Verwaltungsgebäude Union

Verwaltungsgebäude Union, Foto: RIK/ Guntram Walter
Verwaltungsgebäude Union, Foto: RIK/ Guntram Walter

Der "Eisenbahnkönig" Henry Bethel Strousberg erwarb 1868 die Dortmunder Hütte, um das Vormaterial für seine Eisenbahnaufträge selbst herstellen zu können. Hochfliegende Erweiterungs- vorhaben wurden jedoch schon drei Jahre später zunichte gemacht, als sich der geplante Aufbau eines Eisenbahnnetzes in Rumänien als Pleite herausstellte. Unter Führung der Disconto-Gesellschaft wurde aus der Konkursmasse Strousbergs 1872 die Union Aktiengesellschaft für Bergbau, Eisen- und Stahlindustrie zu Dortmund gegründet. Sie umfasste außer der Dortmunder Hütte Zechen und weitere Hüttenwerke und war die größte Aktiengesellschaft im Ruhrgebiet sowie das größte gemischte Unternehmen im Deutschen Reich. Ähnlich wie Strousberg übernahm sich auch die Union mit Neuerwerbungen und gigantischen Ausbauplänen. Da die Anlagen außerdem überbewertet waren, wurde das Unternehmen von der so genannten Gründerkrise voll erfaßt. Wegen der Größe und Bedeutung des Konzerns brachten seine Probleme, die während der ganzen 1870er und achtziger Jahre andauerten, auch andere Firmen in Bedrängnis und beeinträchtigten das Wirtschaftsleben im Raum Dortmund.

Die Union ging 1910 an die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-AG von Hugo Stinnes über. Er weihte 1922 das neue Verwaltungsgebäude ein. Dank der Gewinne aus der Rüstungsproduktion war es möglich, während des Krieges und in der krisengeschüttelten Nachkriegszeit den neuen aufwendigen Firmensitz zu errichten. Innerhalb der Vereinigten Stahlwerke, zu denen die Union seit 1926 gehörte, bildete sie mit dem Phoenix-Werk in Hoerde die Dortmund-Hoerder Hüttenverein AG. Bei der Entflechtung nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst getrennt, wurde diese Unternehmenskonstruktion Anfang der fünfziger Jahre als Dortmund-Hoerder Hüttenunion wiederhergestellt. 1966 übernahm Hoesch die Hüttenunion. Als Ergebnis von Stahlkrise und Rationalisierung sind die meisten Produktionsbereiche heute stillgelegt. 

Verwaltungsgebäude Union
Verwaltungsgebäude Union

Nur der Verwaltungsbau zeugt noch von einstiger Größe. Er wurde auf der Grundlage von Vorentwürfen aus der Bauabteilung der Union von den Dortmunder Architekten Dietrich und Karl Schulze geplant und weist Ähnlichkeiten mit dem Mannesmann-Verwaltungsgebäude in Düsseldorf von Peter Behrens aus dem Jahre 1911/12 auf, das als einer der ersten modernen Bürobauten auf dem Kontinent gilt und zum Vorbild für zahlreiche Verwaltungsgebäude wurde. Das Union-Gebäude, das im Inneren drei Lichthöfe umschließt, stellt sich nach außen als einheitlicher Block dar und erinnert an einen Renaissancepalast. Motive aus Bergbau und Stahlindustrie, ergänzt durch Maschinengewehr, Füllhorn und Lorbeerkranz, begleiten die Besucher/innen von der Außenseite durch die Eingangshalle bis zum mittleren Lichthof und künden von Wirkungsfeld und Selbstverständnis des Bauherrn. Hinter Monumentalität und Symbolik verbergen sich bauliche und technische Lösungen auf dem neuesten Stand der Zeit. Der "Palast" ist in seinem Kern ein Stahlskelettbau mit leichten bzw. variablen Innenwänden und verfügte – das war damals etwas Besonderes - u.a. über ein internes Selbstwähl-Telefonnetz, zentral gesteuerte elektrische Uhren, ein Staubsaugerrohrsystem und eine Warmwasserheizung, welche die Abhitze des Blockwalzwerks der Hüttenanlagen verwendete.

Da das Gebäude den Bombenkrieg nahezu unbeschadet überstanden hatte, fand hier im großen Sitzungssaal, der auch heute noch unverändert erhalten ist, die erste Ratsversammlung in Dortmund nach dem Krieg statt. Zuletzt wurde das Gebäude von 1995 bis 2011 vom Versorgungsamt der Stadt Dortmund genutzt. 

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Kontakt & Infos

Ehem. Verwaltungsgebäude der Union
Rheinische Straße 173
44147 Dortmund (Innenstadt West)

ÖPNV

U-Stadtbahn U43, U44 bis "Ottostraße"