichen Begrenzung Bismarckstraße sollte das Konzept der Landhausstraßen verwirklicht werden. Vorgesehen war die offene Bebauung mit Einzelgebäuden oder Gebäudekomplexen mit einer Gesamtfrontlänge von maximal 40 Metern mit einem seitlichen Abstand zum Nachbarn. So entwickelte sich ein vom Großbürgerturm bevorzugtes Viertel, in dem sich zahlreiche Industrielle, Ärzte und hohe Beamte mit Villen niederließen. Einschränkungen gab es aber durch die begrenzten Grundstücksflächen, die nur relativ kleine Ziergärten zuließen. Noch heute finden sich hier zahlreich Häuser, die vom Repräsentationsbedürfnis ihrer Erbauer zeugen. Hier nur zwei Beispiele:

Nach einem Entwurf vom Juli 1900 des Dortmunder Architekten Ernst Marx wurde in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße 3 für den Agenten für Bergbautechnik und Zubehör, Hugo Friemann (Verkauf von Gesteins- und Bohrmaschinen, Gruben- und Sicherheitslampen; Zweigniederlassung der Firma Friemann & Wolf, Zwickau), ein Wohnhaus mit Nebengebäuden errichtet. Die Wirtschaftsgebäude (Stall, Remise und Kutscherwohnung) standen auf dem hinteren Teil des Grundstücks und wurden nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg völlig anders wieder aufgebaut.

Die imposante Architektur des Wohnhauses beeindruckt vor allem durch vier mächtige Säulen mit ionischen Kapitellen, die sich über beide Vollgeschosse erstrecken und die Hauptfassade an der Prinz-Friedrich-Karl-Straße bestimmen. Ein Tympanon (Giebelfeld) mit figürlichen Allegorien des Bergbaus und der Stahlindustrie schließt den risalitartigen Vorbau ab. Das in Massivbauweise erstellte Gebäude mit einer Fassadengliederung und Dekoration in klassizistischer Manier wurde im Krieg ebenfalls beschädigt. Während das Mansardwalmdach in vereinfachter Form wiederaufgebaut wurde, ist der Hauptbaukörper nahezu unverändert geblieben. Die Aufteilung des Hauses im Innern war typisch für die Villenarchitektur der Jahrhundertwende. Im Sockelgeschoss, das einen eigenen Eingang auf der Rückseite besaß, befanden sich die Büro- und Lagerräume sowie die Küche und die Waschküche. Darüber lag die sogenannte "belle etage" mit Salon, Speise- und Wohnzimmer. Das Dachgeschoss war für die Räume der Bediensteten vorgesehen. Heute befinden sich in dem Gebäude Büros.

1922 entstand nach den Plänen des Architekten Emil Pohle die Villa Klönne in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße 36. Das Stahlbauunternehmen Aug. Klönne wurde 1879 von dem "Civilingenieur" August Klönne gegründet. Klönne begann auf dem Gebiet des Industrieofenbaus, aber schon bald nach der Gründung wurde das Fertigungsprogramm erheblich erweitert. In den folgenden Jahrzehnten baute das Unternehmen Gasbehälter, Brücken, Krananlagen, Hallen, Fördergerüste und Stahlwasserbauten wie z.B. Schiffshebewerke, Schwimmdocks oder Seeschleusen in vielen Länder der Erde. 1958 waren bei Klönne ca. 1700 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. In den 90er Jahren - Klönne gehörte mittlerweile zur Thyssen Engineering GmbH - kam das Aus für den Dortmunder Standort. Das Werksgelände befand sich in an der Körnebachstraße (Werk 1) und an der Hannöverschen Straße (Werk 2).

Die Villa sollte neben den eigenen Wohnbedürfnissen auch größeren gesellschaftlichen Ansprüchen genügen. Im Erdgeschoss befanden sich die Repräsentationsräume wie der Salon oder das Esszimmer. Die Küche lag im Kellergeschoss und war mit dem Esszimmer über einen Aufzug für die Speisen verbunden. Das Dienstpersonal wohnte im Dachgeschoss. Im Krieg wurde das Gebäude, das ursprünglich mit einem steilen Walmdach versehen war, stark in Mitleidenschaft gezogen und anschließend verändert wieder aufgebaut. In den 1960er Jahren wurde das Garagen- und Gärtnerhaus, das mit der Villa baulich und stilistisch eine Einheit bildete, abgerissen und durch einen neuen Anbau ersetzt. 

zurück 30/53 vor

Kontakt & Infos

Unternehmervillen im Ostparkviertel
Prinz-Friedrich-Karl-Straße und Umgebung
44135 Dortmund (Innenstadt-Ost)

ÖPNV

U-Stadtbahn U43 bis "Ostentor", dann 5 Minuten Fußweg