Westfalenhütte

Westfalenhütte. Foto: RIK/ R. Budde
Westfalenhütte. Foto: RIK/ R. Budde

1871 gründete die Eifeler Unternehmerfamilie Hoesch ein Hüttenwerk nördlich der Stadt. Die Produktion begann mit einer Bessemeranlage zur Stahlerzeugung. Das Werk beschäftigte anfangs 320 Arbeiter und stellte vorwiegend Eisenbahnschienen her. 1880 erwarb Hoesch das Patent auf die Herstellung von Thomasstahl. Zur Erzeugung anspruchsvollerer Stahlsorten wurde 1895 ein Siemens-Martin-Stahlwerk errichtet. Die Beheizung der Siemens-Martin-Öfen mit Koksgas statt mit Generatorgas galt als technische Sensation. Das Koksgas gelangte über eine Rohrleitung von der Kokerei Kaiserstuhl zum Martinwerk. Im Hinblick auf den geplanten Kanalanschluss Dortmunds, der den preisgünstigen Bezug von Eisenerz erwarten ließ, und um sich vom Preisdiktat des Roheisensyndikates zu befreien, stellten die Hoeschwerke ab 1896 auch Roheisen her. Mit dem Erwerb der "Gewerkschaft Westphalia", die Zeche und Kokerei Kaiserstuhl betrieb, schuf sich Hoesch eine eigene Energiegrundlage. Über die Beteiligung an Erzvorkommen, die Gründung einer Handelsgesellschaft und den Kauf von Betrieben der Weiterverarbeitung entstand bis zum Ersten Weltkrieg ein Konzern, der von den Rohstoffen bis zum Vertrieb alle Sparten und Stufen der Eisen- und Stahlproduktion vereinte.

1912-14 ließ die Firma Hoesch ein Bürogebäude durch die Architekten Hugo Steinbach und Paul Lutter errichten. Dieses Architekturbüro befasste sich vor dem Ersten Weltkrieg mit einer Reihe bedeutender Bauvorhaben in Dortmund. Gestaltungselemente bei der ehemaligen Hauptverwaltung sind das hohe Sockelgeschoss und die wie Säulen einer Tempelfront wirkenden Pilaster. Das Gebäude war allein aufgrund seiner Dimensionen ein Symbol für das zu imposanter Größe aufgestiegene Unternehmen. Im Vergleich zum benachbarten Bürohaus von 1882/1895 zeigt es den wirtschaftlichen Aufschwung, den die Firma genommen hatte. Bereits in den 1930er Jahren war auch diese Gebäude zu klein. 1938 wurde durch Ersatz des Mansarddaches durch ein Lichtband aus Fenstern neuer Büroraum geschaffen. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte man die Fassade erneut. Sie wurde nach Kriegsbeschädigung im puristischen Stil der 50er Jahre wiederaufgebaut. 

Westfalenhütte. Foto: RIK/ Guntram Walter
Westfalenhütte. Foto: RIK/ Guntram Walter

In den letzten Jahrzehnten hat der Stahlstandort Dortmund einen tiefgreifenden Wandel erfahren, der geprägt war von Unternehmenskonzentrationen, Produktivitätssteigerungen, Stilllegungen und dem damit verbundenen Abbau von Arbeitsplätzen. Mit dem Anschluss der Dortmund-Hörder-Hüttenunion, die 1951 aus den Hüttenwerken Union und Hörde entstanden war, wurde Hoesch 1966 einer der größten Stahlproduzenten Deutschlands und in Dortmund gab es nur noch einen Stahlkonzern. 1992 kam es durch Erwerb der Aktienmehrheit zur Übernahme durch Krupp. Im März 1999 wurde dann die letzte Phase der Fusion von Krupp-Hoesch und Thyssen abgeschlossen. Mit dem Zusammengehen der beiden ehemaligen Konkurrenten wurde auch eine Konzentration der Eisen- und Stahlproduktion entlang der Rheinschiene in Duisburg beschlossen. Der Name Hoesch verschwand aus dem Handelsregister und nach und nach wurden zahlreiche Anlagen und ganze Werksteile in Dortmund stillgelegt. Das große Aus kam am 28.04.2001 mit der Stilllegung des Hochofens 7 auf der Westfalenhütte und dem Stahlwerk in Hörde (Phoenix-Ost).

Heute gibt es auf der Westfalenhütte nur noch eine Weiterverarbeitung, bestehend aus einem Kaltwalzwerk mit Kontiglühe und Anlagen zur Oberflächenveredelung von Blechen vorwiegend für die Automobilindustrie. Direkt neben der ehemaligen Hauptverwaltung hat das von der ThyssenKrupp Steel gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahre 2000 in Betrieb genommene Dortmunder OberflächenCentrum (DOC), das größte Forschungszentrum für die Oberflächenveredelung von Flachstahl in Europa, mit dazu beitragen, einen kleinen Teil der bei der Stilllegung weggefallenen Arbeitsplätze zu ersetzten.

An die alte Firma Hoesch im "Hoeschviertel" rund um den Borsigplatz erinnern das alte und das neue Verwaltungsgebäude, das ehemalige Gästehaus in der Springorumstraße, das Hoesch-Museum im ehemaligen Portierhaus 1 sowie der Hoeschpark. 

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Kontakt & Infos

ThyssenKrupp Steel
Werk Westfalenhütte
DOC Dortmunder OberflächenCentrum
Eberhardstraße 12, Tor W 1
44145 Dortmund

ÖPNV

U-Stadtbahn U44 bis "Westfalenhütte"