Zeche Zollern

Zeche Zollern II/IV. Foto: RIK/ Guntram Walter
Zeche Zollern II/IV. Foto: RIK/ Guntram Walter

Mit großem architektonischem Aufwand gestaltet, galt Zollern II/IV als Musterzeche und Vorzeigeobjekt der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG). Die Anlagen wurden zwischen 1898 und 1904 erbaut. Die Förderung begann 1902 und endete 1955. Während der Architekt Paul Knobbe aus Gelsenkirchen mit den Gebäuden im Eingangsbereich, die sich um einen Innenhof gruppieren, ein Ensemble in der Formensprache des Historismus schuf, stellt die Maschinenhalle mit ihrem kunstvollen Hauptportal ein Glanzstück des Jugendstils dar. Hier entschied sich die GBAG, angeregt durch den Ausstellungspavillon der Gutehoffnungshütte (GHH) auf der Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung von 1902, entgegen dem ursprünglichen Entwurf für einen Stahlskelettbau. Mit der Gestaltung wurde der bekannte Berliner Architekt Bruno Möhring beauftragt. Die Konstruktion erfolgte durch die GHH.

Auch in technischer Hinsicht war die Zeche Zollern II/IV richtungweisend: Die östliche Fördermaschine, die 1903 installiert wurde, gilt als eine der ersten elektrischen Fördermaschinen der Welt.

Die Bergleute betraten das Zechengelände durch das Zechentor mit den beiden Torhäusern. An der Markenkontrolle erhielt jeder Bergmann eine Marke mit Nummer, die er nach der Schicht wieder abgab. Die Leichenhalle in einem der beiden Torhäuser erinnert an die Gefahren, denen die Bergleute bei ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt waren. In der Kaue zogen sich die Bergleute um und holten anschließend in der Lampenstube ihre Sicherheitslampe ab. Dann begaben sie sich zur Einfahrt in die Schachthalle. Untertage war oft noch ein langer Weg vom Schacht zum Arbeitsplatz zurückzulegen. Obwohl schon in den 1880er Jahren die Forderung aufkam, die nach der Schicht verschwitzten Bergleute durch einen überdachten Gang vor Wind und Wetter zu schützen, mussten sie auf der Musterzeche Zollern II/IV von der Schachthalle zur Kaue noch fast 100 m im Freien zurücklegen. Der Bergmann betrat und verließ den Kauentrakt mit Garderobe, Waschräumen und Lampenstube durch die repräsentative Lohnhalle, wo – der Name deutet darauf hin – auch der Lohn ausgezahlt wurde. Sinnsprüche an der kunstvollen Holzdecke riefen zu erhöhter Arbeitsleistung auf.

Es war die architektonische Qualität der Maschinenhalle, die 1969 den Protest von Fachleuten und engagierten Bürgern gegen den geplanten Abriss auslöste und damit längerfristig den Erhalt der gesamten Anlage sicherte. Die Initiative zur Erhaltung von Zollern II/IV gab den Anstoß für die Erweiterung der Denkmalpflege auf die Zeugnisse der Hochindustrialisierung und für eine systematische Bestandsaufnahme der Industriedenkmäler in Nordrhein-Westfalen. Nachdem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe Zollern II/IV 1981 für das Westfälische Industriemuseum (WIM) übernommen hatte, wurde die Zeche restauriert und zum Museum ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen Arbeit und Alltag der Bergleute und ihrer Familien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie werden an den authentischen Orten, in den Werkstätten, der Steigerstube, dem Lohnbüro und einer Wohnung der angrenzenden Kolonie dokumentiert. In Zollern II/IV befindet sich die Zentrale des WIM mit Verwaltung, Werkstätten und Depot. 

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Kontakt & Infos

LWL-Industriemuseum
Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund- Bövinghausen
Telefon: +49 (0) 231 / 69 61-111

ÖPNV

Von Dortmund Hbf oder Herne mit Regionalbahn RB 43 bis "Dortmund - Bövinghausen", dann 5 Minuten Fußweg 

metropolradruhr

Nächster Standort: S-Bf. DO-Lütgendortmund (S4), 3,4 km, 17 Min

www.metropolradruhr.de

Öffnungszeiten / Führungen

Di-So, feiertags 10-18 Uhr, Einlass bis 17.30 Uhr

Das Restaurant Pferdestall ist eine Gastronomie für Museumsgäste. Wer spontan nur ins Restaurant will, muss den vollen Museumseintritt zahlen. Gäste, die ausschließlich das Restaurant besuchen möchten, reservieren bitte spätestens am Vortag im Restaurant Pferdestall unter Tel. 0231 6903236 einen Tisch. Aufgrund einer solchen Reservierung fällt nur eine reduzierte Gebühr von 1 EUR pro Person an. Liegt bei einem Besuch keine Reservierung vor, muss der volle Eintritt gezahlt werden. Ab 18 Uhr ist das Restaurant frei zugänglich.